Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 9.1892

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.worden. König Heinrich hotte auch an Konrad von Schmal-
egg einige Eigenleute überlassen, die aber bereits dem Kloster
Weingarten zugehörten. Als nun der König beim Reichstag
in Ulm weilte, beschwerte sich der Abt von Weingarten ob
solcher gegen ausdrücklich verbriefte Anrechte geschehenen Ueber-
gäbe an Ritter Konrad aufs entschiedenste, so daß sich der
König veranlaßt sah, die Schenkung zu widerrufe».")
1229 bezeugt Konrad die Ueberlassung einer Kapelle in
Manzell an das Kloster Weissenau durch die Brüder Heinrich
und Albert von Summerau, die solche zum Seelenheil ihres
im Kreuzzng gefallenen Bruders vom Grafen von Nellenburg,
dessen und des Abts von St. Gallen Lehen sie war, erwirken,")
und am 13. August 1230 treffen wir Konrad II. von Schmal-
egg wiederum unter der Begleitung König Heinrichs VII. in
Weissenburg, wo er gleich seinem Schwiegervater in der Ur-
kunde dieses Herrschers für die Stadt Nymwegen unter den
Zeugen genannt ist.")
Wie schon seine Vorfahren stets große Wohlthäter nahe-
gelegener Klöster und Stifte waren, blieb auch Konrad während
seines ganzen Lebens ein Freund und Beschützer verschiedener
Gotteshäuser. So erwies er sich im Jahre 1235 dem Kloster
Salem gefällig, als dieses den Zehenten von einem Bauhofe
zu Tepsenhard zurückzuerwerben wünschte, indem er solchen
gegen Empfang einer mäßigen Entschädigungssumme von
130 Mark Silbers von dem Pleban Berthold von Capella
ablöste. Wir erfahren hiebei, wie auch bei späteren Gelegen-
heiten, daß Konrad mit irdischen Gütern reich gesegnet ge-
wesen sein muß, da er die Kirche zu Capella für diese Ab-
tretung mit einem Hof daselbst, nebst Zehenten und sämt-
lichen Znbehörden und einem ebensolchen zu Sattelbach mit
einem Gut zu Mengetsweiler und einem Hof zu Urnau ent-
schädigte. Auch erteilte hiebei Konrad für die Aussage eines
Teiles des obigen Zehenten zu Tepsenhard seitens des Ritters
Burkard von Rolgenmoos an ihn und seine Verwandten, die
Brüder Konrad und Ortolf von Hasenweiler, welche sich gleich-
falls mit der Uebertragung auch dieses Zehentanteils an Kloster
Salem einverstanden erklärten, genanntem Ritter ein ander-
weitiges Lehen. Dieses gesamte Rechtsgeschäft erhielt am
25. September 1235 die oberhirtliche Bestätigung durch Bischof
Heinrich von Konstanz.") Fünf Jahre lang hören wir dann
nichts mehr über Konrad II. von Schmalegg und erst 1240
21. August sehen wir ihn zu Ueberlingen") als Mitzeuge
der Uebergabe des Lehen- und Patrvnatsrechtes von Dorf und
Kirche in Baindt an die von Boos transferierten Nonnen der,
wie bereits erwähnt, durch seinen Schwiegervater Schenk Kon-
rad von Winterstetten neugegründeten Cistercienserinnenabtei
Baindt, seitens der Grafen Berthold und Konrad von Heiligen-
berg, desgleichen in Weingarten, als die Truchsessen von Wald-
burg, Warthausen und Rohrdorf zu Gunsten genannten Klo-
sters auf ihr Lehensrecht an den Hof zu Grünenberg bei
Baindt, welchen der Schenk von Winterstetten von den Rittern
Hermann und Heinrich Wildemann für dasselbe käuflich er-
worben hatte, Verzicht leisteten.") Bei der am 3. (5.) Ja-
nuar des Jahres 1241 erfolgten feierlichen Einweihung der
liuillarck-Lrebolles, Hist, ckipl, illrickeric, secimcki III, 376.
und Wirtbg. Urkdb. III, 233.
bb) Wirtbg. Urkdb. III, 246.
bb) Huillarä-Urellolles, I. c. III, 426.
bst Zeitschr. f. d. Gesch. d. Oberrh. XXX, 212. Wirtbg. Urkdb.
V, 430. Regest: UackexviA, bipisc. Loast. I, 170. dir. 1471.
b') Wirtbg. Urkdb. III, 457. Nr. cxell.il.
°st Orig, im Fürst!. Arch. in Baindt. Abdr. Wirtbg. Urkdb. V,
437. Regest: Renz, Archiv, des Kl. Baindt, Nr. 8 im Diöz.-Archiv

nenerbauten Baindter Klosterkirche") scharten sich um den die
heilige Handlung vornehmenden Kirchenfürsten, Bischof Hein-
rich I. von Konstanz, eine außerordentlich glänzende Versamm-
lung vieler geistlicher und weltlicher Würdenträger und schwä-
bischer Edelleute, unter den letzteren auch unser Konrad. Er
ist bei dieser Gelegenheit Zeuge in den beiden Bischofsurkun-
den Heinrichs I. von Konstanz für Kloster Baindt.")
Wohl anläßlich dieser Festlichkeiten fand sich um dieselbe
Zeit auf der gastfreundlichen Burg Winterstctten eine große
und stattliche Anzahl von Edlen und Rittern zusammen, unter
denen hauptsächlich auch Anverwandte sowohl des Schenken
von Winterstetten selbst, als auch seines Schwiegersohnes sich
befanden, so Truchseß Ottoberthold von Waldburg, Kämmerer
Heinrich von Bienburg, Walther von Emerkingen, Berthold
von Frohnhofen, Konrad von Hasenweiler u. a. Bei dieser
Gelegenheit versetzte Konrad II. von Schmalegg den Ort Theu-
ringen mit dem Patronatsrechte an der Kirche daselbst dem
Kloster Weissenau zur Sicherstellung für den Verkauf des
Ortes Torkenweiler, den er nebst seiner Gemahlin Irmengard,
seinen Söhnen Heinrich, Konrad, Eberhard und Ulrich und
seinen Töchtern Mathildis, Guta, Elisabeth und Engelburg
(tunc vivercklbus) abgeschlossen hatte.") Der hiebei ebenfalls
anwesende und auf der Burg Winterstetten zu Besuch weilende
Bischof Heinrich I. von Konstanz, aus dem Geschlechte der
Truchsessen von Waldburg, also eines Verwandten der Winter-
stetter und Schmalegger, bestäligte in der Bnrgkapelle zu
Winterstetten solchen Verkauf sowie die erwähnte Verpfän-
dung.") _ (Fortsetzung folgt.)
MisMvn.
Familie Karg ist nicht, wie in meiner Arbeit „Zinn Münster-
jubiläum 1890" (Nr. 15 und 16 ds. BI. von 1890, S, 58, 1. Ip.
unten) bemerkt ist, abgestorben, .sondern lebt in einer frcihcrrlichen
Linie in Bayern noch fort. Kürzlich ist zu München eine als Ma-
nuskript gedruckte „Geschichte der Freiherrlichen Familie Karg von
Bebenburg" von E. Roth versaht und von Jos. Freiherrn von Karg-
Bebenburg herausgegeben, erschienen (129 S.l. .Nach derselben gehörten
die Karg nicht bloß in Ulm, sondern auch in Augsburg zu den Patriziern;
in Ulm gab's in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts ein eigenes
KargenbaL neben der Drei-Königskirche und eine Kargengasse, jetzige
Bockgasse. Im Jahre 1594 erhielten die Brüder Thomas und Hans
einen kaiserlichen Wappenbrief; 1615 wurde des letzteren Enkel Friedrich
in den Reichsadelstand erhoben. Das Prädikat von Bcbenburg erlangten
sie durch Heirat einer Erbtochter dieses Geschlechtes. Um die Mitte des
16. Jahrhunderts kamen die Karge, nachdem sie längst von Ulm ver-
zogen waren, nach Bamberg, in dessen Nähe, zu Schehlitz, sie sich an-
swdelten. Einer der bedeutendsten Vertreter der fränkischen Linie der
Famile ist vr. Joh. Fried. Karg von Bebenburg, Staatsminister,
oberster Kanzler des Kurfürsten Jos. Klemens von Köln, dessen schrift-
stellerische und vor allem politische, in die Jahre 1675—1719 fallende
Thätigkeit in der vorliegenden Geschlechtcrgcschichie einer ciiigehenden
Untersuchung gewürdigt wird. clr.
Zum Gedächtnisse Eberhard Martinis, des berühmte»
Arztes (geboren 1790 zu Biberach, gestorben 1835 in Paris, s. über
densewen „Allgem. D. Biographie", 20. Band, S. 503—505), brachte
die „Wiener medizinische Wochenschrift" (Nr. 44 und 45 von 1892,
Wien, Verlag von M. Perkes), das erste medizinische Organ Oester-
reichs, eine inleressante, auch als Svnderabdrnck erschienene Arbeit von
Amtsrichter a. D. Beck: „Rückblicke auf die Choleraepidemie im
Herbst 1831 zu Wien" unter Reproduklion eines brieflichen Berichtes
Martinis, als damaligen Chefarztes des großen Wiener Militür-Cholera-
spitales. II.
von Schwaben , Jahrg. 1890. Erwähnt: Vochezer, Gesch. des Fürst!.
Hauses Waldburg I, 254.
") S. Vochezer, a. a. O. 1, l32 ff.
") LIr. ImcterviZ:, I. c. I, 176. Nr. 1531 u. 1532.
*2) Wirtbg. Urkdb. IV, 6. Nr. 961.
Wirtbg. Urkdb. IV, 8. Nr. 962. Regest: ImckeGx, 1. c. I,
176. Nr. 1529.

Stuttgart, Bnchdruckerei der Aktiengesellschaft „Deutsches Bolksblatt".
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