Vereinigung zur Erhaltung Deutscher Burgen [Editor]
Der Burgwart: Mitteilungsbl. d. Deutschen Burgenvereinigung e.V. zum Schutze Historischer Wehrbauten, Schlösser und Wohnbauten — 29.1928

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Auf der linken Moselseite gelangten in: Anschluß an die Feste Franz die Neuendorfer Flesche, die Rübenacher
Schanze und die Moselflesche bis 1834 zur Ausführung und Fertigstellung, womit dann die neue Stadtbefestigung
als beendet angesehen werden konnte.
Zu militärischen Zwecken wurden dann innerhalb der Festungswerke eine Reihe alter an den Staatsfiskus ge-
fallener Gebäude eingerichtet, z. B. der von der Leyensche Hof als Generalkommando, das Deutsche Ordenshaus als
Proviantmagazin, die Dominikanerkirche als Zeughaus und Garnisonlazarett, der kurfürstliche Bauhof als Proviant-
amt und Garnisonbäckerei usw. und eine Reihe neuer, zum Teil recht umfangreicher Magazingebäude aufgeführt.
Auch die Koblenz und Ehrenbreitstein verbindende Rhein-Schiffbrücke wurde 1819 seitens der Militärverwaltung
hergestellt.
Im allgemeinen war die Stadtbefestigung, trotz ihres wehrhaften Aussehens, von vornherein nicht auf eine
längere Belagerung und Beschießung eingerichtet, sie hatte hauptsächlich die Aufgabe, vorkommendenfalles einem
feindlichen Angriff auf einige Tage Widerstand zu leisten und den Vormarsch aufzuhalten.
In der Zeit von 1834 bis zur Aufgabe der Stadtbefestigung 1889—90 wurden entsprechend dem Fortschritt
der Geschütztechnik und außer den bei den verschiedenen, durch die politischen Ereignisse und Kriegsgefahren 1830,
1847—48,1859,1866 und 1870 hervorgerufenen Armierungen keine Erweiterungsbauten, sondern nur Verstürkungs-
arbeiten an den Außenwerken vorgenommen. Größere Änderungen brachten die Anlage der linksrheinischen Eisenbahn
1859—1864 und der Bau der Moselbahn (Berlin-Metz) 1878 mit sich. Im ersteren Falle waren wegen der Errichtung
des Personenbahnhofes innerhalb der Stadtumwallung große Schwierigkeiten zwischen der Stadtverwaltung und den
Militärbehörden entstanden, die durch einen Machtspruch des damaligen Prinzregenten, des späteren Kaiser Wilhelm I.
auf Grund seiner persönlichen Kenntnis der Koblenzer Verhältnisse aus seinem dortigen Aufenthalt (1850—1857),
dahin entschieden wurde, daß der Moselkavalier weiter stromaufwärts verlegt wurde. Der in Lützelkoblenz errichtete
Güterbahnhof dagegen wurde durch Erweiterung der Kehlbefestigung der Feste Franz in die Befestigungsanlage aus-
genommen. Sowohl die 1859 errichtete Eisenbahnbrücke über die Mosel, als auch die 1864 fertiggestellte sog. Pfaffen-
dorfer Eisenbahnbrücke über den Rhein, wurden durch entsprechende Befestigungsanlagen, Türme, Minenkammern,
Geschützstände usw. dem Verteidigungssystem angepaßt. Geringere Arbeitsausführnngen bedingte der 1879 fertig-
gestellte Neubau der Gülser Moselbrücke für die Aufnahme in den Befestigungsschutz der Feste Alexander.
Durch die Verschiebung der Landesgrenzen infolge des Krieges 1870—71 und die Schaffung der beiden großen
Waffenplätze Straßburg und Metz war die Festung Koblenz in die zweite Linie gerückt worden, und auch ihre Aufgaben
hatten infolge Verminderung ihres taktisch-fortifikatorischen Wertes eine wesentliche Einschränkung erlitten. Unter
diesen Gesichtspunkten trug denn auch die Militärbehörde den steigenden Verkehrsbedürfnissen der Neuzeit schon inso-
fern Rechnung, als sie 1885 — auf Anregung der Stadtverwaltung — die beiderseits der einzigen nur 4m breiten Durch-
fahrt des Löhrtores belegenen Kasematten durchbrechen und so drei Durchfahrten Herstellen ließ (Abb. 78 u. 79). Auch
im Mainzer Tor
wurde 1889 mit-
tendurch eine 18m
breite Durchfahrt
geschaffen und so
das Bauwerk in
zwei getrennte
Teile zerschnitten.
Bei der geringen
Bedeutung der
Stadtbefestigung
wurde in beiden
Fällen der Wall-
graben an Stelle
der Brücken mit
breiten Damm-
schüttungen über-
baut und das Sor-
tie durchs Gla-
cis geradlinig in
der Breite des
Damms durch-
geführt. — Durch
BeschlußderLan- -
desverteidigungs-
kommission vom
18. I. 1888 wurde Abb. 82. Ansicht von Koblenz 1632 bei der Belagerung durch die Schweden (nach Merian).
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