Krumm, Carolin [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,2): Region Hannover: nördlicher und östlicher Teil; mit den Städten Burgdorf, Garbsen, Langenhagen, Lehrte, Neustadt a. Rbge., Sehnde, Wunstorf und den Gemeinden Burgwedel, Isernhagen, Uetze und Wedemark — Hameln, 2005

Page: 139
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dtbrd_nds_bd13_2/0142
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile

TOPOGRAPHISCHE DARSTELLUNG DES DENKMALBESTANDES

STADT BURGDORF
BURGDORF
Das moderne Burgdorf, nordöstlich Hannovers
in der Niederung der Burgdorfer Aue gelegen,
wird von dem Auelauf in einen nördlichen
Bereich und die fächerförmige Südstadt jen-
seits der Altstadt geschieden; zwischen beiden
Stadtgebieten vermittelt die in ostwestlicher
Richtung geführte ehemalige Handels- und
heutige Bundesstraße B 188, die die Auemasch
an ihrer breitesten Stelle durchkreuzt und somit
eine direkte Verbindung beider Stadtviertel
sichert.
Geschichtlicher Überblick
Der moderne Name Burgdorf ist eine sprachli-
che Entwicklung der mittelalterlichen Bezeich-
nung „Borchthorpe auf der Heide“ (Erstnen-
nung vor 1279). So ist nach den Erkenntnissen
der Lokalforschung der historische Kern der
Stadt in einer dorfartigen Ansiedlung zu sehen,
die sich einer nördlich des Auestroms gegrün-
deten hochmittelalterlichen Burg vorlagerte.
Vermutlich wurde sie um 1260 vom Bischof von
Hildesheim zur Sicherung der östlichen Grenze
des Bistums Hildesheim erworben, das hier
unmittelbar an die welfischen Herrschaftsge-
biete stieß.

Der nahe Verlauf der Handelswege Hildes-
heim/Celle und Hannover/Braunschweig, von
denen der ostwestlich verlaufende an dieser
Stelle zudem die Aueniederung durchquerte,
wird die Entwicklung Burgdorfs entschieden
begünstigt haben, die im 14.Jh. schließlich zur
Verleihung der Stadtrechte führte (erwähnt
1398). Um 1420/21 fiel Burgdorf im Zuge der
Kleinen Hildesheimer Stiftsfehde an die einsti-
gen Gegner, die Herzöge von Braunschweig
und Lüneburg, die sich den Burgsitz fortan teil-
ten und 1421 mit dem Wiederaufbau der stark
in Mitleidenschaft gezogenen, nun als
„Schloss“ bezeichneten Veste begannen. Erst
unter der Verpfändung der Veste an die Brüder
von Bothmer ab 1473 wurde die Anlage jedoch
im großen Stil erneuert, mit einem Wall umzo-
gen, durch sieben Bollwerke und zusätzliche
Bastionen gesichert und darüber hinaus durch
eine Vorburgfläche erweitert. Die Belagerung
von Stadt und Burg während der Großen
Hildesheimer Stiftsfehde (1519-1523) setzte
dieser Entwicklung ein jähes Ende - Burgdorf
fiel erneut in Schutt und Asche. Der Wiederauf-
bau lief vermutlich nur zögerlich an, erst ab
1583 wurde das Schloss in Teilen als herzog-
licher Jagdsitz genutzt. Die Belagerungen im
Zuge des Dreißigjährigen Krieges und zwei
Feuersbrünste 1658 und 1809 bezeichneten
zwei weitere Einbrüche in der Burgdorfer
Geschichte, die erst mit dem planmäßigen
Wiederaufbau nach 1809 etwas ruhiger verlief

(1823 erneute, aber weniger umgreifende
Feuersbrunst); so zählte die Stadt 1834 immer-
hin 303 Häuser und 2180 Einwohner und konn-
te florierenden Handel und Gewerbe, mehrere
Brennereien und eine Tuchmanufaktur vorwei-
sen. Später traten u.a. die Druckerei bzw. der
Zeitungsverlag W. Rumpeltins (1866 Übernah-
me und Weiterentwicklung), die Konservenfab-
rik L. Warnecke (1892) und das Elektrizitäts-
werk (1895) hinzu - H. Löns beschreibt
namentlich „die große Zahl von Fabriken“,
deren hochragende Schlote für die kleine Stadt
ortsbildprägend gewesen seien (1893). In das
späte 19.Jh. fällt auch die preußische Annexion
des Königreiches Hannover (1866), in deren
Folge 1885 der neue Landkreis Burgdorf als
Zusammenschluss der vormaligen Ämter Burg-
dorf und Burgwedel entstand.

Entwicklung von Stadtgrundriss und Stadtge-
stalt
Trotz aller Brände und Wiederaufbauten hatte
sich die Stadtstruktur bis Anfang des 19. Jh. nur
wenig verändert; stadtbildprägend war nach
wie vor das eine fast rechteckige Grundfläche
umfassende, dreiseitige sowie leicht kantig
geführte Wall-/Grabensystem (wohl um
1429/33; Verlauf siehe Schützenstraße/
Wall/Bahnhofstraße), das im Süden an die Aue
grenzte und ein älteres, aber in seiner

139
loading ...