Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 52.1923

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Ausstelhtng -»Deutsche Kunst ig231. Darmstadt.

weiligen Dudelsack. [Moll ist schwächer"als
gewöhnlich, Eberz desgleichen. In diesen und
anderen Erscheinungen verzettelt sich das Bild
der Ausstellung mehr und mehr; der stärkste Ak-
zent bleibt auf dem stummen Dialog Kanoldt-
Dix liegen, begleitet von den Nebenstimmen
Schrimpf und anderer, die ihm nahestehen.

Im Bereich der Graphik gibt es von fast allen
bekannten Namen gute Proben zu sehen, z. B.
von Barlach, Großmann, Meidner, Beckmann,
Davringhausen, Eberz, Achmann usw. Zwei
Aquarelle von Paul Klee sind einzelgängerisch
und sehr erlesen. Die Plastik bringt meist
kleine, feine Ware bekannter Art; darunter die
sehr amüsanten Terrakotten von Lörcher und
ein entzückendes, halbmeterhohes Mahagoni-
Figürchen von Archipenko, teils positiv,
teils negativ gearbeitet, dem ich vor den groß-
formigen Marmorbildnissen des gleichen Künst-
lers bei weitem den Vorzug gebe..........

Gleichzeitig mit dieser Ausstellung zeigen die
hessischen Künstler ihre Arbeiten in der
„Kunsthalle" am Rheintor. Ihr ist das Schau-
spieler-Bildnis von Paul Thesing-Darmstadt
entnommen, eine klare, gekonnte Arbeit von
feiner, geistreicher Art. Im übrigen kommen
nur wenige Leistungen dieser hessischen Ab-
teilung über das Provinzniveau hinaus.

Erwägung verdient — anläßlich dieser wie
mancher andern Ausstellung — der Gedanke,
ob nicht auch bei juryfreier Beschickung der
Hängekommission das Recht zustehen soll, in
gewissen äußersten Fällen Ausscheidungen von
Kunstwerken vorzunehmen. Dieser Gedanke ist
auch in Berlin (Voss. Ztg.) mehrfach vertreten
worden. Er ergibt sich einfach aus dem Um-
stand, daß in jeder juryfreien Ausstellung fünf,
sechs Werke hängen, die man aus Qualitäts-
gründen gern verstecken möchte und die das
Gesamtbild empfindlich stören, wilhelm michel.

RICHARD SEEWALD. »STILLEBEN«

XXVI. Juli 1923 2
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