Krumm, Carolin [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,2): Region Hannover: nördlicher und östlicher Teil; mit den Städten Burgdorf, Garbsen, Langenhagen, Lehrte, Neustadt a. Rbge., Sehnde, Wunstorf und den Gemeinden Burgwedel, Isernhagen, Uetze und Wedemark — Hameln, 2005

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STADT SEHNDE

SEHNDE

Das im Jahr 1147 als „Senethe” erstgenannte
Haufendorf Sehnde entwickelte sich in der Nie-
derung des Billerbeek, eingebettet zwischen
den sanft bewegten Flächen des Kirchroder Hü-
gellandes im Nordwesten und dem Sehnder
Sattel der Gödringer Berge im Süden, dessen
reiches Salzvorkommen im 19,Jh. schließlich zur
wirtschaftlichen Erstarkung Sehndes beitrug.
Zusammen mit 13 weiteren Dörfern (1671;
1528: insges. 20 Orte) war Sehnde Teil der
Großen Grafschaft (1236: comitia major, seit
1671 auch das Große Freie genannt), eines seit
alters her mit besonderen Rechten ausgestatte-
ten Zusammenschlusses von Dörfern, der un-
geachtet wechselnder Landes- und Lehens-
herren eine eigenständige Rechtsprechung,
freie Jagd und freizügigen Handel für sich bean-
spruchte. So wechselte das bis etwa 1395 an
Hildesheim verpfändete und den Herren von
Rut(h)enberg als Lehnsherrn unterstellte
Sehnde zwar um 1406 in Welfener Besitz,
erhielt aber zugleich direkten Schutz von den
Welfen trotz weiterer Verpfändungen zugesi-
chert.
Aus der Gemeinschaft der Großen Freien ent-
wickelte sich wohl im 15. Jh. die Vogtei Ilten (vgl.
Kapitel Sehnde-Ilten), die bis 1859 als Amt Ilten
weiterhin bestand, bevor sie 1885 im Landkreis
Burgdorf aufging, der 1932 wiederum dem
Landkreis Hannover beigeschlagen wurde. Erst
das Jahr 1974 bedeutete die endgültige bzw.
verwaltungstechnische Auflösung der Freien,
als man u.a. Ahlten der Stadt Lehrte beischlug
oder die junge Gemeinde Sehnde begründete
und diese mit einem Teil der freien Dörfer als
Ortsteile ausstattete; seit 1997 ist Sehnde die
vierzehnte und jüngste Stadt im ehemaligen
Landkreis Hannover.
Bis Anfang des 19.Jh. war Sehnde - abgese-
hen von der Ausbeutung einiger Teerquellen -
rein landwirtschaftlich orientiert, erfreute sich
aber schon früh eines regen Zuzuges, wie die
Nennung von 28 Kötnern neben 11 „ackerlu-
den” und acht „halfspennern” 1564 deutlich zu
erkennen gibt.
Schon die Kurhannoversche Landesaufnahme
1781 stellt das überkommene, nordsüdlich
orientierte Straßensystem klar heraus, in dem
die Nordstraße, die Straße des Großen Freien
und die Breite Straße das Grundgerüst darstel-
len und die Kirche den südlichen Ortsrand mar-
kiert (54 Feuerstellen).
Fast unverändert präsentiert sich der Ortskern
gegen Ende des 19.Jh. (Königl. Preußische
Landesaufnahme 1896/98), obgleich Sehnde
schon 1846 eine Station an der westlich paral-
lel verlaufenden Bahntrasse erhielt und sich
wenige Jahrzehnte später eine Zuckerfabrik
(1875), zwei Ziegeleien und eine Schamotte-
fabrik niederließen. Einen weiteren Aufschwung
erbrachte schließlich die Gründung des Kali-
bergwerkes Friedrichshall (1896), dessen
Schacht I erst in den achtziger Jahren des

Sehnde, Kurhannoversche Landesaufnahme, aufgen. 1781, Ausschnitt (Landesvermessung mit Geobasisinfor-
mation Niedersachsen)


Sehnde, Königl. Preuss. Landes-Aufnahme 1898, Ausschnitt (Landesvermessung und Geobasisinformation Nie-
dersachsen)


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