Vereinigung zur Erhaltung Deutscher Burgen [Editor]
Der Burgwart: Mitteilungsbl. d. Deutschen Burgenvereinigung e.V. zum Schutze Historischer Wehrbauten, Schlösser und Wohnbauten — 29.1928

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Abb. 50. Burgenfahrt 1928. Die Burgenfahrer mit ihrem Schirmherrn, dem Prinzen Oskar von Preußen,
im Burggarten zu Rheydt.
rufen können: Die Schlacht ist gewonnen, der Sieg, er war unser! Und nun vergessen Sie, meine Herren, die Sie
aus dem übrigen Deutschland gekommen sind, aber unter der Fülle der historischen und künstlerischen Eindrücke
nicht, daß Sie vor allem bei Ihrer Burgenfahrt doch auch die rheinischen Menschen besucht haben und daß Sie sie
gesehen haben mehr bei der Freude als bei der Arbeit. Ja, wir verstehen es, uns zu freuen und Feste zu feiern hier
in der Rheinprovinz. Es wird uns das manchmal zum Vorwurf gemacht. Wir nehmen den Vorwurf auf uns und
bejahen ihn. Er ist verwurzelt im rheinischen Charakter, wie unser Herrgott ihn geschaffen hat. Aber die Freude ist
berechtigt, weil neben ihr auch der Ernst und die Arbeit und auch schwere und harte Arbeit, die dem ganzen Vater-
lande zugute kommt, in der Rheinprovinz verwurzelt ist. Sehen Sie die Bergwerke, die Fabriken, die Hochöfen,
die Kleinbauern, die Kleinwinzer, und Sie sehen Leute, die gekrümmt und vorzeitig gealtert sind vom Wirken und
Schaffen für sich und ihre Familie. Das ist eben unser Volkscharakter, der sich gerade hier in Köln so herrlich aus-
drückt, wenn Sie einen Blick hinüberwerfen ans die andere Seite des Rheines. Dort stehen friedlich nebeneinander
der Kölner Dom, die herrlichste Kirche in ewig majestätischer Ruhe, und daneben der größte Bahnhof in ständiger
Hast und Bewegung. So schweben auch die rheinischen Menschen zwischen Geistlichem und Weltlichem, zwischen
Ernst und Scherz, zwischen Freude und Arbeit, zwischen Klassischem und Romantischem, zwischen Fortschritt und
Erhaltung. Und darüber hinaus werden Sie aber auch noch eines bei uns gefunden haben, nämlich die Herzlich-
keit und die Freude, mit der Sie hier, vor allem die von weit her Gekommenen, überall willkommen geheißen worden
sind. Ist der rheinische Mensch auch vielleicht mehr noch als der des übrigen Deutschland in seiner Heimat verwurzelt
und mit ihrem Boden verknüpft und stolz ans ihre Schönheit und ihre Geschichte — Sie sehen das daran, mit welcher
Liebe und mit welchen Aufwendungen die Zeugen der Vergangenheit erhalten und gepflegt werden —, so fühlt
er aber ebenso sich auch als das Herz und die Pulsader des gesamten deutschen Vaterlandes. So konnte er die in
der Geschichte erhärtete Treue in den letzten Jahren und bis heute noch auch in Leid und Kampf und Unterdrückung
bewähren. Und wenn Sie dieses Gefühl des Rheinländers würdigen, daß er stolz ist auf die deutsche Wacht am Rhein,
die er in erster Linie gehalten hat, wie er aber auch dankbar aufblickt zu dem ganzen übrigen Deutschland für seine
Hilfe und Unterstützung, und wie er immer wieder sieht, wie es um den Rhein gegangen ist und auch in Zukunft
um den Rhein gehen wird, dann werden Sie auch verstehen und Mitempfinden, daß der Rheinländer und das rhei-
nische Volk der Ansicht ist, daß das Denkmal, das den Abschluß dieses Ringens bedeuten soll, das Reichsehrenmal,
keine bessere Stelle als am deutschen Rhein finden kann. So nehmen Sie in Ihre Heimat zurück den Gedanken an
ein Rheinland, das glücklich ist, weil es feststeht auf tausendjährigem nationalen Boden, das gesegnet ist mit den Vor-
zügen der Natur und der Kunst, und das sich geborgen weiß im Schoße eines, wenn auch heute äußerlich macht-
losen, aber innerlich starken Volkes und Staates. Und damit vereinigen wir den Gedanken an das glückliche Deutsch-
land, das glücklich ist trotz allem Leid und allem Jammer, weil es in dem herrlichen Kranze seiner Länder und Stämme
als schönstes Juwel birgt das rheinische Land und das rheinische Volk, mit dem zusammen es genießt alle Güter, die
die rheinische Erde so reichlich spendet. In diesen: Sinne vereinigen wir Rheinländer und Nichtrheinländer unsere
Herzenswünsche in dem einen Satze: Müh im Glanze deines Glückes, blühe, deutsches Vaterlands Und diesem Ge-
danken geben wir Ausdruck in dem Rufe: ,Unser deutsches Vaterland, es lebe hoch!'"
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