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Krumm, Carolin [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,2): Region Hannover: nördlicher und östlicher Teil; mit den Städten Burgdorf, Garbsen, Langenhagen, Lehrte, Neustadt a. Rbge., Sehnde, Wunstorf und den Gemeinden Burgwedel, Isernhagen, Uetze und Wedemark — Hameln, 2005

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https://doi.org/10.11588/diglit.44258#0317
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AMBOSTEL


Die südöstlich vom historischen Sievershausen
und heute mit diesem zusammengewachsene
Ansiedlung Ambostel umfasst nur wenige
Straßenabschnitte. Sie konzentriert sich vor-
nehmlich auf den Verlauf der Katt’schen Straße,
wo sich bis zur Verlegung und Verbreiterung der
Landstraße L 412 im Jahr 1965/66 auch der
örtliche Feuerlöschteich mit dem Feuerlösch-
brunnen befand.
Schon von Ferne kündigt sich die noch weitge-
hend ländliche Siedlung durch einen frei am
Rande einer Bachniederung stehenden Spei-
cherbau des späten 18.Jh. an - einen von
wenigen unter Denkmalschutz gestellten
Speichern im Lehrter Gebiet (Worthstr.).

Post- und Ausspannstation
Beeindruckendste Hofstelle ist heute der mas-

Sievershausen/Ambostel, Katt'sche Straße 8, Hofanlage, „1879"

Sievershausen/Ambostel, Katt'sche Straße 8, Wohnwirtschaftsgebäude



siv umhegte einstige Vollhof Nr. 2, im 18. und
19.Jh. Post- und Ausspannstation an der
Heerstraße nach Peine (Katt’sche Str. 8) und
damit eine der noch heute erhaltenen Aus-
spannstationen im nördlichen Teil der Region
Hannover (vgl. u.a. Burgdorf-Schillerslage,
Amboßweg 10; Langenhagen-Engelbostel,
Resser Straße 1; Wedemark-Meitze, Dorfstraße
12/12a).
Die Hofstelle eröffnet ein ausgesprochen deko-
ratives Bauwerk, das nicht nur durch die
Kombination von Ziegelbauweise und Zierfach-
werk besticht („1879”). Nach Aussage des
Eigentümers fügte um 1920 der damalige
Besitzer das großzügig dimensionierte, von höl-
zernen Stützen abgetragene Querhaus an, des-
sen Zierfachwerk, durch Fußwinkelhölzer und
Medaillons (Sonnen) bereichert, die traufseitige
Gebäudeansicht dominiert. Aus der Zeit der
Poststraße berichtet hingegen neben dem
Backhaus (um 1800) und den alten Stallungen
ein lang gestreckter Gebäudetrakt, an dessen
Nutzung zwei beschriftete Holztafeln keinen
Zweifel aufkommen lassen: „Las Schöpfer mei-
ne Tonnen seyn, Reich an Bier und Brandte-
wein [...] Kommet ihr Lahmen kommt ihr Blin-
den, wenn ihr wollt ein Labsal finden. Kommt
Ihr Starken, kommt Ihr Matten, zu mir Heinrich
von der [Bjatten”. Nach der Bauinschrift im
Sturzholz des Dielentores soll das einstige
Haupthaus der Station im Jahr 1765 errichtet
worden sein. Den historischen Baubestand der
beeindruckenden Hofstelle erweitern überdies
ein Stall der Zeit um 1800 mit paralleler
Doppellängsdurchfahrtsscheune (mit Stallun-
gen, 19.Jh.), eine Remise des 19.Jh. und ein
Sandsteinbrunnen wohl des späten 17./18.Jh.
Als ältester Bau im Ort ist jedoch das unmittel-
bar gegenüberliegende Vierständerhallenhaus
Nr. 7 („1730”; mit massiver Stallerweiterung des
19.Jh.) anzuführen, dessen Wirtschaftsgiebel
die für diese Region typische gleichmäßige
Gefacheinteilung zeigt. Knaggen, Schiffskehlen
und als Rundstab gearbeitete Füllhölzer weisen
auf das hohe Baualter hin wie auch der schma-
le, in Ständerbauweise ausgeführte Wohnteil,
dessen Geschossunterteilung in altertümlicher

Sievershausen/Ambostel, Röhrser Weg 1, Wohnwirtschaftsgebäude, „1819"

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