Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 9.1892

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Neu-Tun neck hat Bischof Heinrich von Konstanz
n. 1251 gebaut. II, 36.
B »und v r f.
Vom 8. bis ins 12. Jahrhundert saßen in Bonndorf
adelige Geschlechter, deren eines sich von Bonndorf schrieb.
Hugo v. Bonndorf siegelt n. 1241 eine Schenkungsurkunde
Hugos v. Tnffenstein über ein Gut in Bebikon (bei Zürich)
an St. Blasien (III, 145) und von Elisabetha v. Bonndorf
-haben wir oben gehört, daß sie hier verschiedene Güter an
Hiltburgis Tanneck verkaufte a. 1329. Dieses Adelsgeschlecht
muß jedoch in diesem 14. Jahrhundert ausgestorben sein,
denn wir finden Bonndorf izt im Besitze der Herren v. Wolffnrt.
Diese bauten n. 1402 und zwar Rudolph v. Wolffnrt, seine
Gemahlin Elisabetha, geborene von Krenkingen, ihr Sohn
Wolfv, das Pauliiienklöstexlein, zu Ehren des ersten Ere-
miten Paulus, das in neuerer Zeit in ein Pfarrhaus »m-
gewandelt wurde. Auch bauten sie ein solches in Grumm-
wald, das Abt Heinrich IV. von St. Blasien dotierte und
Bischof Marquard von Konstanz konfirmierte.
Von Wolf v. Wolffnrt kam Bonndorf an die Herren
v. Falkenstein, die es n. 1440 noch besaßen. Bald darauf
kam es an die Grafen v. Rechberg. Gräfin Elisabetha von
Wertenberg, Witwe des Johannes v. Nechberg, verkaufte aber
n. 1460 an Johannes v. Lupfen Schloß Bonndorf, Bolle,
Alt- und Ncntanneck und anderes. I, 360. Von diesen kam
Bonndorf n. 1582 an die Familie v. McerSberg (Mörsperg).
n. 1609 kaufte nun Abt Martin von St. Blasien die ganze
Herrschaft, welche aus Bonndorf, Voll, Obcrhalden, Oettis-
wald, Gündelwangen, Stad, Steinmühle, Steinsäge, Sommerau
und Wellendingen bestund, um 151000 fl. Dies Stift er-
warb n. 1612 von Maximilian v. Pappenheim die höhere
Gerichtsbarkeit in dieser Herrschaft.. Mit St. Blasien kam
auch Bonndorf an Baden. Gc».-Lex. S. 160/61.
Lausheim
ist alt und wurde schon n. 854 vom Grafen Alberich im
Brcisgau an St. Gallen geschenkt. Die Advokazie gehörte
aber den Grafen v. Nellenbnrg, von welchen Graf Mangold
n. 1291 dieselbe an den Ritter Heinrich Schwager verkaufte
und von diesem kam sie n. 1403 an Erlewin v. Birkendorf,
n. 1279, 18. Juni, giebt Konrad v. Krenkingen seinen
Hof in Nockersweiler an St. Blasien. Dafür erhält er als
Compcnsation die bisherigen St. Gallenschcn Lehen, die aber
ehedem ihm eigen gewesen, in Laushcim und Bachheim wieder
als eigene Besitzungen. III, 196.
Im Besitze des Dorfes waren die Herren v. Fricdingcn,
von welchen es St. Blasien n. 1432 erwarb. Das Patro-
natrecht, welches dem Richmo» Brümsi, Ritter in Schafhansen
gehörte, hat n. 1504 St. Blasien auch an sick gebracht.
Gen.-Lex. S. 706.
Mettenbcrg
warn. 1295 noch ein einfaches Gut, zu St. Blasien gehörig,
wuchs aber nach und nach zu einem Orte heran. III, 237.
ES besaß seinen eigenen Adel, ist sehr alt. Die Herren von
Mettenberg kommen noch n. 1300 vor. Von dieser Famlie
kam Mettenberg an die v. Nnmlang und v. Erzingcn, von
welchen die ersteren n. 1467, die anderen aber n. 1478 ihre
Rechte an St. Blasien verkauften, daS auch n. 1612 die hohe
Gerichtsbarkeit vom Erbmarschall Grafen Maximilian v. Pap-
pcnhcim erwarb. Gen.-Lex. S. 774/75.
M ccrShausen oder Merz h a u sen,
Pfarrort und Schloß, -eine Stunde von Freibnrg. Es sei

hier nur bemerkt, daß es vor n. 1230 die Mutterkirche von
GunderSthal war und damals Pfarrer Heinrich vorstund.
Als nun das Kloster GunderSthal durch Berchtold v. Urach
gegründet worden, hat eS n. 1233 Papst Gregor IX. von
der Mutterkirche MeerShausen eximiert. II, 78.
Das übrige s. Gen.-Lexik. S. 773.
(Fortsetzung folgt.)

Div Dernfung der Jesuiten nach Konstanz.
Bon e. Benvcnut Stengels in Wärzbnrg.
Was hier der Fürst versprochen, das hielt er auch. Denn
als er vom päpstlichen Nuntius in der Schweiz, dem Grafen
Tnrrian, am 25. August 1604 in seiner neuen Würde in-
auguriert worden, bei welcher Feier der Jesuiten-Prvvinzial
Rosefius die Predigt hielt, so legte er auch nnverweilt den
Grundstein zur neuen Kirche am 28. August l. I. Gleich-
zeitig wurde auch der Ban des Kollegiums begonnen. Um
indessen den Unterricht der Jugend so bald möglich zu be-
ginnen, wurde einstweilen ein Lokal im Spital ansgemittclt,
und so mit demselben am 18. Oktober 1604 angefangen.
Die Zahl der Schüler des Gymnasiums betrug 260. Im
folgenden Jahre wurde wegen der vielen sich meldenden Jüng-
linge, fast 500, ein Lyceum errichtet und' gleichzeitig auch
eine Marianische Sodalitat eingcführt.
Der Ban dcS Kollegiums wurde in diesem Jahre zu Ende
des Herbstes noch unter Dach gebracht, obwohl dasselbe 200
Fuß in der Länge und 48 Fuß in der Breite betrug. Nicht
so,rasch ging es mit dem Bau der Kirche, der naturgemäß
längere Zeit erforderte, zumal es auch hie und da an Bau-
material fehlte. Zur Unterstützung dieses Baues flössen ver-
schiedene Spenden. Der durch Gelehrsamkeit und Religiosität
gleich ausgezeichnete Konrad von Bodman auf Schloß Mellin-
gen, dem in seiner schweren Krankheit die Jesuiten mit geist-
licher und leiblicher Pflege liebevoll bcigeftandcn, bewies seine
Dankbarkeit dadurch, daß er zum Bane der Kirche 350 fl.
gab und für die Anstellung mehrerer Bauleute Sorge trug.
Auch der Adel ans dem Klettgau gab hiezu 1000 fl. und eine
Familie aus Konstanz 70 fl. Eben so viel gab der Abt von
Zwiefalten, der Fi'k'stabt von Kempten sogar 3000 fl.; Herzog
Wilhelm V. von Bayern und sein Sohn Maximilian!, schenkten
zum gleichen Zwecke 4000 fl., und eben so viel Maximilian
Erzherzog von Oesterreich; auch der Adel im Thurgau und
Schwaben spendete ebenfalls reichliche Gaben an Geld, Mate-
rial und Fuhren.
Im Jahre 1606 war so der Bau der Kirche schon so
weit vorgeschritten, daß der Dachstuhl aufgesetzt werden konnte;
die Ziegel zur Bedeckung (40 000'an der Zahl, welche 300 fl.
kosteten) ließ der Magistrat, um ebenfalls seine Wohlthätig-
keit zu bekunden, beischaffen. Im folgenden Jahre ging all-
mählich der Ban der Kirche, welche 100 Fuß lang und 50 breit
wurde, zu Ende. Sie erhielt ein Haupt- und ein Seitenportal
von farbigen: Marmor und drei kunstvoll erbaute Altäre mit
schönen Geuwll^u, der Musikchor wurde mit einer guten Orgel
versehen. Hinter dem Hauptaltare erhob sich majestätisch der
Turm, in welchen vier Glocken kamen, um die Gläubigen
zum Gottesdienst zu rufen.
Der 14. Oktober 1607 war vom Fürstbischof bestimmt,
um den feierlichen Akt der Einweihung dieser herrlichen Kirche
vorznnchmcn, wozu er auch seinen Bruder, den Grafen Markus
von Fugger und diejenigen Neichsprälaten, welche zum Bane
der Kirche und des Kollegiums mit dem Schnlhanse beigctragcn,
cingcladen hatte. Die Kirche wurde zu Ehren des hl. Bischofs
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