Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 9.1892

Seite: 36
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Graf v. Sulz. Sein Vaters Bruder H. von Sulz war Archi-
dsakon in Straßburg.
u. 1360 wurde dem Grafen Rudolph von Sulz von
Kaiser Karl IV. das Hof- und Landgericht zu Rottweil ver-
liehen in aller Maaß, als es von Alters Herkommen ist. So
auch unter Kaiser Wenzel. Von dieser Zeit an schrieben sie
sich „Präfekten des kaiserlichen Hofgerichts zu Nottweil".
u. 1311 schrieben sich die Herren von Sulz auch Herren
von Wildeck, in der Nähe des Ortes Göffiugeu, schreibt Abt
Gerbert. Im gleichen Jahre kommen auch vor die Brüder
Hermann und Alwig von Sulz; ebenso 3. 1354 und 1355
mit ihrem Bruder Rudolph.
Obgleich 3. 1347 schon die Grafschaft Sulz an die Herren
von Geroldseck übergegangen war, so florierten diese Herren
doch noch lange.
3. 1378 schon, 1382 und 1393 kommt Rudolph von
Sulz vor, 3. 1380 Johannes von Sulz.
3. 1386 schrieb sich Graf Rudolph von Sulz „freier
Hofrichtcr zu Nottweil".
3. 1401 gab Kaiser Rupert dem Grafen von Sulz die
Gewalt, einen Freien oder Grafen an das Landgericht zu
Nottweil zu setzen und das Landgericht an seiner statt zu
empfehlen. Landgericht Oberschwaben I, 209.
3. 1406 hat nach einer Rottweiler Urkunde Herzog
Friederich von Oesterreich dem Grafen von Sulz die Burg
Hohenberg mit dem Flecken Wähingen auf Lebenszeit ver-
pfändet. In diesem 15. Jahrhundert schrieben sich diese
Herren von Sulz stets „Präfekten des kaiserlichen Hosgcrichts
zu Nottweil", welchen Titel sie gar lange beibehielten, wie
auch den „Landgrafen der Landgrafschaft Klettgan". So
3. 1456 Graf Johannes von Sulz, Hofrichter. Landgericht
Oberschwaben I, 210.
Ans dieser Sulzer Familie Wierde Nikolaus, ein Mönch
i» Hirsau, von dem Bischof Heinrich von Konstanz, Herren
zu Höwen, dem Kloster Rheinau als Administrator vorgesetzt.
Nach ihm wurde Eberhard, Mönch aus Hirsau, Administrator
in Rheinau. Dieser unterhandelte mit den Grafen von Sulz,
Johannes, Rudolph und Alwik, als Erbe der Gräfin Ursula,
also, daß dem Abte freie Macht über das Kloster verbleibe,
den Grafen aber eine jährliche Pension ausgeworfen werde.
II, 221.
Das Gebiet der Edlen von Krenkingen im Alpegan und
Kletgau kam nämlich im 15. Jahrhundert an die Grafen von
Sulz, teils durch Erbschaft von der Frau Ursula von Habs-
burg, Laufenburger Linie, indem sie an Rudolph, Hermanns
Sohn von Sulz verehelicht war, der auch die Habsburgischen
Besitzungen verwaltete.
3. 1482 kam auch die Herrschaft Thiengen an die von
Sulz und verblieb ihnen bis zum Aussterben ihres Stammes.
Die Grafen von Sulz waren sehr lästig und aufdring-
lich wegen der Schirmherrschaft über das Kloster Rheinau,
von wo 3. 1529 der Abt Bonaventura floh und in Waldshnt
eine Zuflucht fand. Da drang er sehr in den Grafen Ru-
dolph von Sulz, daß er die widerspänstigen Klettganer Bauern
zur Abgabe ihrer Schuldigkeiten anhielt. 3. 1555 war Graf
Rudolph schon todt. Seine Witwe, Elisabeth von Zwei-
brücken , hat namens ihrer Söhne Wilhelm und Alwik und
mit Joh. Heinrich Schenk von Castell, welcher Abt in Rheinau
geworden war, 3. 1579 in Thiengen die Angelegenheit mit
dem Kloster ins Reine gebracht. Alwik starb 3. 1579 und
hinterließ seiner Gemahlin Barbara von Helfenstein vier
Söhne, Rudolph, Karl, Ludwig und Christoph, deren Pfleger

und Vormünder Heinrich von Fürstenberg und Schickhard von
Helfenstein waren. Diese zwei wohnten der Verhandlung in
Thiengen ebenfalls an. Alwik war nämlich österreichischer
Statthalter im Elsaß gewesen. II, 331.
3. 1532 war Heinrich von Sulz schon gestorben.
3. 1525 haben die Klettganer Bauern dem Grafen Wolf-
gang Hermann, Bruder obigen Rudolphs, sein Schloß Kiesen-
berg belagert und zerstört.
3. 1629, als das wirtembergische Kloster Lorch an
St. Blasien zur Wiederherstellung übergeben worden, war
Karl Ludwig, Graf von Sulz, Mitkommissär. II, 423.
Aus dieser Sulzschen Familie war 3. 1729 Maria The-
resia Felizitas, Fürstin von Fürstenberg, geborene Landgräfin
von Sulz, die Gemahlin des Fürsten Frobenius Ferdinandns
Dominikus, Landgrafen in der Baar und zu Stichlingen.
Leben des hl. Fidelis, S. 2. Maria Theresia, Gräfin von
Sulz, die 23. Aebtissin von Buchau, von 1669—1692, re-
gierte sehr löblich.
Die Herren von Krenkingen.
Der Ort Krenkingen, auch Kränkingen, urkundlich Krein-
chingen, liegt in einem Einschnitt des Steinachthales, zählt
etwas über 40 Familien mit 300 Einwohnern. Der 3. 1837
gestorbene österreichische Minister Fechtig ist aus Krenkingen.
Es ist das ursprüngliche Besitztum der Herren von Krenkingen.
Anfangs ein Filial von Thiengen, 3. 1866 Toingen genannt,
im Alpegan, wurde es 3. 1617 mit der Pfarrei Aichen ver-
einiget; 3. 1680 erhielt es einen eigenen Kaplan und später
wurde es dann zur selbständigen Pfarrei erhoben.
Das Stammschloß lag bei der Stadt Thiengen. Im
15. Jahrhundert wurde es von der Familie znrückerkauft, so-
dann pfandweise an die Ritter von Blnmenegg gegeben, 3.1471
an Bilgerin von Heudorf, kam dann 3. 1482 an die Herren
von Sulz, bei welchen es bis Anösterben dieser Familie
verblieb.
Dieses Geschlecht besaß vier Schlösser, nämlich
1) Alt-Krenkingen, nahe der Stadt Engen;
2) das andere nahe bei dem Flecken Krenkingen;
3) Gut-Krenkingen, nahe bei Dietlingen;
4) das vierte nahe bei Bühl (Bünte) im Klettgan.
Diese Herren sind ursprünglich eine schwäbische Adels-
familie, waren schon c. 1150 Dynasten, und hatten ihre Mini-
sterialen, so in Birkendorf bei Bonndorf im 12. Jahrhundert
und 3. 1202 einen Bnrkart, wo? ist nicht gesagt. Dagegen
geht ans den Kloster Marchtaler Urkunden hervor, daß sie
weit über 100 Jahre lang ihre Ministerialen in Seekirch am
Federsee hatten.
Seit dem 12. Jahrhundert stieg das Ansehen dieses
Hauses schnell empor. Es stund mit den vornehmsten Fami-
lien der ganzen Gegend, denen von Klingen, HabSbnrg und
anderen in Blutsverwandtschaft. Am glänzendsten stund es,
als Diethelm ans dem Weissenburgischen Aste die Insul von
Konstanz trug. 3. 1169 in Reichenau erzogen starb er 1206
am 12. April.
Dieses Dynastengeschlecht teilte sich schon frühe in zwei
Hanptstämme, wovon sich der jüngere nach dem Schlosse
Weissenbnrg, das in der Nähe des KlettganS stund, benannte.
Gewöhnlich hieß man es Nen-Krenkingcn. 3. 1188, nach
anderen 3. 1191 ist Diethelm, Abt von Reichenau, Bi-
schof von Konstanz geworden, behielt aber die Abtei bei.
(Fortsetzung folgt.)

Stuttgart, Buchdruckcrei der Aktiengesellschaft „Deutsches Bvlksblatt".
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