Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 9.1892

Page: 87
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ihr zu Ehren noch in unserem Jahrhundert nach der Morgen-
nnd Abendglockc mit einem besonderen Glöckchen ein Zeichen
gegeben, bei welchen die Aelteren vom Volke sprachen:
„Sie hat uns das Steinls geben,
„Gott geb ihr das ewig Leben/'
Eine gewiß nicht uninteressante Erscheinung ist diese
bosnische Fürstentochter in der Geschichte Schwabens. Gar
manche schwäbische Grafen- und Fürstentochter zog im Ver-
laufe des Mittelalters hinaus gen Osten, um an der Seite
eines slavischen Fürsten die Keime deutscher Kultur und
deutscher Gesittung in jene fernen Länder zu verpflanzen.
Ich nenne hier nur die Hohenstaufin Kunigunde, die Gattin
Königs Wenzeslaus III. von Böhmen; die Gräfin Salome
von Berg, die Gattin Herzogs BoleSlaw III. von Polen, ihre
Schwester Richenza, die Gattin des Herzogs WladiSlaw I. von
Böhmen und Sophie, Gattin des Markgrafen von Mähren.
Dagegen sind Ehen schwäbischer Fürsten und Grafen mit
Fürstentöchtern aus dem slavischen Osten sehr selten. Der
1433 ch Herzog Ulrich von Teck heiratete die 1425 ch pol-
nische Prinzessin Anna und unser Graf Ulrich von Hclfen-
stein die bosnische Prinzessin Maria. Beide Ehen haben eine
gewisse Aehnlichkeit mit einander. Wie die Grafen von Helien-
stein, waren auch die Herzöge von Teck verschuldet. Die pol-
nische Prinzessin Anna hatte von ihrem Vater, dem König
Kasimir III., ein Dritte!! seines Schatzes geerbt. König Lud-
wig von Ungar» , der ja auch in das Leben Marias von
Bosnien, wie wir sahen, mehrfach eingriff, vermählte Anna
mit dem Grafen Wilhelm von Cilly. Ihrem zweiten Gemahl,
dem Herzog Ulrich von Teck, brachte Anna den Nest ihrer
Heimsteuer und Morgengabe ans der ersten Ehe zu, welchen
Graf Hermann von Cilly ihr 1394 anszahlte. Diese Summe
betrug 16 000 Gulden, war also größer, als Marias Aus-
steuer. Doch wie bei den Grafen von Helfenstein brachte diese
Ehe dem herzoglichen Hanse Teck kein Glück. Sie blieb zu-
nächst kinderlos und hatte nach dem Tode der polnischen Prin-
zessin einen ärgerlichen Prozeß des letzten Herzogs (Ludwig)
von Teck mit Annas Tochter erster Ehe, der Königin Anna
von Polen zur Folge. Eine Besserung der finanziellen Lage
trat weder beim Herzogshause, noch beim Grafenhause durch
die Heiraten mit den slavischen Fürstentöchtern ein. Den
beiden letzter» ist gemeinsam der fromme Sinn, der ohne
Rücksicht auf die mißliche Finanzlage der Familien, in welche
sie geheiratet haben, in freigebigster Weise die Kirche bedenkt.
Den verschiedenen Stiftungen Marias von Bosnien steht die
Stiftung einer Vikarei in Mindelheim durch Anna von Polen
im Jahr 1407 gegenüber. Doch wandte Maria, wie ihr
Testament zeigt, im reichsten Maße ihrer Verwandtschaft, ihrem
Hofstaat und ihrer Dienerschaft Gaben zu. Sie scheint noch
in ihren späteren Jahren gerne Gäste ans der Ueberkinger Burg
gesehen zu haben. Einer derselben war der Kaplan in Kireb-
heim unter Teck Georg Plnnckher, welcher in seiner 1418
geschriebenen Prosaauflösnng der Kaiserchronik ihrer an einer
Stelle mit den Worten gedenkt: „mir saitt min Frow Frow
Maere Hcrtzogin von Helsfenstain genannt." Daß sie, die
fremde Fnrstentochter slavischer Nationalität an den litterarischen
Bestrebungen des Kaplans Interesse fand und ihn mit Mit-
teilungen unterstützte, erregt die Teilnahme für die hohe Frau
in »och höherem Maße und läßt es den Verfasser lebhaft be-
dauern, daß sein Forschen nach Material zu einer Biographie
Marias trotz der ihm im reichsten Maße zu teil gewordenen
Unterstützung des Herrn Archivsekrctärs Or. Giesel nicht zu
weiteren Ergebnissen geführt hat. Doch glaubt er, daß das
don ihm gegebene Bild dieser fürstlichen Frau trotz der leider

vorhandenen Lücken nicht aller Anziehungspunkte entbehrt.
Frohen, leichten Sinnes, dabei frommen Gemütes, durch kein
Unglück gebrochen erscheint doch Maria nach den bisherigen
Untersuchungen. Ungerecht wäre es jedenfalls, wie es bisher
geschah, sie allein oder in erster Stelle für den wirtschaftlichen
Niedergang der Helfensteiner verantwortlich zu machen. Da
haben ganz andere Faktoren mitgewirkt, vor allem der frühe
Tod ihres Gatten und die allmählich gesteigerte Entwertung
des Geldes im 15. Jahrhundert, sowie das Emporkommen der
Städte. Das Bestreben, im äußeren Glanze mit den reichen
Stadtgeschlechtern zu wetteifern, führte bei den Grafen von
Helfenstein, wie bei so vielen andern Geschlechtern des Land-
adels den wirtschaftlichen Niedergang herbei. Ein solches im
Verfall begriffenes Geschlecht hätte auch eine weit größere Mit-
gift, als die Marias war, nicht retten können. Daß Maria
und ihr Gatte das offenbare Bestreben hatten, den Rückgang
des Geschlechtes anfzuhalten, haben sie dadurch bewiesen, daß
sie die Hälfte ihrer Söhne dem geistlichen Stande widmeten
und so weiteren Teilungen vorbeugten. Auch ist es wohl auf
den Einfluß der Mutter zurückzuführeu, daß von den weltlich
gebliebenen Söhnen nur einer heiratete. Daß Maria bereit
war, nach Kräften Opfer für das Wohl des Helfensteinischen
Hauses zu bringen, beweist, daß sie darin einwilligte, daß ihre
Söhne ihr künftiges mütterliches Erbe zur Vermeidung weiterer
Schulden an die Ulmer mitverpfändeten und später die der
Mutter angewiesenen Güter teilweise verkauften. Durch
letzteres Opfer ermöglichte sie es, daß die Ulmer ihren Söhnen
die verpfändete Herrschaft Wiesensteig wieder gaben. Dieser
letzte Besitz verblieb bekanntlich dem Hause bis zum Erlöschen.
So erwarb sich Maria ein Verdienst für den ferneren Bestand
des Hauses ihres Gemahls und nimmt daher unter den edlen
Damen, welche mit Grafen von Helfenstein vermählt waren,
mit Recht eine hervorragende Stelle ein.
(„Staatsanz.", Beil. 1., 1892.)
Die Rrichsschenkeir von Schmalegg-Winter-
stetken.
Von Renz-Regensbnrg.
(Fortsetzung zu Nr. 8 des Diözesanarchivs.)
Heinrich I. von Schmalegg scheint nur einen Sohn hinter-
lassen zu haben, Konrad II. von Schmalegg, der sich um 1225
mit Irmengard, der einzigen Tochter des hochberühmteu Schen-
ken Konrad von Winterstetten, Stifters des Cistercienserinnen-
klosters Baindt^) und Wohlthäters der Klöster Schusfenried
und Weissenau, vermählte und mit derselben über 25 Jahre
in überaus glücklicher Ehe lebte. Urkundlich taucht Ritter
Konrad erstmals in Gemeinschaft mit seinem Schwiegervater
Schenk Konrad von Wiuterstetten, sodann Graf Berthold von
Heiligenberg, Eberhard von Waldburg, Berthold von Tobel
im Gefolge König Heinrichs am 6. November ds. Js. 1226
auf, als dieser sich im Kloster Weingarten aufhielt und einen
Tausch zwischen dem NaveuSbnrger Bürger Lournclus coZu.
uu cker StLeZe mit Weissenau konfirmierte, demzufolge dem
letzteren zwei Höfe in Sulpach gegen einen Hof in Willbolts-
weiler um 15 Mark Silbers eingeränmt werden.^) Die ge-
nannten vier Edellcute hatten nämlich fragliche beiden Sul-
pacher Höfe selbst vom Grafen Berthold von Heiligenberg,
der aber solche wieder vom König zu Lehen, und dadurch war
die königliche Bestätigung dieses Tauschvertrageö nötig ge-
Vergl. hierüber meine Abhandlung in Württbg. Vierteljahresh.
XII, Jahrgang 1889, S. 168 ff.
22) IZaumann, ^.cta 3t. ketri in S. 78.
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