Vereinigung zur Erhaltung Deutscher Burgen [Editor]
Der Burgwart: Mitteilungsbl. d. Deutschen Burgenvereinigung e.V. zum Schutze Historischer Wehrbauten, Schlösser und Wohnbauten — 29.1928

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Der Burgwart
Zeitung üervereinigung Zur Erhaltung deutscher Burgen

Herausgeber: Professor Voöo Ebharöt, Architekt, Berlin-Grunewalö
Lurgverlag, G.m.b.H., Berlin-Grunewalö
2^. Jahrgang - Ser Burgwart erscheint sechsmal jährlich ^ Bezugspreis 1,50 Mark für den Bogen - Nnmmon
1^28 ^ MitglieöeröervereinigungzurCrhaltungdeutscherBurgenerhaltendenBurgwartunentgeltlich ^
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Die Stadtbefestigungen von Koblenz von der Römerzeit
bis ins XX. Jahrhundert.
Von Museumsdirektor Adam Günther und Or. mecl. Fritz Michel.

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I. Das römische Koblenz. (Von Museumsdirektor A. Günther.


Aber Koblenz und Andernach, die beiden wichtigen End- und Stützpunkte des durch die neuere Forschung
, und die Beobachtungen bei den großen Erdbewegungs- und Abtragsarbeiten als einem der bedeutsamsten
Verkehrs- und Mittelpunkte im Völkerleben aller Zeiten und in der Kriegsgeschichte seit Cäsars Zeit
IA durch die zahlreichen Stromübergänge und Ereignisse bekannten Neuwieder Beckens, ist uns aus der
antiken Literatur und Geschichte nur sehr wenig berichtet, und ihren tatsächlichen Bestand und ihre Be-
deutung haben wir nur durch die Bodenforschung kennengelernt. War Koblenz als Römerstadt früher noch weniger
bekannt als Andernach, so treten auch seine Bodenfunde gegen dieses an Zahl und Reichtum zurück. Für Koblenz
begann schon damals seine Leidensgeschichte als Festungsstadt, die nunmehr in ununterbrochenem Verlauf bis zum
Schluß des 19. Jahrhunderts andanerte und jeden Aufschwung und jede Ausdehnung der Stadt verhinderte. An
der jedenfalls schon sehr lange vor der Römerzeit vorhandenen großen Heer- und Völkerstraße des Rheintals ge-
legen, fiel ihm die Deckung des Moselüberganges zu, und es entstand hier eines der zahlreichen von Drusus zum Schutze
der Rheingrenze errichteten Erdkastelle, das nach seiner Lage bei dem Zusammenfluß von Mosel und Rhein den Namen
Confluentes erhielt. Zur Zeit des Tiberius mag dieses schon durch ein Steinkastell ersetzt worden sein, worauf ver-
schiedene bei Ausschachtungsarbeiten im Innern der Altstadt gemachte Beobachtungen schließen lassen können, um
dann, nach den sehr wahrscheinlichen Beschädigungen und Zerstörungen des Chattenkrieges, des Bataverausstandes
usw., nach der Anlage des domitianischen Limes (um 85 n. Ehr.) auf der rechten Rheinseite vorübergehend seine
militärische Bedeutung zu verlieren und eine offene Stadt zu werden. Gerade die Zeit von der Wende des I. zum
II. Jahrhundert bis in die erste Hälfte des III. Jahrhunderts scheint nach den verschiedenen auf dem Gebiet der Alt-
stadt, in den Pfahlrosten der Römerbrücke über die Mosel und in dem Tempelbezirk des Stadtwaldes gemachten
Funden reicher in lothringischem Kalkstein ausgeführter Skülpturreste eine Zeit der Blüte für Koblenz gewesen zu sein.
Das wurde anders, als zum erstenmal der Limes, um 260 n. Ehr., dem Ansturm der germanischen Völker unter-
lag und ihre Scharen im ersten Siegesräusche sich über das linke Rheinufer ergossen und selbst die Hauptstadt Trier
in den Zerstörungssturm einschlossen. Für Koblenz ergeben sich die Spuren dieses Zuges aus den an den verschiedenen
Stellen der Altstadt aufgefundenen Brand- und Wiederaufbauresten. Dieser große Germaneneinfall hatte aber
zur Folge, daß nunmehr zum Schutze der Rheingrenze an Stelle der alten Drususkastelle eine Reihe von mit Mauern
und Türmen umwehrter Festungsstädte auf dem linken Stromufer erichtet wurde, unter denen sich auch Koblenz
und Andernach, als die wichtigen Stützpunkte des in seiner wirtschaftlichen und militärischen Bedeutung von den
Römern erkannten und in den Schutz des Limes einbezogenen Neuwieder Beckens befanden. Die Not der Zeit zwang
zur schleunigsten Durchführung der neuen Befestigungsanlagen, damit aber auch zur größten Ersparnis an Aus-
dehnung und an dem dazu erforderlichen Material. So wurden denn beide Städte in ihrem bisherigen Umfange sehr
beschränkt, Andernach auf etwa 6 Im, Koblenz auf etwa 5,80 Im. Wie in den Größenverhältnissen, so herrscht auch in der
Technik der Befestigung und in der Anlage der Türme große Übereinstimmung bei beiden Städten. Während aber

0 Aus Anlaß der Burgenfahrt au den Rhein 1928.
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