Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 52.1923

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AUSSTELLUNG „DEUTSCHE KUNST 1923" DARMSTADT.

Die Maschine des Ausstellungsbetriebs läuft
noch fort. Aber langsam hat sich ihre Be-
deutung, ihr Sinn verschoben, und die Zufuhr
von Material ist da und dort ins Stocken ge-
raten. Das Interesse der Künstler am Be-
schicken der großen Sommerausstellungen hat
stark nachgelassen. Diese Ausstellungen sind
nicht mehr wie früher die Plätze der großen
Premieren, die Bühnen der „Uraufführungen"
neuer Begabungen. Der Kunsthandel ist scharf
hinter allen neuen Sternen her, seien sie auch
siebenter Größe, und legt in hitzigem Wettbe-
werb Beschlag auf ihre Produktion. Wer etwas
kann, hat auch sogleich den Markt. Die Be-
schickung der großen Ausstellungen hat heute
für die Könner nur den Wert einer zweit-
rangigen Propaganda. Insonderheit die Kunst-
Zeitschrift, die ihre Abbildungen weit ins Land
und auf den Tisch kaufkräftiger Kunstfreunde
trägt, ist dem „arrivierten" Künstler viel wich-
tiger als die Massen-Ausstellungen, die ihm
Mühe, Kosten und Gefahren einbringen.

Auch der Darmstädter Ausstellung kann man
diese Gleichgültigkeit der Künstler anmerken.

Sie verfuhr so, daß sie eine große Zahl deut-
scher Künstler zur juryfreien Beschickung ein-
lud. Die Liste der Eingeladenen war gut und
vollständig; fehlerhaft war nur die Aufnahme
einiger Weniger, wie Richard Pietzsch, Th. Th.
Heine usw., die denn auch durch schlimmes
Versagen einen Winkel der Ausstellung gröb-
lich verunstalten. Viele andre aber sind der
Einladung nicht gefolgt, teils wegen des Wett-
bewerbs der gleichzeitig in Süddeutschland
stattfindenden Karlsruher Ausstellung, teils aus
Besorgnis vor einer drohen den Besetzung Darm-
stadts, teils aus den Gründen, die einleitend
angegeben wurden. Im Anfang schien es, als
müsse das Unternehmen an dieser schwachen
Beteiligung scheitern. Schließlich kam aber
dann doch etwas zustande, das beim ersten
Durchwandern anruft und gewisse Versprech-
ungen macht. Aber bei näherer Prüfung er-
weisen sich viele dieser Versprechungen als
nicht erfüllt oder nur halb erfüllt, und das
Ganze bleibt schließlich eine halbe Sache ohne
rechte Freude und Durchschlagskraft. Wobei
wir nicht übersehen wollen, daß andere Unter-

XXVI. Juli 1923 1
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