Vereinigung zur Erhaltung Deutscher Burgen [Editor]
Der Burgwart: Mitteilungsbl. d. Deutschen Burgenvereinigung e.V. zum Schutze Historischer Wehrbauten, Schlösser und Wohnbauten — 29.1928

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ragenden Veste an dein lebhaften Auto- und Touristenverkehr, der
von allen Seiten zu ihr emporstrebt.
Diese wirtschaftliche Bedeutung der Burg wird meist neben der
kulturpolitischen übersehen. Letztere steht mit Recht im Vordergründe
des Interesses. Ist doch auch dieser stolze Bau eines der vielen Be-
weismittel dafür, daß das Elsaß urdeutsch seit 1000 Jahren war -
und ist!
Die Hohkönigsburg als Panoptikum.
Der Zeichner „Hansi", bekannt als Stütze der französischen Vor-
kriegspropaganda in Elsaß-Lothringen und heute wohlbestallter Kal-
marer Museumsdirektor, hat im Pariser „Journal" den Vorschlag ge-
macht, die Hohkönigsburg in den Vogesen als Museum einzu-
richten „zur Erinnerung an die unerschütterliche Treue der Elsässer
zu Frankreich während der deutschen Zeit". Ein Vertreter des Mini-
steriums der „schönen Künste" aus Paris besuchte daraufhin bereits
Ort und Stelle, „im Namen der Bevölkerung (und des Propaganda-
souds) freudig begrüßt von den „französischen Vorkämpfern" in:
Elsaß." Die Elsaß-Lothringer selbst sind freilich anderer Meinung!
Wenn das Museum auf der Hohkönigsburg Wirklichkeit werden sollte,
so dürfte es, wenn die Franzosen nicht recht vorsichtig dabei zu Werke
gehen, weniger Zeugnis ablegen „für die Leiden des Elsaß unter
dem Preußischen Stiefel" als für die planmäßige Vorbereitung
der Revanche von seiten des „armen überfallenen" Frankreich.
(Deutsche Briefe).
Burg Geier bei Reinsbronn.
Die bei Aub in Unterfranken gelegene Burg Geier unweit
Reinsbronu ist von den Bewohnern verlassen worden. Sämtliche
Träger der Altane sind morsch, ebenso verschiedene Fachwerkbalken
und das Dach. Niemand denkt an eine Erhaltung oder Ausbesse-
rung, so daß ein sicherer Verfall der Burg zu erwarten ist.
Schloßbrände.
Kurz nacheinander wurden zwei Schlösser ein Raub der Flam-
men. Schloß Jürtsch bei Canth (Bez. Breslau) und Schloß Goll-
witz bei Brandenburg an der Havel.
Die Ursache soll in beiden Fällen in Auftauarbeiten von Wasser-
leitungen, die durch den starken Frost beschädigt waren, und wobei
Lötflammen verwendet wurden, zu suchen sein. Löschversuche
wurden durch den starken Frost fast unmöglich gemacht.
Schloß Jürtsch war ein durch den damaligen Besitzer von
Zawadzki 1872 ausgeführter Bau. Seit 1901 gehört es den Grafen
von Wengersky. Im Schloß befand sich wertvolles Mobiliar, das
nur zum Teil gerettet werden konnte.
Schloß Gollwitz ist ein historischer Bau im Besitz der Familien
von Hagen und von Rochow, dessen Vernichtung auf das lebhafteste
zu beklagen ist. Es brannte bis auf die Mauern aus und die wert-
vollen Kunstsammlungen des Besitzers wurden größtenteils ein Raub
der Flammen.
Ein Wiederaufbau der Schlösser wird hoffentlich unberührt
von der kunst- und geistlosen „neuen Sachlichkeit", in verständnis-
voller und sachkundiger Würdigung des historisch Wertvollen durch-
geführt.
Erhaltung des Schlosses Mühlberg a. d. Elbe.
Am Schloß Mühlberg unweit Torgau, Besitz des preußischen
Staates und Sitz einiger kleiner Behörden, wurden umfangreichere
Erhaltungsarbeiten wie Instandsetzung der Dachdeckung, Ergänzung
des Außenputzes, Neuanstrich der Holzteile usw. durchgeführt.
Dabei wurden Verunstaltungen früherer Jahrzehnte beseitigt.
Eine Wiederherstellung bereits verschwundener Architektur-
fvrmen wurde nicht vorgenommen.
Burg Wendelstein an der Unstrut gefährdet.
Burg Wendelstein befindet sich in einem höchst beklagenswerten
Zustand. Nachdem bereits vor nicht allzu langer Zeit größere
Mauerteile einstürzten, war neuerdings an der Südseite der Burg

mit dem Einsturz größerer Gesteinmassen zu rechnen. Es ist an der
Zeit, einmal durchgreifende Erhaltungsarbeiten an dieser schönen
Burg des Saaletales vorzunehmeu. Die Errichtung einer Futter-
mauer, die von der Kreisverwaltung geplant ist, schiebt den weiteren
Verfall vielleicht für kürze Zeit lstnaus, dürfte aber kaum end-
gültige Abhilfe bringen. Vor Jahren hat Professor Bodo
Ebhardt erschöpfende Vermessungen und Aufnahmen
aller Teile der Burg gemacht, die noch in seinem Besitz
sind.
Schloß Gilgenberg steht zum Verkauf.
Die Besitzerin des Ordensschlosses Gilgenburg stellt dieses zum
Verkauf. Möge das Schloß einen neuen Besitzer finden, der Sinn
und Verständnis für dessen geschichtlich bedeutungsvolle Vergangen-
heit und für den Wert seiner baulichen Formen hat und der es im
abgetrenuten Ostpreußen dem deutschen Volkstum erhält.
Bücherschau.
Tas Münster Unserer Lieben Frau zu Ltraßburg im Elsas;.
Von Maximilian Hasak. Quartformat, 225 Seiten mit
rund 9 meist ganzseitigen Abbildungen, 7 einfachen und 13 Doppel-
tafeln. Halbpergament, Preis RM 80.—. Verlag Guido Hacke-
beil, Berlin 1927.
Der Verfasser geht bei seinen Forschungen ganz eigene Wege,
er schreibt keinen eleganten Aufsatz wie der Durchschnittskünstgelehüe,
indem er das Ergebnis seiner Untersuchungen zusammenfaßt und
es dem Leser überläßt, sich aus den angegebenen Quellen eine
Bestätigung seiner Ansichten zu holen, sondern Hasak läßt nach
Abdruck des Goetheschen Lobgesanges „Von deuischer Baukunst"
in seiner gesamten Arbeit fortlaufend die Urkunden selber sprechen.
Vom Jahre 1015 an bis zur neuesten Zeit entwickelt er Schritt für
Schritt die Baugeschichte und die Geschichte der Münsterbaumeister
mit den Worten der Urkunden und Nachrichten selbst.
Unter den Münsterbaumeistern rettet Hasaks Forschung vor
allem dem großen Erwin von Steinbach 1277—1318 das Leben,
das ihm Kraus und andere „kunsthistorisch" absprachen. Mit Erwin
wurde uns einer der größten deutschen Baumeister geboren und
seinem deutschen Geiste, seiner urdeutschen Schöpfung nachzu-
spüren ist Hasaks größte Freude. Wir verfolgen sodann die Meister
über Erwins Söhne Erwin II. und Johannes. Johannes Gerlach
f 1371, Meister Konrad bis 1371, Michael v. Freiburg und Claus
von Lore bis zum Meister der Nordturms (bis an den Fuß des
Helmes) (bis 1119). Es folgt der Meister der wohl 1139 vollendeten
Treppenspitze des Nordturms, des eigenwillig gestalteten Helmes,
Johann Hülz (von Hüls bei Krefeld?) aus Köln, und weiter bis
zur Renaissance.
Hasak schildert dann die Wirkung der Reformation mit ihren
innern Bilderstürmereien und viel schlimmer die blöden Ver-
wüstungen der französischen Revolution, die 235 unersetzliche Bild-
werke neben zahllosen kleineren Reliefs und Einzelkünstwerken
zertrümmerte. Die Darstellung schließt mit Angaben über die
neuesten die letzten deutschen Sicherungsarbeiten an diesem deut-
schesten Bau in deutschen Landen.
In unserer schwächlichen Zeit tut Hasaks kerndeutsche Gesinnung
besonders gut, der mit dem Märchen von der Erfindung des gotischen
Stiles in Frankreich ebenso aufräumt wie er die Torheit „deutscher"
Schulweisheit verurteilt, die die Minderwertigkeit der deutschen
„Vandalen" geißelt. Der Priester Salvian nennt im Jahre 107 nach
der Erstürmung Triers durch die Vandalen diese ausdrücklich die
„mildeste Völkerschaft".
Wunderbare Abbildungen von höchster künstlerischer Wirkung
schmücken den starken Band, dazu eine Fülle technischer Zeichnungen
ganz besonderer Art.
Welche Wohltat, sich an dieser Kunst ausrichten zu können in der
grenzenlosen Ode verlogener moderner Sachlichkeit und der markt-
schreierischen „Reklame" die dafür von den Eintagsfliegen der
Kunstkritik unserer Tagesschreiberei gemacht wird. Justus.

Verantwortlicher Schriftleiter: Geh. Hofbaurat Prof. Bodo Ebhardt, Berlin - Grunewald. — Verlag: Burgverlag, G. m. b. H-, Berlin - Grnnewald.
Druck: Spamersche Buchdruckerei, Leipzig.
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