Krumm, Carolin [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,2): Region Hannover: nördlicher und östlicher Teil; mit den Städten Burgdorf, Garbsen, Langenhagen, Lehrte, Neustadt a. Rbge., Sehnde, Wunstorf und den Gemeinden Burgwedel, Isernhagen, Uetze und Wedemark — Hameln, 2005

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Vorwort

Mit dem vorliegenden Band 13.2 der Reihe „Denkmaltopographie Bundesrepublik
Deutschland, Baudenkmaie in Niedersachsen“ schließt das Niedersächsische Landes-
amt für Denkmalpflege die Präsentation der Baudenkmale der Region Hannover ab -
eines Verwaltungsgebietes, das am 1. November 2001 aus dem Zusammenschluss der
Landeshauptstadt Hannover und dem Landkreis hervorgegangen ist. Dieser Landkreis
wurde erst 1974 im Rahmen der Verwaltungsreform im Wesentlichen aus den ehemali-
gen Kreisen Hannover, Burgdorf, Neustadt a. Rbge. und Teilen des Kreises Springe
gebildet, die ihrerseits die alte, bis 1885 bestehende Ämterverwaltung abgelöst hatten.
Vorgestellt werden hier die geschichtlich, künstlerisch, wissenschaftlich und/oder städte-
baulich bedeutsamen Bauten oder Gebäudegruppen, ergänzt durch eine Vielzahl aus-
sagekräftiger, zum Teil großformatiger Architekturaufnahmen, die in einer Zusammen-
schau einen fundierten Überblick über das reiche bauliche Erbe der Region ermöglichen.
Nachdem zunächst die beiden Topographiebände zur Landeshauptstadt Hannover
1983 und 1985 veröffentlicht wurden, folgte 1988 der erste Teilband zum Landkreis
Hannover, der den südlichen, etwa bis zum Verlauf des Mittellandkanals reichenden Teil
des Kreisgebietes vorstellte. Der nun vorgelegte zweite Teilband präsentiert die Bau-
denkmale der angrenzenden nördlichen und östlichen Bereiche der Region mit den
Städten Burgdorf, Garbsen, Langenhagen, Lehrte, Neustadt a. Rbge., Sehnde und
Wunstorf sowie den Gemeinden Burgwedel, Isernhagen, Uetze und Wedemark.
Neben den an wichtigen Verkehrsadern sich entwickelnden kleinen Städten und den
wenigen, nur noch rudimentär auf uns gekommenen industriellen Ansiedlungen sind es
vor allem die vielen dörflichen Siedlungen mit ihren vielgestaltigen Hofanlagen, die bis
heute das Bild einer von landwirtschaftlichen Strukturen geprägten Kulturlandschaft
bestimmen.
Die leichten Böden der Geest, unterbrochen von einst großflächigen Mooren und
Bruchlandschaften erlaubten auch hier keine andere Nutzung als die der Landwirtschaft.
So entstanden in Abhängigkeit von naturräumlichen Gegebenheiten häufig weit verstreut
liegende dörfliche Siedlungen mit offenen Hofstellen in lichtem Eichenbaumbestand,
deren Wirtschaftsgebäude sich locker und ungeregelt um das Haupthaus gruppieren. In
besonderer Weise verkörpert der Kern des Dorfes Schneeren den Charakter dieser offe-
nen, harmonisch in die Landschaft eingefügten Siedlung.
Noch heute besitzt die Region eine beachtliche Anzahl qualitätvoller Bauernhäuser des
16. und 17. Jahrhunderts mit anspruchsvollen Fassadengestaltungen. Den zweifellos
bedeutendsten Bestand zeigt das große, aus vier Bauerschaften bestehende Wald-
hufendorf Isernhagen. Bereits im 16. Jahrhundert kamen die Isernhägener Bauern vor
allem durch Hopfenanbau zu beträchtlichem Wohlstand. Baulicher Ausdruck sind die
städtisch beeinflussten, aufwendig gestalteten Schaugiebel der stattlichen Hallenhäuser.
Die auf Knaggen vorkragenden Giebelstockwerke zeigen hölzerne Brüstungsbohlen, oft
mit Fächerrosetten und Inschriftenbändern dekoriert. Doch auch Nebengebäude wie
Speicher und Scheunen weisen häufig reich gestaltete Fassaden auf.
Von besonderer Bedeutung für die Kulturlandschaft sind die zahlreichen Kirchen und
Kapellen, die zumeist die „Keimzelle“ des Dorfes bilden und die weithin sichtbar seine
Mitte anzeigen. Den Höhepunkt bildet die im frühen 12. Jahrhundert als Eigenkirche,
offenbar auch als Grablege des Mindener Bischofs Sigward errichtete Kirche in Idensen,
ein kleiner, einschiffiger Sandsteinquaderbau mit Westturm, querschiffartig angeordne-
ten Seitenkapellen und Polygonalapsis. Mit ihren prächtigen, in Kalk-Secco-Technik auf-
gebrachten Malereien gehört die Sigwardskirche zu den bedeutendsten Kleinkirchen des
12. Jahrhunderts im deutschen Sprachraum. Gänzlich anderen Formvorstellungen folgen
die Stiftskirche St. Cosmas und Damian in Wunstorf, eine im Kern noch dem 11. Jahr-

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