Krumm, Carolin [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,2): Region Hannover: nördlicher und östlicher Teil; mit den Städten Burgdorf, Garbsen, Langenhagen, Lehrte, Neustadt a. Rbge., Sehnde, Wunstorf und den Gemeinden Burgwedel, Isernhagen, Uetze und Wedemark — Hameln, 2005

Page: 455
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Uetze, Königl. Preuß. Landes-Aufnahme 1896, Ausschnitt (Landesvermessung und Geobasisinformation Niedersachsen)


GEMEINDE UETZE
UETZE

Uetze liegt am östlichen Rand der Region Han-
nover in der Fuhseniederung, die die Bundes-
straße B 188 von Burgdorf nach Gifhorn über-
quert. Das westliche Umland prägen feuchte
Wiesenflächen und Bruchgebiete, während sich
im Osten Ackerböden im Bereich der Bröckeler
Sande anschließen. Die von Laubwaldresten,
Hecken und Feldgehölzen begleitete Fuhsenie-
derung ist heute Landschaftsschutzgebiet.
Geschichtlicher Überblick
Viel ist heute von der über tausendjährigen
Geschichte Uetzes an der Fuhse nicht mehr zu
erkennen; mindestens dreimal ging das 1021
erstmals erwähnte Haufendorf als Sitz der
Herren von Uttensen („utissem”), Lehensneh-
mer des Hildesheimer Stiftes, in den Flammen
verheerender Stadtbrände unter - 1515, 1545
und 1863, abgesehen von den Wirren während
der Hildesheimer Stiftsfehde, mit der das im
Hildesheimer Hochstiftsgebiet gelegene Uetze
1523 an das Herzogtum Braunschweig-Lüne-
burg überging.

Dennoch: Der einstige Rittersitz der Herren von
Uttensen an der Fuhse blieb wohl weitgehend
verschont und wurde 1624 mitsamt dem
Kirchenpatronat an die bürgerliche Geliebte des
Herzogs Ernst August von Lüneburg über-
eignet, der sie bald auch in den Adelsstand
erhob. Seitdem war Uetze der Wohnsitz und
Bestattungsort der Adelsfamilie von Lüneburg,
die die Geschicke des Ortes bis zum Übergang
des Gutes an die Wathlinger Linie 1926 beglei-
tete.
Die Bedeutung des 1695 zum Marktflecken
erhobenen Haufendorfes, das zugleich Zent-
rum eines eigenen Kirchspiels (zugehörig die
Dörfer Abbeile, Benrode, Dahrenhorst, Wacker-
winkel, Katensen) war, spiegelt auch seine dich-
te Parzellierung: Im Jahr 1543 wurden 66 Höfe,
1781 110 Feuerstellen und der zugehörige
„Adel Hohf von Lüneburg” gezählt.
Bis Ende des 19.Jh. - und erneut in der 2.
Hälfte des 20.Jh. - hat sich Uetze recht deutlich
um einige Flächen in südöstlicher und west-
licher Richtung erweitert, wobei eine auffällige
Begradigung und Verbreiterung der Straßen
südlich der Kaiserstraße zu registrieren ist. Es
sind dies Maßnahmen im Zuge des vom han-
noverschen König Georg V. finanziell unterstütz-

ten Wiederaufbaus nach dem letzten großen
Brand 1863, mit denen man das Übergreifen
des Feuers im Notfall zu minimieren hoffte.
Weitere Erweiterungen folgten 1928 mit der
Eingemeindung der Streusiedlungen Abbeile,
Benrode, Dahrenhorst und Wackerwinkel. Seit
1972 gehörte das vormals dem Kreis Burgdorf
(bis 1885 Amt Meinersen) zugeordnete Uetze
zum Landkreis Hannover und bildete seit 1974
das Zentrum einer neu geschaffenen, acht
Dörfer umfassenden Samtgemeinde.

Das ehemalige Gut derer von Lüneburg (sog.
Junkernhof)
Eine alt gepflasterte Gasse erschließt den von
Restgartenflächen umzogenen Gutshof Pesta-
lozzistraße 22, den bis um 1800 ein quadrati-
sches, wohl wasserführendes Grabensystem
umzog. Von ihm blieb bis heute nichts mehr
erhalten, wohl aber das zweigeschossige
Herrenhaus, ein Dreiflügelbau in Fachwerkbau-
weise, das seit Jahrhunderten die Westseite
des Hofes einnimmt. Die um ein Rasenoval mit
Blumenrabatte geführte Vorfahrt unterstreicht
das repräsentative Ambiente, das die klare
Symmetrie des Gebäudes hervorhebt: Die stär-
ker an Eckrisalite erinnernden kurzen Flügel-

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