Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 9.1892

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Kapitels Buchen mit hcrnberbringen und mit unserem Kapi-
telsvermögen auf immer vereinigen".
Diese Einverleibung kam aber nicht zu stände. Ein
hindernder Umstand war der, daß Hüngheim und Windisch-
bnch zu zwei verschiedenen Aemtern gehörten; ein anderer
„Hauptnmstand lag in der Person des Pfarrers und Groß-
herzoglichen Dekans S. von Hüngheim, mit welchem die
Kapitularen, wie es scheint, nicht gerne in Berührung kamen".
Wie ans dem Beschluß des Erzbischöflichen Ordinariats
Nr. 1520 vom 19. Februar 1858 hervorgeht, welcher auf
die Kapitelskonferenz vom 18. November 1857 erteilt wurde,
hatte diese wieder die Bitte ausgesprochen, „es möchten einige
Veränderungen in der Abteilung der Dekanatsbezirke vor-
genommen werden". Es blieb aber alles beim Alten.
Im folgenden Jahrzehnt bemühten sich die Herren
Dekane Holler in Oberwittstadt und Seltzam in Großrinder-
feld um die Arrondierung der ehemals Mainzer und Würz-
burger Landkapitel.
Unterm 5. November 1868 (Beschluß Nr. 8295) wurde
dem Erzbischöflichen Dekanate Krautheim auf eine Eingabe
vom 27. -Oktober erwidert, daß „wir beregten Gegenstand
seäe vncnnte auf sich beruhen lasse» müssen. Unser Dekanat
wolle darum nach Besetzung des Erzbischöflichen Stuhles die
Sache wieder in Anregung bringen."
Dieses geschah auch im Jahre 1890 und 1891 unter
Mitwirkung der Herren Dekane der Landkapitcl Bischofsheim
in Königheim, Buchen, Krautheim in Oberwittstadt, Lauda in
Gerlachsheim und Walldürn.
Letzteres Dekanat, das früher der Diözese Mainz an-
gehörte , blieb von jeder Veränderung unberührt. Die an-
deren drei Kapitel erlitten Veränderungen.
Dem Kapitel Krautheim wurden durch den im Anfang
dieser Zeilen citierten Beschluß des Erzbischöflichen Ordinariats
vom 8. Mai 1891 die bisher zum Dekanat Buchen gehörigen
Pfarreien Hüngheim und Windischbuch zugeteilt. Das De-
kanat Krautheim, welches bisher aus sieben Pfarreien bestand,
zählt nun deren neun. Als Termin, an welchem die Neu-
einteilung in Kraft trat, wurde der 1. Juli 1891 bestimmt.
In dem zuletzt citierten Ordinariatserlaß ist zugleich
verordnet, daß in dem Vermögensstande der betr. ventilierten
Kapitel durch diese Neneinteilung keinerlei Veränderung her-
beigeführt werden soll, indem die betreffenden Pfarrer jeden
Anspruch an das Vermögen der Kapitel, ans welchen sie aus-
scheiden, verlieren, dagegen die bezüglichen Rechte der Kapitu-
laren jener Kapitel, in welche sie eintreten, ohne weiteres er-
langen. („Freib. kath. Kirchbl.")

Die Gräfin Maria von Hvlsenstrin, geborene
Prinzessin von Bosnien, auf Burg Ueberkingen
bei Geislingen.
Bon Theodor Schön.
Reich an landschaftlichen Reizen ist das Filsthal. Der
Wanderer, welchen die Eisenbahn nach dem industriereichen
Geislingen geführt hat, erreicht auf einer angenehmen Straße,
zwischen Waiden und Bergwald daherwandelnd, Ueberkingen.
Steigt er von hier hinauf zum Burgberg, einem majestätischen
Felsvorsprung, so wird er vergebens forschen nach Ueber-
bleibseln der Burg Ueberkingen, die einst hier stand. Nur
zwiefache, von der Alb her gezogene Gräben künden deren ein-
stigen Platz an. Davon, daß einst vor vier Jahrhunderten
eine reiche Fürstentochter aus dem Osten hier wohnte, ist kein
Merkmal mehr vorhanden. Wo stolze Ritter daherschritten

und edle Fräulein in Sammet und Seide daherrauschten, da
stößt des Wanderers Fuß heute nicht einmal mehr auf die
letzten Trümmer der Burg und wo frohe Weisen in deutscher
und slavischer Sprache erklangen, ertönt heute nur noch die
Stimme des Sängers des Waldes. Die Vergänglichkeit alles
Irdischen tritt hier mit Allgewalt dem Beschauer entgegen.
Im folgenden sei an der Hand zuverlässiger Quellen
jene Zeit, da Maria von Bosnien auf Burg Ueberkingen
lebte, geschildert. Der fürstlichen Frau seien die folgenden
Zeilen gewidmet.
Um die Mitte des 14. Jahrhunderts herrschte in Bos-
nien das edle Geschlecht der Kotromanics. Als Lehensmann
der Könige von Ungarn arpadischen Stammes war Stephan
Kotroman seit 1272 Ban von Ober-Bosnien. Ihm warum
1313 sein gleichnamiger Sohn gefolgt, der in den Kämpfen
mit den Kroaten, Serben und Ragusa sich als ein tüchtiger
Herrscher bewährte. Das Lehensverhältnis zum Könige von
Serbien, in welches sein Vater seit 1283 geraten war, wußte -
Kotromanics zu lösen. Bosnien wurde ein unabhängiges
Fürstentum, dessen Grenzen der tüchtige Fürst über die Drina
ausdehnte. Durch Heiraten suchte er seine Stellung zu sichern.
Mit König Karl Robert von Ungarn stand er in freund-
schaftlichen Beziehungen und hatte um 1323 eine Verwandte
desselben, Elisabeth von Cujavien, geheiratet. Die einzige
Tochter dieser Ehe, Elisabeth, heiratete am 20. Juli 1353
Ungarns jugendlichen König Ludwig, welchem sie als Mit-
gift die Herzegowina zubrachte.
Diesen nahe» Beziehungen zwischen den bosnischen und
ungarischen Regentenhäusern ist es zuzuschreiben, wenn wir
ein Glied des ersteren als Gemahlin des Grafen von Helfen-
stcin im fernen Schwabenland finden.
Maria von Bosnien war nach einer bei bejer, Lockex
6ip1omLticu3 IllunZnrine IX, 2, 138 abgedrnckten Urkunde
vom 26. April 1352 eine Schwester des bosnischen Herzogs
Stephan, womit niemand anders, als der am 28. September
1353 gestorbene Stephan Kotromanics gemeint sein kann. H
Sie war jedenfalls das jüngste Kind von dessen Vater, dem
Ban Stephan Kotroman. Ihre Gebiert mag um das Jahr ^
1313, das Todesjahr ihres Vaters fallen. Sie kam, wie es
scheint, frühzeitig an den ungarischen Hof, da die 1324 be-
ginnenden Kämpfe ihres Bruders mit den Kroaten die bos-
nische Residenz dem Kriegsschauplätze zu nahe rückten nnd
wohl auch ihre Mutter, die serbische Fürstentochter Katharina
(urkundlich noch am 23. November 1322 erwähnt) damals
gestorben sein dürfte. Jedenfalls ist sie nicht , wie Gabel-
kover annimmt, erst bei der Vermählung der bosnischen Prin-
zessin Elisabeth mit König Ludwig am 20. Juli 1353 an
den ungarischen Hof gekommen, da nach der oben citierten
Urkunde vom 23. April 1352 ihre Vermählung mit dem
Grafen von Helfenstein vor das letztere Datum fällt. Ebenso s
ist Gabelkovers Nachricht, König Ludwig habe sie an de» ^
böhmischen Hof gebracht und sie sei im Frauenzimmer der am
27. Mai 1353 dem Kaiser Karl IV. angetranten Gemahlin
Anna von Schweidnitz geblieben, aus chronologischen Gründen ^
zu verwerfen. Sie scheint vielmehr am ungarischen Hof ge-
blieben und von dort aus ihrem Gemahl zngeführt worden zn
sein. Heißt es doch in der mehrfach citierten Urkunde vom
26. April 1352, daß König Ludwig die Herrin Maria, die
Schwester des bosnischen Herzogs Stephan, seine teuerste
st Bisher nahmen alle deutschen Autoren, welche sich mit Maria
beschäftigten, an, sie sei eine Tochter Stephans Kotromanics und
Schwester der Königin Elisabeth von Ungarn gewesen, was ans eine
irrige Notiz Gabelkovers zuriickzufiihrcn ist.
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