Vereinigung zur Erhaltung Deutscher Burgen [Editor]
Der Burgwart: Mitteilungsbl. d. Deutschen Burgenvereinigung e.V. zum Schutze Historischer Wehrbauten, Schlösser und Wohnbauten — 29.1928

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schen Villah erwachsen, ebenso wie Igel, der Standort der Villa der Sekundinier, der sich als alter fränkischer
Königsbesitz durch seine Königswiese und seinen noch un späten Mittelalter nachweisbaren Königsmeier erweist.
Wie Neumagen und Igel ist auch Pfalzel früh an die Trierer Bischofskirche gelangt. Damit war der Grund zur
einstigen Blüte Pfalzels gelegt. Erzbischof Poppo von Trier ans dem Geschlecht der Markgrafen von Österreich
(1016—1042) wandelte das Nonnenkloster in ein Chorherrenstift um, das bis zur Säkularisation bestanden hat und
gab der Stiftskirche die heutige Form, welcher die Verwandtschaft mit dem Trierer Dombau desselben Erzbischofs
ausgeprägt ist. Erzbischof Albero (1131—1152) aber errichtete nicht weit von dem Stifte eine Burg, als er vor seinem
gewalttätigen Güterverwalter und Burggrafen Ludwig ans dem Geschlecht der in den Trierer Barbarathermen
hausenden Herren von der
Brücke aus seiner Hauptstadt
weichen mußte, und eroberte
von diesem festen Sitz aus
seine Residenz zurück. Seit
Albero ließen nun die Trierer
Erzbischöfe öfter und öfter sich
in Pfalzel nieder, namentlich
feit das erstarkte Trierer Bür-
gertum ihnen gegenüber auf
seine Freiheiten pochte und
mit ihnen um diese auch den
Waffengang nicht scheute M
Welche Bedeutung Pfalzel
noch im 16. Jahrhundert
hatte, zeigt die Bemerkung
in Merians Topographie:
„Ein kleines Stüdtlein und
Schloß (Pfalzel), welches Jo-
hann III., der Erzbischof zu
Trier, so Anno 1540 gestorben,
gewaltig zu bevestigen ihme
(sich) vorgenommen hat; als
welcher der Stadt Trier nicht
zum besten gewogen gewesen
sehn solle."P Von der da-
mals errichteten Befestigung
ist noch eine prachtvoll aus-
ladende Bastion an der Nord-
ecke d es Ortes mit anschließen-
der Mauer erhalten. Die Vor-
teile, welche der Ort aus diesen
Verhältnissen gezogen hat,
zeigen heute noch die zahl-
reichen stattlichen Häuser,
darunter der prächtige Re-
naissancebau (1577), der als
Schule dient. Aber wie so
mancher Moselort durch die
Heere Ludwigs XIV. uner-
setzlichen Schaden erlittenhat,

E Ausonius, Moselge-
dichte. Herausgegeben von Hosius.
2. Auflage. Marburg 1909,
Seite 113.
2) Ke un e in Tri e ri s ch e
Heimat, Jahrgang 3 und 4
(1927—28).
b) 4opOAi>aptiia arebiapis-
eopatuuin NoAuntin6N8i8, Irevi-
rsnsis et Loloniönsis. 1646.
Seite 56.


Abb. 94. Burg Ramstein, Zeichnung von Hans Schlösser.
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