Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 9.1892

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Konrad cjngeweiht, weil die Wohnung desselben auf diesem
Platze gestanden haben soll. Deshalb brachte der Fürstbischof tags
vorher in einer solennen Prozession das Haupt dieses Heiligen
nebst den in die Altäre zu verschließenden hl. Reliquien dahin.
Am Tage der Einweihung selbst erschien er, im bischöflichen
Ornate unter Assistenz von fünf Prälaten und wurde vom
Rektor des Kollegiums und sämtlichen Jesuiten außerhalb
der Kirche am Hauptportale empfangen. Dem hl. Akte wohnten
b.ei das Domkapitel, Markus Gras von Fugger, die Gesandten,
diele Adelige, auch Geistliche hohen Ranges aus Schwaben
und der Schweiz, dann der Magistrat und endlich die Stu-
dierenden nebst einer zahlreichen Volksmenge ans Stadt und
Land. Nach Beendigung der Weihe und des vom Fürstbischof
gesungenen Hochamtes, war an dessen Hofe Mittagstafel, wozu
140 Personen geladen,waren. Hierauf fand in der ueugeweihteu
Kirche eine Predigt statt, nach welcher der Fürstbischof noch 336
Personen das hl. Sakrament der Firmung erteilte. Ansehnlich
und kostbar waren auch die Gaben, welche bei dieser Feierlich-
keit der Kirche verehrt wurden. Der Fürstbischof ließ seinen
goldgestickten Ornat zurück, sein Bruder Markus schenkte ihr
sechs große Leuchter, von Silber, zwei silberne Opfcrkännchen
nebst Platte und eine den hl. Konrad darstellende Statue,
ebenfalls aus Silber. Sechs Prälaten verehrten ihr eben so
diele silberne vergoldete Kelche, das Domkapitel aber ein silber-
nes Kruzifix und ein in rotem Sammet gebundenes, mit Silber
Prächtig beschlagenes Meßbuch; der Ade'l ans der Nachbarschaft
überreichte den Vätern des.Kollegiums eine Börse mit 1000
Dukaten, um nach Bedürfnis heilige Gefässe und Kirchen-
zierden hievon anznschaffen. Selbst der Magistrat von Kon-
stanz erzeigte sich ihnen wohlthätig, indem er auf seine Kosten
die Wasserleitung in ihr Kollegium und tu ihren Garten be-
sorgte. Den Beschluß der ganzen Feier machte ein von den
Studierenden gegebenes Schauspiel: „Der hl. Konrad."
In Ausübung ihrer Missionsthätigkeit, welche die Jesuiten
den Konstanz nach verschiedenen Richtungen hin in dortiger
Gegend entfalteten, kamen sic im Jahre 1608 auch nach Neu-
hurg am Rhein, wo die katholische Religion nicht nur in Ver-
fall, sondern großenteils sogar tu förmliche Mißachtung ge-
lten war. Ihr Bestreben, das Volk zum Glauben seiner
Pater zurückzubringen, war anfänglich fruchtlos, sie predigten
tauben Ohren; doch ihre Geduld war nicht zu ermüden und
ihre Beharrlichkeit errang über die HcrzcnShärtc der Bewohner
do» Neuburg doch den Sieg. Nach vielem Zureden, Ermahnen
und Belehren kamen die Verirrten zur Besinnung und be-
kannten sich endlich wieder zur Mutter aller Christen, zur
katholischen Kirche.
Im Jahre 1608 wurde zur Vollendung des Gymna-
Ps'"s, zum Baue einer eigenen Krankcnwohnnng, zur Ab-
flbließnng des Gartens mit einer Mauer, dann zur Hcr-
Ntliing eines Portikus im Innern deSscben, um trocken auch
'^»i Negcnwettcr spaziere» gehen zu können, die Summe
'on lg 000 fl. von jenen Geldern verwendet, welche groß-
"Ptigo Wvhlthätcr hierzu bewilligt hatte». Außerdem waren
P' Väter der Gesellschaft Jesu becifcrt, Kirche und Altäre zu
a^dcn nnd zu verschönern. Der Fürstbischof von Augsburg,
.-P auf viw Rückreise von feiner Wallfahrt nach Maria-Ein-
R"ln ngn- Konstanz kam, verehrte in dieselbe eine mitge-
Hachte stth^nu, Statue, den gegeißelten Heiland verstellend.
? 'sich Kollekte von den, Kon'stanzcr Klerus, dann durch die
Je,willige,, Beiträge der Marianischcn Sodalen, unter denen
Nch 22 Aebte befanden, wurde cS im Jahre 1609 dahin ge-
^acht, daß auf das Schulgebäude, in welchem acht Hörsälc!
Nlebracht und »üt allen Bedürfnissen versehen waren, ein s

stattlicher, 130 Fuß langer und 50 Fuß breiter Betsaal für
die Kongregation erbaut wurde. Der Fürstbischof ließ durch
seinen Hofgärtner den Garten des Kollegiums in zierliche
Form bringen und mit guten Obstbäumcn bepflanzen; der
Magistrat war so gefällig, daß er die Fenster eines Stadt-
turmes, aus denen man in das Innere des'Kollegiums schauen
konnte, vermauern ließ. Endlich erhielt dasselbe von einem
hohen Gönner, dem Freiherrn von Schellenberg/Herrn auf
Hüfingen, Staufen und Randeck, dann Direktor des schwä-
bischen Ritterkantons Allgau u. s. w., durch Vermächtnis ein
Legat von 8000 fl. für die'Schulen und dessen stattliche Biblio-
thek von 900 Bänden. Um ihren Lebensunterhalt zu sichern,
kauften die Jesuiten um dieselbe Zeit von den Herren von
Reischach den sogenannten Schlvßhof zu Linz H bei Pfullen-
dorf, welcher gegen 400 fl. jährliche Einkünfte brachte?)
Die Altäre der Jesuitenkirche waren anfangs auf den
notwendigsten Aufbau beschränkt; im Jahre 1610 sollten die-
selben aber eine reichere Ausstattung erfahren. Den hohen
Altar daselbst ließen die Brüder Heinrich und Frobcnius Truch-
seß, Freiherren von Waldburg, mit einem Kostenaufwand von
2000 Dukaten aufführen, die zwei Seitcnaltäre aber Jakob
Hannibal von Raitnan, Freiherr von Langcnstein, und Karl
Graf von Hohenzollern erbauen. Dieser Graf machte auch
die Statue der Muttergottes, vom berühmten Künstler Johann
Reichel von Augsburg, vortrefflich aus Silber gebildet, der
Jesuitenkirche zum Geschenk. Den Vätern der Gesellschaft
selbst verehrte der Fürstbischof zehn Fuder WeiuS. Als im
Jahre 1611 zu Konstanz eine epidemische Seuche auSbrach,
suchten viele durch Flucht ihr Leben zu retten. Die Jesuiten
verblieben und standen den Kranken und Sterbenden bei. Sic
verloren durch diese Seuche folgende Mitglieder: Wilhelm
Marg, Heinrich Nouweiler, Peter Fuchs, Castulns Agricola,
Christopherus Gebhard und Leonard Kolcr. Im Jahre 1615
starb ?. Michael Eiselin auf dein Wege von Konstanz nach
Landsberg zu Bermatingen im dortigen Pfarrhause, worauf
die Cisterzicnser von Salem seine Leiche in ihre Stiftskirche
brachten und dort beisetzten.
Wie sehr in Konstanz daS katholische Leben binnen kurzem
wieder zugcnommen hatte, beweist die Thatsachc, daß im Jahre
1614 vierzig Bürger einen Marianischen Verein zu gründen
wünschten, wozu sie sich Pie Beihilfe der Jesuiten erbaten.
Sehr willfährig bezeigte» sich diese, indem sic dafür sorgten,
daß im Jahre 1616 vom Papste ihr frommes Vorhaben ge-
nehmigt wurde. Schnell wuchs der Marianische Verein auf
200 Mitglieder au, die alles beitrugen, um ihren Gottesdienst,
dem ein Jesuit als Präses Vorstand, mit feierlicher Würde
und mit Erbauung halten zu können. Am Mariä-Lichtmeß-
tage begingen sie mit einer feierlichen Prozession ihr Titnlar
fest und am Karfreitag besuchten sie die hl. Gräber, im stille»
Trancrzuge von Büßenden begleitet.
Am 6. März 1626 verloren die Jesuiten zu Konstanz
ihren besten Freund und Wohlthätcr, den Fürstbischof Graf
von Fugger und Freiherrn von Kirchbcrg, und am Mariä-
Himmclsahrtstage 1629 ihren nicht minder hohen Gönner, den
Weihbischof von Konstanz, Johann Jakob Mirgcl aus Lindau.
') In der Pfarrkirche zu Linz befinden sich zwei kostbare Reliquien
mit Anthentik, die vermutlich von den Mitgliedern dieses Ordens il>r
geschenkt wurde». ES sind dies das Herz deS hl. JgnatinS von Loyola
nnd ein Arm deS hl. Franz Xaver.
st Nach Aushebung des Jesuitenordens kam dieses; Gut an den
RcligionsfvndS. Zurzeit bildet daS sogenannle Linzergnl, dessen Ver-
waltung unter dem Erzbischos nnd dem Domkapitel steht, einen Teil der
Dotation deS ErzstnhleS Freibnrg.
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