Vereinigung zur Erhaltung Deutscher Burgen [Editor]
Der Burgwart: Mitteilungsbl. d. Deutschen Burgenvereinigung e.V. zum Schutze Historischer Wehrbauten, Schlösser und Wohnbauten — 29.1928

Page: 47
DOI issue: DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/burgwart29/0071
License: Free access  - all rights reserved
0.5
1 cm
facsimile
47

Burgenschau.
Ausgrabungen auf der Burg Waldau
in Württemberg.
In der Nähe vom Weiler Waldau bei Dorf Wetzgau im Oberamt
Welzheim (Württbg.) heißt eine gegen Westen vorspringende Berg-
zunge „der Schloßberg". Die Burg hieß Waldau oder Hohenwälden.
Außer einem sehr breiten und tiefen Abschnittsgraben war nichts
mehr zu sehen. Seit mehreren Jahren schon benutzte die eine
Stunde davon entfernte ehemalige Reichsstadt Schwäbisch-Gmünd
das Burggelände als Steinbruch. Zuvor führte Gmünder Militär
bei einer Felddienstübung Schanzarbeiten auf der Burgstelle aus,
wobei es auf Mauerreste stieß, so 1923 wurden bei Steinbruch-
arbeiten mächtige Grundmauerreste freigelegt, über denen bis
2 Meter dicker Brandschutt lagerte. Einige Funde wurden der
Gmünder Altertümersammlung überwiesen. In dieser ist auch eine
alte Zeichnung von der Burg aus dem Ende des 15. Jahrhunderts (?)
enthalten. Der Hauptbau zeigt schon ruinenhafte Gestalt, ein
zweiter Bau scheint notdürftig wieder hergestellt zu sein, während
die Ringmauer schon ganz fehlt.
Niemand ist es eingefallen, durch Nachgrabungen wenigstens
noch einen Grundplan der Burg der Nachwelt zu überliefern. Der
Steinbruch wurde von Jahr zu Jahr immer tiefer in den Berg
eingetrieben, so daß heute schon annähernd die Hälfte der Burg-
fläche zerstört ist. Noch rechtzeitig von der drohenden Gefahr in
Kenntnis gesetzt, bekam ich von der Stadt Gmünd einige Mann
zum Nachgraben, und schon nach einigen Tagen war mir der Ge-
samtplan bekannt. Es war auch die allerhöchste Zeit. Zum Glück
ist die zerstörte Burgfläche der Hofraum, und nur diesem Umstand
ist es zu verdanken, daß noch so viel festgestellt werden konnte.
Nur ein Gebäude ist mit verschwunden, dessen Mauerreste, wie sie
ungefähr gelaufen, mir die Steinbrecher angeben konnten. Wie
aus dem Grundriß ersichtlich, war es eine ziemlich bedeutende und
starke Anlage.
Gegen den Graben hin wurde eine 3 Meter starke Schild-
mauer (1) festgestellt. Hinter dieser standen zwei Gebäude, eines
gegen Norden (2) und eines gegen Süden (4), letzteres mit einem run-
den Eckturm. An Bau 2 stößt ein schmäleres Gebäude an (3). Bei (5)
ist noch ein im Sechseck ummauerter Schacht wahrzunehmen, vermut-
lich von einem Brunnen oder einer Zisterne. Der westliche Abschnitt
bildete das Hauptgebäude (6), in dessen innerer nordwestlicher Ecke
Reste eines Treppenturmes zum Vorschein kamen. Bei (7) stand ein
Gebäude, das mit dem Steinbruch verschwunden ist. Auf der Fläche
bei (8) stand vermutlich ein Stadel. Bei (9) sind Spuren eines Zwingers
wahrzunehmen; man erkennt noch an der Schildmauer den Ansatz
von einein solchen. Von hier lief dieser anscheinend bis zum Ge-
bäude (3). Ein Bergfried scheint nie vorhanden gewesen zu sein.
Das Material besteht aus dem gelblichen Keupersandstein.
Die Burg, die ursprünglich der Rittersamilie von Waldau ge-
hörte, schützte den alten Aufgang vom Haselbachtäl. Ein Heinrich
von Waldau war 1105 bei dem Turnier, das Welf VI., Herzog
von Bayern und Spoleto, Markgraf von Tnscien, Korsika und
Sardinien, veranstaltet hatte. Nach dem Aussterben derer von
Waldau gehörte sie um 1311 einem Oralto äs UlinAsnksls, der
dem Kloster Lorch „ripam propo SUUIN Lastrum IValäorv" schenkte.
Nachmals war sie im Besitze der Herren von Rechberg. Wilhelm
von Rechberg von Hohen-Rechberg trug für die Eigenmachung der
Burg Bargau (Oberamt Gmünd) 1393 die Burg Waldau dem
Grafen Ulrich von Hohenlohe zu Mannlehen auf.
Nach Rink wurde sie wahrscheinlich 1449 in der Fehde, welche
Württemberg mit Gmünd führte und in welche auch Ulrich von
Rechberg von Hohen-Rechberg verwickelt worden, von den Gmündern
verbrannt. Am Freitag nach Medardi 1540 verkaufte endlich Wolf
von Rechberg von Hohen-Rechberg zu Weißenstein an die Stadt
Gmünd um 4500 Fl. a) Die Burg Waldau, samt dem Bauholz
darunter 400 Jauchert groß, und den in zwei Teile geteilten
Schillingshof; k) den Bach unter der Burg, unter Muthlangen
anfangend und bis an den Erlenbach gehend; o) den Turm und
Burgstall zu Pförsbach nsw.; alles mit hoher und niederer Obrig-
keit. Waldau teilte von nun an alle seine Geschicke mit Wetzgau. Im
Bauernkrieg wurde sie wiederholt belagert, eingenommen und zerstört.

Nach dem Gmünder Chronisten Vogt war die Burg eine ge-
waltige Feste. Der Mörtel, der die riesigen Quader zusammenhält,
soll härter gewesen sein als die Steine selbst. Vor etwa 180 Jahren
versuchten Schatzgräber aus der nächsten Umgebung auf der Burg-
stätte ihr Glück. Die Behörden legten aber solchen bald das Hand-
werk. K. A. Koch.


Abb. 43. Lageplan der 1927 ausgegrabenen Burg Waldau —
oder Hohenwälden — rinweit Schwäbisch Gmünd.
Wieder ein historisch wertvolles Schloß durch
Feuer vernichtet.
Schloßbrände und kein Ende! In erschreckender Weise mehren
sich die Schloßbrände. Was an deutschem uralten, unersetzlichen
Kulturgut durch sie verlorengeht, zählt nunmehr bereits nach vielen
Millionen, sofern ihr Wert überhaupt mit Geld aufzuwiegen ist.
Für alle Schloß- und Burgenbesitzer besteht die ernste Pflicht, nicht
nur im eigenen Interesse, sondern auch im Interesse der deutschen
Kultur, d. h. der Kultur der vergangenen Jahrhunderte, die im
Schutze kunstliebender Fürsten erwuchs und sich in jeder Zeitspanne
zu mächtiger Blüte entfalten konnte, ihren Besitz so zu sichern, daß
nach menschlichem Ermessen der Ausbruch eines Feuers erfolgreich be-
kämpft werden kann, bevor erwähnenswerter Schaden angerichtet ist.
Diesmal ist das aus dem 15. Jahrhundert stammende und den
Grafeil Schenk von Stauffenberg gehörige Schloß Jettiugen in
Schwaben, unweit Dinkelscherben, das durch das erst kurze Zeit
zurückliegende große Eisenbahnunglück weiteren Kreisen bekannt
wurde, ein Raub der Flammen geworden. Das Feuer brach im
Dachstuhl aus, verbreitete sich aber trotz angestrengtester Lösch-
arbeiten mit solcher Kraft, daß das Schloß mit seinen über
70 Zimmern entweder von den Flammen oder durch die Wasser-
massen oder durch herabstürzende Decken, Balken usw. vernichtet
wurde. Neben zahlreichen alten Möbeln und Gemälden ist be-
sonders der Verlust einer alteil kostbaren Bibliothek zu beklagen.
Die Brandursache ist nicht geklärt.
Der Wiederaufbau des Schlosses ist geplant. Hoffeil wir, daß
er im Sinne einer sachgemäßen Kunst- und Denkmalpflege durch-
geführt wird.

Bücherschau.
„Die Denkmäler des röm. Köln". Band 1. Neue Erwerbungen
der Römischen Abteilung des Wällraf-Richartz-Museums voll
1923—1928, 150 Tafeln auf Kunstdruckpapier. Verlag Walter
de Gruyter L Co, Berlin, Preis M. 5.—.
Die Römische Abteilung des Wällraf-Richartz-Museums Köln
sticht unter den rheinischen Museen gleicher Art durch ihre ganz be-
sonderen Schätze hervor, die der Boden dieser reicheil Handelsstadt
durch die Jahrtausende hindurch bis in unsere Tage treu verwahrt
hat und die nun in systematischen Grabungeil und Untersuchungen
wiedergewonnen werden. Ohne zu übertreiben, kann mail sageil, daß,
wenn inan die Zugänge aller übrigen rheinischen Museen auf diesem
Gebiete zusammenfaßt und diese dann mit dem Zuwachs des Wall-
raf-Richartz-Museums vergleicht, dieses durchaus in jeder Hinsicht
die Probe bestehen kann. So bringt dieser erste Band auch nur
eine kleine Auswahl aus den nach Tausenden zählenden Zugängen,
loading ...