Hochschule für Industrielle Formgestaltung [Editor]
Designtheoretisches Kolloquium — 15.1994

Page: 153
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Rainer Funke

Statement im Arbeitskreis
"Aiternative Ausbildungs-
konzepte im Design."

Die Diskussion um das Ethik-Problem in Bezug
auf das Design hat mindestens die folgenden
Ebenen, auf denen wir uns jeweils bewegen
sollten:

1. Gibt es einen Moral-Kodex, der das Berufs-
Ethos des Designers formulieren könnte?

2. Was ist von den ethischen Horizonten im
Design vermittelbar, was davon ist anstrebbar
und welche Konsequenzen für neue Aus-
bildungskonzepte leite ich daraus ab?

Ich vermag durchaus so etwas wie einen
moralischen Kodex innerhalb des Design-
geschehens auszumachen, freilich weniger in
klar explizitem Sinne als vielmehr implizit vor-
ausgesetzt. Das zeigt sich zunächst daran, daß
an den verschiedenen Orten, zu den verschie-
denen Anlässen, wo sich Designer und Design-
Betroffene über Ziele verständigen, meist über
dasselbe gesprochen wird. Das zeigt sich auch
an der Homogenität des prämierten Design. Es
gibt hier sowohl darüber, was gutes Design ist,
als auch darüber, was Design soll, einen recht
hohen Grad an Übereinstimmung.

Die Eckpunkte dafür sind:

Ökologie,

Demokratie,

Nutzer- und Nutzungsfreundlichkeit,
Innovation,

Fortschritt in Technik und Lebensqualität,
ästhetische Bildung und Lust.

Vieles ist hierzu auch aufgeschrieben worden,
es gab Versuche, die „zehn Gebote für’s De-
sign“ zu formulieren, jedoch leben wir nicht in
einer Zeit, in der es möglich ist, einen Berufs-
stand auf einige Formeln im Sinne eines Mani-
festes einzuschwören.

An dieser Stelle sehe ich auch weniger das Pro-
blem, als vielmehr in der Frage, welche Grund-
sätze für das designerische Tun wir im Einzel-
nen voraussetzen und befolgen.

Schon bei der Betrachtung von ökologischen
Anforderungen an Design-Lösungen kommt
man schnell ins Unwägbare.

Der Wissensstand über die Wirkung von Mate-
rialien und Technik verändert sich schnell, Stof-
fe, die heute als „ökologisch“ gelten, können
morgen als Gifte eptlarvt sein.

Umweltverträglichkeit ist immer ein Begriff, der
die Standorte in Bezug auf jeweils betrachtete
Systeme relativiert, auch hierfür gibt es wenig
objektivierbare Kriterien.

Die Forderung nach Langlebigkeit der Produk-
te illustriert dies, denn mitunter ist es ökologi-
scher, kurzlebige Produkte zu planen als sol-
che, die zwar von ihrer Beschaffenheit her lang-
lebig sind, aber aufgrund einer hohen Werte-
dynamik der Gesellschaft nur kurzzeitig ge-
braucht werden. Damit sind wir im Kern des
Ökologie-Problems:

Die Diskussion ist nur sinnvoll im Hinblick auf
das Tun der Menschen, dessen Bedingungen
in sozialen Gefügen sowie den Ansprüchen,
Bedürfnissen. Und ich meine, diese Bestim-
mung von Design anhand der Handlungen der
Menschen und deren Bedingungen, das ist eben
nicht nur das Zentrum der Ökologie-Frage, son-
dern eine generelle Orientierungsaufgabe für
alle Bereiche, in denen gestaltet wird.

Nach wie vor leidet Design in seiner Selbst-
fixierung an einer gewissen Beschränktheit, die
aus der Sicht auf die eiqene Geschichte resul-
tiert:

sich selbst auf der einen Seite als Kunst und
auf der anderen Seite als Technik zu definie-
ren. Die Kunst und die Technik, das sind die
Bereiche, aus denen sich Design entwickelt hat,
heute kommt es aber darauf an, Design in sei-
nen sozialstrukturierenden Wirkungen zu erfas-
sen und bewußt zu bestimmen, d. h. sich für
die Organisation menschlicherSozialität bewußt
Ziele und Methoden anzueignen. Im Ei-
gentlichen kann man Design auch als eine
kommunikations- und sozialtechnische Disziplin
verstehen.

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