Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 9.1892

Page: 93
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mit periodischer kirchengeschichtlicher tVeltschau.
Regelmäßige Beilage zum Pastoralblatt für die Diözese Nottenburg.


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Mit einem Vereine von Geistlichen nnd in Verbindung mit Geschichtsgelehrten heransgegeben
von I)v. Engelbert Hvfele, Pfarrer in Ummendorf.
Korrespondenz,:» ivollen gef!, direkt an vr. Engelbert Hosele, Pfarrer in Uniniendorf b. Biberach, gerichtet werden.

Nr. 24.

Stuttgart, den 15.

Dezember 1892.

9. Jahrgang.

Inhalt: Die frühere Kloster- und jetzige Pfarrkirche zu Schnssenried. Kurze Beschreibung des Merk- und Sehenswürdigsten derselben. Bon
Amtsrichter a. D. P. Beck. — Beilage: OUro reckivlvus. Ein Theaterstück aus dem Jahre 1614. — Regesten zur württemb. Kirchen-
geschichte. Bon vr. Giefel.

Die frühere Erlöster- und jetzige Pfarrkirche zu
Schusfenried.
Kurze Beschreibung des Merk- nnd Sehensmur-
it i g st e n derselbe n. 9
Bon Amtsrichter a. D. P. Beck.
Von dem ersten, ans Holz erstellten nnd eiuigemale er-
weiterten Kirchenban , der ohne Zweifel schon im 6. Jahr-
hundert in der Nähe des Schnssenurspruuges sich erhob, er-
wiesenermaßen aber nach den alten Statuten des Landkapitels
Sanlgau, in welches die Pfarrei Schnssenried von Anbeginn
bis z»m Jahre 1811 gehörte,") schon im Jahre 700 als Pfarr-
tempel mit dem hl. Evangelisten Johannes als Schutzheiligen
bestand, ist gar .nichts mehr vorhanden. Der Standort dieser
bis auf die ältesten Zeiten zurückgchenden Schussenrieder Pfarr-
kirche, welche natürlich bei den damaligen Verhältnissen noch
einfach nnd klein war, ist aber sehr fraglich nnd wohl nicht
mit dem der fetzigen identisch. Wahrscheinlich stand diese alte
Pfarrkirche im sogenannten „Veitsgarten" in einer Entfernung
von etwas über 300 Schritten von der dermaligen Pfarr-
kirche, da, wo die uralte sogenannte „Veitskapelle" bis in
unser Jahrhundert herein stand; wir fanden auch in einer
handschriftlichen Privatchronik folgende kurze, wenn auch nicht
beglaubigte, so immerhin bezeichnende Notiz zu dieser Kapelle:
„Da war ehemals die Pfarrkirche von Schnssenried !", an welcher
eben doch etwas zu sein scheint. Auch berichtet die „Schusseu-
vieder HanSchronik", daß bei der Klostergründung im Jahre
1183 zu der den Mönchen übergebenen Burg, welche an der
Stelle des südlichen Traktes des fetzigen sogenannten „alten
0 Diese — einige wenige Znlhnteu abgerechnet — schon im Jahre
1883 verfaßte Skizze war ursprünglich für die im gleiche» Jabrc er-
schienene Schussenrieder Festschrift als Anhang bestimmt, konnte aber,
ba sie nicht mehr rechtzeitig einlicf, nicht mehr mitgedruckt werden.
2) Nach dem kider clecimalionis von 127b scheint die Pfarrei
Sch. einige Zeit zn dein Dekanat Bncha», nach Buck „dem Nachfolger
bes alten Erichgaus" (V), gehört zn haben; die „Sch. HanSchronik"
rechnet aber Sch. unter Berufung ans die alten Saulgaucr Landkapnels-
bitlutcn von den älteste» Zeiten her zum Landknpitel Sanlga», in
Elches auch Buchau vordem gehörte. — Wenn weiter anders man
^»s eine von Nengart (epist. formt, p. Xkl) mitgeteilte Auszeichnung
(US dem 16. Jahrhnndert sich verlassen darf, so zählte Sch. damals
sine Zeit lang zum Landkapitel Biberach. Letzteres war in alten
steilen in daS Archidiakonat Jllergan, das Stnrnlkapiiel Sanlgau in
Archidiakonat Alp und das -Lmdkapiiel Waldsec in das Archi-
"iakonat Algnn eingetcill.

Klosters" sich erhob, auch eine neue Kirche, welche nunmehr
Pfarr- und Klosterkirche wurde, erbaut worden sei, sei es
nun wegen Banfälligkeit oder zn geringen Umfanges der alten
Kirche, oder wahrscheinlich, weil man Kirche nnd Kloster bei-
sammen haben wollte. Für den damaligen Neubau einer
Kirche spricht auch die Wahl eines neuen Kirchenheiligen, des
hl. Schwabenapostels Magnns an die Stelle des bisherigen
Schutzpatrons, des hl. Evangelisten Johannes. Die alte
Kirche blieb noch daneben bestehen und wurde eine Art „Neben-
kirche", wenn ancb möglich, daß dieselbe im Laufe der Jahr-
hunderte, vielleicht auch schon vor Klosterszelten, verändert
worden ist. Darauf wird sich auch folgende Bemerkung im
„Geographisch-statistisch-topographischen Lexikon von Schwaben"
(11. Bd., S. 602) beziehen: „Schnssenried hat eine kleine
Nebenkirche (!f, die vom Kloster ans versehen wird." Be-
denken erregt nur, daß, wenn dies die alte Pfarrkirche gewesen
sein soll, sie ans einmal den hl. Vitns, einen der schwäbischen
Urpatrone, als Schutzheilige» und nicht mehr den hl. Jo-
hannes Evangelist als solchen führt nnd fortan „Veitskapelle"
heißt, allein — der hl. Vitns kann vorher der zweite Patron
neben dem hl. Johannes gewesen und daun bei der Degra-
dation der ursprünglichen Pfarrkirche zur Nebenkirche, zur
Kapelle, ihr alleiniger Patron geworden, oder kan» überhaupt
bei diesem Anlasse der Kirchenheilige auch hier gewechselt
worden sein; an der Kleinheit der Kirche, an der Kapelle,
darf man aber gewiß bei Abwägung unserer Hypothese keinen
Anstand nehmen — gerade so manche Kapelle weist ja auf
ein sehr hohes Alter und ist vielleicht nur durch äußere oder
besondere Umstände, durch Mißgeschick ic. ans der Stellung
einer uralten Pfarrkirche zur untergeordneten Bedeutung einer
Nebcukirche herabgesunke»! Nach der Klosteranfhebung fand
dann in der Regel bloß noch am Tage des Kirchenpatrons
Gottesdienst i» der Kapelle statt und stand sie noch bis vor
60 Jahren, allerdings in keinem guten baulichen Zustande, bis
sie am 17. August 1831 exsakriert und noch im gleichen Jahre,
ähnlich wie i. I. 1832, die gleichfalls uralte 9 m lange nnd
6 m breite Veitskapelle auf der Veitsbnrg ob Ravensburg un-
nötiger nnd barbarisch-pietätloser Weise auf den Abbruch verkauft
und niedergelegt wurde. Dieses uralte, ehrwürdige Bandenkmal
trug gotischen Stil; die Wölbung, Dunkelheit re. wiesen auf
das 11. Jahrhundert als Ursprnngsdatum hin; die Kapelle
biclt 39 Schritte im Umfang (für ca. 80 Personen), in der
Höhe 13, in der Breite 11 und in der Länge 28 Schuh und hatte
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