Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 9.1892

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lieh Benediktinerklöster). Aus den Cistercieus er-
st ist en verehrte» der Abt von Bebenhausen „ein ver-
güldten, verdeckten Becher, steht uff dreh Löwen: inwendig Lids,
das Wappen von Bebenhausen und von Friedingen"; der Abt
von SalmanSweiler (oder Salem) „ein großen verdeckten,
vergnldten, glatten Trinkbecher, hat am Boden Salmanßwyler
Wappen"; der Abt von Herrenalb „ein verdecktes ver-
güldts Becherlin, ist bollet, und darin 30 st." Aus dem
Prämonstratenserorden: Abt Heinrich Oestreicher von
Schnssenried „ein kleins vergülts verdecktes Trinkbecherlin,
ist gepanzonirt, und 40 st. darinnen"; der Abt von Adel-
berg „ein silberin Flaschen, mitten am Bauch ein Schilt,
darinn Wirtenberg und Teck". H Aus dem Karthäuser -
vrden: Die Väter zum Güterstein „ein großen, vergüld-
tcn, verdeckten, glatten Becher, »inwendig im Lid unser liebe
Fraw"; die Väter der Karthaus zu Bnchsheim „ein silberin
verdeckten Becher, mit vergnldten Nästen, der steht uff 3 nacke-
ten Kindlen". — Die Pröbst und Stifft zu Set. Peter
znm Einsiedel iin Schönbuch, zu Urach, Herrenberg,
zu Ta ch enh au seu 2) und andere ihres Ordens Mitbrüder
haben geschenkt „ein verdeckte vergälte Schemen, hat nff dem
Lid Set. Petern"; der Propst von Denkendorf „ein ver-
güldten verdeckten glatten Becher, hat uff dem Deckel ein Wilds
Männlen, das haltet ein Denkendorfer Schilt"; der Propst von
Nellingen „ein silberin verdeckten Becher, nff dem Deckel
ein verguldter Hirß, steht uff eim vergnldten Fuß mit drehe»
Narren"; Vikariat S. AngnstinSordens „ob 900 Meßen".
Von Land- und anderen Kapiteln gaben „die Pfarrer und
Kapläne des Kapitels zu Tübingen „ein silberins unver-
decktö Bercherlen nff vier Mannlen, die halten leere Schilden";
das Böbl inger Kapitel „ein vergüldts Bühren nff ein un-
verguldten »asteten Fuß"; daß Kapitel zu Costenz (Kon-
stanz) „ein vergnldten verdeckten glatten Becher, innenwendig
am Boden einen Costenzer Schild"; das Kapitel zu Ell-
wan gen „ein vergnldten, verdeckten, glatten Trinkbecher,
innwendig Lids Set. Veyt"; das Kapitel von Herrenberg
„ein silberine Schalen, hat mitten ein Thurn, darin» ein Engel,
ein Teufel, ein Tod und eine Jungfrau" ; die Priester nß dem
Kapitel He ch in gen „ein silberin Trinkbecher, ist innwendig
verguldt". — Folgen die Fr au e nklöster: Die Kloster-
frauen von Söflingen (Orck. 5. LlarX) „ein niders vergüldts,
verdecktes Becherlin, hat ein glattes Knöpften uff dem Lid";
die Klosterfrauen von Wildberg (Orck. 3ct. Uruircisci) „ein
silberin verdeckten glatten Becher, hat innwendig Lids unser
lieben Frawen von S. Niclausen"; die Frawen von Weiler
(bei Blanbeuren, gleichen Ordens) „ein Trinckgeschirr als ein
Buren, ist verguldt, steht uf 3 Narren"; die Klosterfrauen
von Kirchen (Kirchheim u. T. oder Kirchheim i. R-, Orck.
List. ?) „ein große Schalen, ist inwendig verguldt, hat ein
nidern Fuß"; die Frauen von Offenhausen (Gnadenzell,
Orcl. 3. Oomürici) „ein silberines Schälin, hat innwendig ein

Das Fehlen des Klosters Marchthal als GeschenkgeLers wird
sich vielleicht daraus erklären, daß nicht lange vorher in dem Krieg
zwischen Sigmund von Oesterreich und Graf Eberhard von Württem-
berg das Stift von seiten Württembergs als Feind behandelt, durch
zwei württembergische Vasallen, Hans von Winterstcttcn und Theodor
Bintlin aus Reutlingen, überrumpelt und Abt Jodok Blank gefangen
nach Stuttgart abgeführt worden war, was Sebastian Sailer in seinem
„Jubilierenden Marchthal" Vcrantassung giebt, von „Stößen und Spis-
snng der schwarzen Hckichllcwcihe" ^ sprechen. Und — wo blieb
Roth, das Stammklostcr aller schwäbischen Norbertincr?
2) (D)Tachenhansen bei Oberboihingen war ein ehemaliges
Chorherrcnstift miEeincr Wallfahrtskirche zur Mutter Gottes, n

Rößlin"; die Frauen von Pfullingen (Or6, 3. Istuim.
„ein kleins vergüldts verdeckts Becherlin". — Diesen uiPf
andern zahlreichen geistlichen Präsenten gegenüber ließen sich;!
Städte und Private auch nicht schlecht finden: Die gemeinen)
Reichsstädte im Bund verehrten „zwo vergnldte verdeckte:
Schemen, die ein hat ns dem Lid ein Wapner, haltend ei»!
Schild, darin geschrieben steht: Die Reichs stett deßst
gmainen Bunds". Die Reichsstadt Ulm schenkte „eiist
verdeckten hohen, vergnldten Becher, hat uff dem Lid eilst
Männlein, der ein Panner hält, und im Lid ein Ulmerschild"
Reutlingen gab „ein vergüldte Schemen nff einem hohe:
Fuß: uff dem Lid ein Greif, halt den Schild Reutlingen"!
Die von Gmünd widmeten „ein zwyfachen vergnldten Becher)
uff beiden Liden den Schild Gmünd"; die von Heilbronis
und Hall „ein zwyfache vergüldte Schemen"; die von Eß-
lingen „ein vergüldte verdeckte Scheur, hat uff dem Fuß'
das Wappen Eßlingen". Die Stadt Weil dedizierte „eilt
vergüldts verdeckts bollets Becherlin, gleich einem Knöpfli»,^
innwendig Lids einen Adler mit einem W."; die Stadt Kon^
stanz „ein großen glatten silberin Trinkbecher, ist verdeckt-
hat uff dem Lid ein vergüldte Blumen". —> Folgen die alt
württembergische» Städte, voran Tübingen »ii
„zwo silberne Kannten mit vergüldte» Handhcben und Klai
düngen, haben uff den Liden Thürnlen, darinn ein Tanz/
Nagold und Wildberg spendeten je „ein verdeckten silbern
Becher mit vergnldten Nänsften"; Calw mit Zavelsteik
„zwen silberin verdeckte Becher, uff den Liden das Wapestä
Wirtenberg und Teck, innwendig Lids zwen Schilt, deren voijK
Calw und Zavelstein". Die von Göppingen stellten siäse
ein mit „ein großen silberin bolleten Kopf, hat uff dem Fnß?i
Göppinger Schilt"; die von Winnenden mit „ein silberil'P
verdeckten Becher, hat innwendig Lids ein Schilt Winnenden" D
die von Kirchen (Kirchheim n. T.) mit „ein silbern: vcodc
deckten Becher mit allen Wappen des Herzogtums". Bla WZ
beuren gab „ein vergüldts verdecktes Scheurlin mhE
einem Landtsknecht uff dem Lid". Dornstetten (50 fl.)i»i
Balingen (100 fl.), Ebingen (30 ff.), Böblinge'w,
(150 fl.), Bietigheim (30 fl.), Neuenbürg (60 fl.)-
Wildbad (21 sl.), Rose »selb (50 fl.) gaben Geldspende»,
Auch das ferne Mömpelgard that nicht fehlen; es sandb'
„sechs silberine Schalen, haben innwendig der Stadt MümpeHst
gardt Schilt, und darbet) etwa vihl hübsche und subtile „Lei»)»
wath". — Von Privaten als Geschenkgeber werden u. a. eM
wähnt: D. Wer »her, Prediger zu Stuttgart, mit „eiffa
Nobel von der Rosen", D. Niclauß Bälz mit „1 Maß LantepE
trank", Ritter Georg von Sachsenheim mit „ein ?Lte!>„
»Osker von weißem Angstcin". Fe
Wohin sind sie gekommen -— alle diese zahlreichen, no»'D
in Zeiten vor der Reformation, zur Blütezeit der sogenanntst),
„Kleinkünste" dargebrachten Beweise unterthäniger Ergebenheit
und Verehrung, welche eine günstige Vorstellung von dem Zistic
stände der damaligen Silber- und Goldschmiedknnst erwecket
und auch mit der nur kurzen Beschreibung einen Einblick Äs
die damaligen Formen dieses Kunsthandwerks thun lassen Pi
Zerstreut, in den Zeiten der Not und Gefahr weggekommcht
'oder eingeschmolzen?? Es wäre interessant zu erfahren,
sich das eine oder andere Stück in dem kgl. wnrttembergischcksi
Silberschaize noch erhalten hat.
Fi

Stuttgart. Buchdruckern der Aktiengesellschaft „Deutsches Bolksblntt".
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