Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 9.1892

Page: 77
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Ersüicmt monatlich zwei-
mal als regelmäßige Bei-
lage zum Pastoralbiatt siir
die Diözese Notienburg und
ist durch die Post nur
mitdiesem zugleich zu
beziehen; halbjährlich in
Württemberg M. 3. 15., im
Bcstcllbczirk Stuttgart M,
3, —im Reiche M. 3, 3V,,
in Oesterreich fl, I, 53 kr,
ö, W,, in der Schweiz Mrcs,
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von Schwaben
zugleich Grg-ui für drulsche Lrirchongcschichro —
mit periodischer kirchengeschichtlicher Weltschau,
egelmäßige Beilage zum Paftoralblatt für die Diözese Notteuburg.

! Durch alleBuchhan d- '
! l it n g e n, sowie geqen Ein- !
r seudmiI d. Ve'tragsdirett :
! v.d.Exp e d i t i o ü d.Deu t-
: scheu Volk 8 blatts in :
! Stuttgart, Urbansstr. 94, !
! kann . das Diözes a n- !
! Archiv allein zürn Preise !
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! lich, das Pasto ralblatt!
! allein zürn Preise von M. !
! 1. 60. halbjährlich bezogen !
! werden. ' r


WNt einem Vereine von Geistlichen und in Verbindung mit Geschichtsgelehrten heranSgegeben
von Or. EnAelbrrt Hosele, Pfarrer in Ummendorf.
Korrespondenzen wollen gesl. direkt au vr. Engelbert He feie, Pfarrer in Ummeiidors b. Biberach, gerichtet werden.

. 20.

Stuttgart, den 15. Oktober 1892. 9. Jahrgang.

Inhalt: Ein Brief des Glasmalers Snuterlentc. Bon Amtsrichter a. D. P. Beck. — Wesscnbergs Bemühungen um die Erhaltung van
Kapnzinerklöstern. — Zur Geschichte des Landkapitels Krautheim. — Litterarisches. — Biiszcllen. — Beilage: „Hcxenlirände" in Sulz a. llt.
Bau Amtsrichter n. D. Beck.

Ein Brief des Glasmalers Sankerleute.
Van Amtsrichter a. D. Be ck.
Der bedeutende (im Jahre 1793 zu Altdorf-Weingarten
geborene, 1843 in.Nürnberg gestorbene) Glasmaler Franz Joseph
Sauterlente (s. den Artikel über denselben von P. Beck in
der „Allgem. deutschen Biographie", 30. Bd. S. 770—772
und Gessert, Gesch. der Glasmalerei w. S. 276 fs.) arbeitete
längere Zeit in Nürnberg für den Kaufmann und Handels-
gcrichtsassessor Hertel, einen bekannten Kunstmäccu, welcher
eine ganz hervorragende Kunstsammlung besaß. Unter an-
derem hatte ihm Hertel jene sieben, jetzt im germanischen
Museum befindlichen Transparentbilder aus Albrecht Dürers
Leben in Auftrag gegeben, welche mau im Jahre 1830 voll-
endet auf der Nürnberger Kunstausstellung sah; fünf derselben
waren ans mehreren Stücken zusammengesetzt, zwei anfeiner
Scheibe ausgcführt und alle fanden „in Anbetracht der kräf-
tigen und harmonischen Färbung, namentlich der guten Luft-
perspektive und durchaus fleißigen Durchführung ein lobendes
Anerkennen". Weiter folgte fürdasHcrtelsche Knnstkabinett eine
Reihe von Darstellungen aus dem Leben Mariä nach Albr.
Dürer, eine Grablegung nach einem Gemälde der Boissereeschen
Sammlung, ein Bildnis Pirkheimers sowie „eine Scene aus
dem Leben"; letzte beiden Stucke waren auf der Stuttgarter
Kunstausstellung im Mai 1833 zu scheu. Auch diese Werke
waren auf einer Scheibe mit besonderem technischem Geschick
ausgcführt und entsprachen vollkommen den Anforderungen
der Kritik. In die Beziehungen des Künstlers zu seinem
Gönner, sowie noch in einiges andere gicbt nun folgender,
durch Herrn Kaufmann Arnold in Nürnberg, einen Neffen des
ch Hertel, güligst überlassener Brief S.'ö an Hertel einen Einblick:
Ravensburg den 11. September 1833.
Hochzuvcrehrcnder Herr Assessor!
Um Entschuldigung bitte ich Sie, daß ich mich an Herrn
Teufel und nicht sogleich an Sie gewendet habe, um Ihnen
mein Anliegen darzustelleu, cs geschah aber hauptsächlich
darum, um die Wahrheit einer Nachricht zn erhalten, durch
deren Anfrage Sic hätten beleidigt werden können. Denn
> ei» sonst guter Freund schrieb mir, daß in Nürnberg ein
! neuer Glasmaler entstanden sei, dessen Erzeugnisse alles je
> gesehene weit übertrcfse, und meine von Kennern anerkannte
gute Bilder, ganz in Schatten stelle. Mein unbefangenes
Gefühl in solchen Angelegenheiten ließ mich wohl daran
! " - j

zweifeln, denn wenn ich bedenke, mit welcher Zeit- und Geld-
aufopfernng, mit welchem Fleiß, Aufmerksamkeit , Ausdauer
und unverdrossener Ueberwindnng nebst einigem Talent znr
Kunst, ich bei dieser Art Malerei zn Werke gehe, so möchte
es denn doch einem andern etwas schwer werden, mir so
schnell den errungenen Kranz zu entreißen, es irrt sich auch
mein Freund, wenn er glaubt, eine solche Nachricht schlage
mich nieder und mache mich mutlos, gerade die entgegengesetzte
Wirkung bringt es bei mir hervor. Ich habe es mir ge-
schworen, nur für die Kunst zu leben und alle Hindernisse
zn verachten und zn ertragen, welche mir cntgegentreten und
ich werde meinem Vorsatz getreu bleiben, denn etwas muß der
Mensch doch lieben und bei mir sei es die Kunst, und daS ist
gewiß nicht unedel? — Dieser Freund schrieb mir, Sie hätten
alle Aufträge, welche Sie mir so gütig waren anzuvertranen,
jenem übergeben, und da ich nun gerade jetzt alle Anforde-
rungen, welche der Staat an mich wegen dem erhaltene» Sti-
pendium machen konnte, entsprochen habe, und nicht gesonnen
bin, die Aufträge ins Große auszuführcn, welche mir ge-
macht wurden, sondern lieber die kleineren Kabinettsbilder,
wo ich alles von Anfang bis zum Ende selbst zu verfertigen
im stände bin, auösühreu möchte, so war es für mich sehr
wichtig zn hören — ob jene Sage wahr oder unwahr ist.
Für Sie male ich auch schon darum lieber als für je-
mand anders, weil Sie cS waren, welcher mir den eigentlichen
Impuls znr Glasmalerei gab. Und ich danke Ihnen heute
noch für diese Güte, welche ich damit hcimzahlcn werde, daß
daß ich mir die größte Mühe geben werde — die möglichste
Vollendung in dieser Art von Malerei zu erreichen; ich freue
micb schon jetzt auf die Passion — das giebt gewiß Bilder, die
alles was ich* bis jetzt gemacht habe, hinter sich lassen werden.
Das Titelblatt'zum Leben der Maria habe ich fertig,
und innerhalb 14 Tagen werde Sic solches erhalten; wie sehr
meine Arbeiten überall Beifall finden, können Sie ans den
beigelegtcn Kritiken aus Stuttgart finden. Ich bitte Sie,
solche im Kunstverein lesen zn lassen.
Interessant und belehrend für mich sind manche Bekannt-
schaftcm, welche ich derzeit gemacht habe, und sie dienen dazu,
mir neuen Mut und neuen Schwung zn geben.
Durch den Fürsten von Fürstenbcrg lernte ich die ge-
nauere Manipulation iu seinen schönen Glashütten H kennen.
i, Zu Tiergarten im rvmcmlischc» zwischen Tuttlingen und 2ig-
. maringei?gelegenen DmmiNhnle sowie im Lanchcrtthal.
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