Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 52.1923

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weit, in der er lebt, erleichtert und damit seine
Freude am Dasein vertieft". Auf jeden Fall
war das Ergebnis ein lebendiger Organis-
mus, ein beziehungsreiches Ganzes, wo alle
Glieder sinnvoll ineinandergreifen, Schicht aus
Schicht logisch hervorwächst und jedes einzelne
Stück den Blick in die große Welt offen läßt.

Nun aber galt es erst, die angehäuften
Schätze dem nachfühlenden Verständnis zu er-
schließen, die Kluft zwischen Museumsgut
und Museumsbesucher zu überbrücken.
Auf alle nur denkbare Weise geschah es: durch
Wort und Schrift, durch Führungen und Vor-
träge wie durch die in ihrer Art vorbildlichen
Kataloge, die dem Kenner wie dem Laien
gleicherweise gerecht zu werden suchen und
durch ausgezeichnete Orientierungstafeln in den
Sälen selbst ergänzt werden. Dem länger Ver-

weilenden endlich bieten die „Kleinen Führer"
ihre Dienste an, die, einzelne Kunstwerke oder
Gruppen behandelnd, in vielen andern Museen
schnell Nachahmung gefunden haben. Mit Hilfe
dieses vielverzweigten Systems ist es dem un-
ermüdlichen Direktor gelungen, seine Schöp-
fung zu einer Volksbildungsanstalt zu ma-
chen, die an künstlerischer Bedeutung gewiß
von mancher andern Sammlung übertroffen
wird, von der man aber sagen darf, daß sie wie
kaum ein anderes Museum sich in den Dienst
einer großen sozialen Mission gestellt hat.

Wenn Theodor Volbehr heute freiwillig sein
Werk jüngeren Händen überläßt, so darf er es
in dem stolzen Bewußtsein tun, eine Leistung
vollbracht zu haben, die bis in das kleinste
Stück hinein den Stempel seiner starken Persön-
lichkeit trägt. ERNST V. NIEBELSCHÜTZ—MAGDEBURG.
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