Krumm, Carolin [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,2): Region Hannover: nördlicher und östlicher Teil; mit den Städten Burgdorf, Garbsen, Langenhagen, Lehrte, Neustadt a. Rbge., Sehnde, Wunstorf und den Gemeinden Burgwedel, Isernhagen, Uetze und Wedemark — Hameln, 2005

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STADT LANGENHAGEN

LANGENHAGEN

Die nordwestlich Hannovers gelegene Stadt
Langenhagen blickt auf eine sehr junge
Geschichte zurück, die erst mit der Stadt-
rechtsverleihung 1959 begann. Auch der
Name Langenhagen stammt nicht aus der
Zeit der urkundlichen Erstnennung (1241),
sondern ist eine jüngere Variante (Ende
16.Jh.) des ursprünglichen Namens Neuer
Hagen (nova indago; 1241), kurz: Nienhagen
(1312).
Die Bezeichnung „Hagen” erklärt sich aus der
Siedlungsstruktur, die den Ursprung Langenha-
gens in einer Rodungssiedlung des frühen
13.Jh. erkennen lässt: Um neuen Siedlungs-
raum zu gewinnen, schlugen die ersten Siedler
im damaligen Herrschaftsbereich der Grafen
von Roden schmale Schneisen durch den
Lauenwald (Wald = „Hagen”), die man in
schmale Parzellen, sog. Hufen, beidseitig eines
Weges unterteilte. Ältester Kern der heutigen
Stadt ist jedoch eine zweite, aus Parallelstraßen
gebildete Siedlung, die man schon zu frühmit-
telalterlichen Zeiten im Lauenwald anlegte und
deren Namen sich ebenfalls von dem waldigen
Standort herleitet - Brink; seit 1938 ist sie ein
Teil Langenhagens.
Nach dem Aussterben der Grafen von Roden
gelangte der Ort mitsamt der Vogtei Lauenrode
1248 in den Besitz der Welfen und wurde seit-
dem von einer gleichnamigen Burg vor den
Toren Hannovers aus verwaltet. Nach deren
Zerstörung 1371 im Zuge des Lüneburger Erb-
folgekrieges wurde die Vogtei nach Langenha-
gen verlegt und damit die Entwicklung des spä-
teren gleichnamigen Amtes in der Großvogtei
Calenberg eingeleitet, die wiederum bis 1859
bestand.
Über die Struktur des historischen Langenha-
gen berichtet die Kurhannoversche Landesauf-
nahme (1781), sie belegt, dass sich der damals
mit 138 Feuerstellen kartierte Ort als Zusam-
menschluss von Einzelsiedlungen verstand, die
allerdings ohne Einschnitt ineinander übergin-
gen (Brink, Langenforth, Kircher Bauerschaft,
Kreienwinkel, Wagenzell).

Langenhagen, Königl. Preuss. Landes-Aufnahme 1897, Ausschnitt (Landesvermessung und Geobasisinforma-
tion Niedersachsen)


Bis Ende des 19.Jh. in seiner Größe und Dorf-
struktur fast unverändert, erlebte Langen-
hagen einen deutlichen Aufschwung erst mit
der Eröffnung der Bahnlinie Hannover-Vissel-
hövede (1890), an der der Ort eine eigene Sta-
tion erhielt; weitere verkehrstechnische Ein-
schnitte bedeuteten der Anschluss an
das hannoversche Straßenbahnnetz (1900),
der Bau des Mittellandkanals bzw. des
Brinker Hafens (1916), der Autobahn Köln-
Berlin (1938) und schließlich des Flughafens
(1952) - zahlreiche Industrieniederlassungen
waren die Folge. Einen weiteren Höhepunkt in
der modernen Planungsgeschichte markierte
die Anlage der als Neue Bult benannten
Galopprennbahn im Jahr 1973, die sich zwi-
schen die lang gezogenen Parzellen des
Hagenhufendorfes im Westen und den
Wietzelauf im Osten schiebt.

Elisabethkirche
Schon 1391 berichtete der sog. Kaland-Brief
von der „kerkhere to deme Nyenhaghene”, ver-
mutlich einer Kapelle, die bis 1529 bestand. Die
überkommene, in ausgesprochen schlanker
und hoher Form das moderne städtebauliche
Umfeld überragende Backsteinkirche (Kirch-
platz 1) ist jedoch ein Bau des späteren 19.Jh.,
nachdem ihr Vorgängerbau für die stark ange-
wachsene Pfarrei Langenhagen anscheinend
zu klein geworden war. Mittlerweile scheint
jedoch auch die moderne, stetig anwachsende
Stadt den neuen, überkommenen Sakralbau zu
bedrängen; so dominiert die durch Blendglie-
derungen und glasierte Zierziegelbänder präch-
tig inszenierte Kirche eine kahle Beton- und
Pflasterfläche anstelle des historischen Kirch-
friedhofes.

Sie gilt als eine seiner Lieblingsschöpfungen,
die 1858 nach der evangelischen Herzogin
Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg (-Calen-
berg) benannte und zwischen 1867 und 1869
nach den Entwürfen C. W. Hases realisierte
Kirche zu Langenhagen. Funktional sollte sie
sein und auch nicht kostenaufwendig, infolge-
dessen Hase einen emporenumzogenen Raum
mit großem Chor aus Gründen einer optimier-
ten Raumausschöpfung, die Übernahme des
aus Raseneisenstein geschichteten (Kapellen-
?)Turmes des 13./14.Jh. aus Kostengründen
empfahl. So entstand eine neugotische Basilika
mit weit ausladendem, polygonalem Umgangs-
chor, deren Seitenschiffe als Erschließungs-
zone für das bestuhlte Mittelschiff ausgespro-
chen schmal und flach gehalten wurden (aus-
führender Architekt: A. Schröder; Maurermeis-
ter: Leyn); im Außenaufriss treten diese unter

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