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Krumm, Carolin [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,2): Region Hannover: nördlicher und östlicher Teil; mit den Städten Burgdorf, Garbsen, Langenhagen, Lehrte, Neustadt a. Rbge., Sehnde, Wunstorf und den Gemeinden Burgwedel, Isernhagen, Uetze und Wedemark — Hameln, 2005

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.44258#0339
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Bremen, deren Planungen bis in das Jahr 1842
zurückreichen, wurde das sich gegen Westen
entlang der Landwehr bzw. des Hüttendamms
entwickelnde Neustadt in zwei ungleich große
Teile zerschnitten. Zwischen ihnen entstand

Neustadt a. Rbge., Wunstorfer Straße 3, Villa des Justizrates Rohlfing, vor 1902, Architekt K. Chr. Börgemann


1847 die erste Neustädter Bahnhofsstation, die
die Allgemeine Bauzeitung 1851 noch als „inte-
rimistisch” und „aus früheren Bauhütten herge-
richtet” beschrieb. Das damals als namentlich
noch nicht ausgeführt benannte heutige
Empfangsgebäude (Am Bahnhof) wurde wohl
erst einige Jahre später realisiert (um 1860): Der
rot getünchte Backsteinbau gliedert sich in
einen mittleren zweigeschossigen Hauptteil
unter Walmdach und die beidseitigen flacheren
(1 1/2-geschossigen) Anbauten, die mit ihren
flach geneigten Satteldächern an den höheren
Mitteltrakt rückbinden. Während dieser Mittel-
bau für den Fahrkartenverkauf und die Warte-
halle vorbehalten war, beherbergten die seit-
lichen Anbauten die Verwaltung und die
Bahnhofswirtschaft. Durch die flach dreieckig
abschließenden, lisenengefassten Risalite der
Wirtschaft und des Hauptbaus erhält das
Gebäude eine Höhenstaffelung, die das umlau-
fende, weiß gefasste Zierziegelband zusätzlich
betont. Sie überspielen die klare, von Kuben
geprägte Baugestalt und letztlich auch den
dem Kernbau zugrundeliegenden „Hanno-
verschen Rundbogenstil” (s. zwei- und dreifach
gekuppelte Fenster).
Der um 1907 erweiterte Bau war ursprünglich
von einer im landschaftlichen Stil gestalteten
Parkanlage umgeben; heute vermittelt ein
Autoparkplatz zu der im 19.Jh. gegen Westen
verlängerten und bebauten Marktstraße.


Der Bahnhof markierte mitsamt der Eisen-
bahntrasse für lange Zeit den Westabschluss
des östlichen Stadtgebietes, das im Verlaufe
des 19.Jh. einen enormen Flächenzuwachs
erlebte und sich sowohl als alleengestalteter
Villenvorort als auch als gehobener Industrie-
standort einiger Beliebtheit erfreute; so galt
auch die nahebei verlaufende Wunstorfer
Straße als eine der „vornehmsten Straßen in
Neustadt, wo die besseren Häuser liegen”
(Schreiben an das Generalvikariat 1900),
obwohl auch sie einige Produktionsstätten
säumten.
Eine dieser Niederlassungen war die H.
Schlüter KG, die - 1865 in der Wallstraße 4
gegründet - ihren Betrieb 1884 im Haus Nr. 14
und somit in unmittelbarer Nachbarschaft des
Bahnhofs aufnahm. Die durch ein Nebengleis
direkt mit der Haupttrasse verbundene Ma-
schinenfabrik wurde bereits 1898 um eine
Gießerei und 1907 um eine zweite Monta-
gehalle vergrößert. Dennoch blieben von der
auf die Fabrikation von Loch-, Stanzmaschinen
und Metallscheren spezialisierten Produktions-
stätte nach einem Brand 1914 und ihrer
Demontage 1947 lediglich die zwei Ziegel-
bauten der einstigen Maschinenhallen erhalten.
Der vordere, häufig auch als Verwaltungs-
gebäude angesprochene Trakt ist nach seiner
historistischen, durch Blendgliederungen sowie
Eck- und Firststaffeln rhythmisierten Giebelfas-
sade in Ziegelbauweise wohl noch dem Er-
öffnungsjahr 1884 zuzuordnen, während der

Neustadt a. Rbge., Wunstorfer Straße 17, Schule, Vikarswohnung, Kapelle, Entwurf: Baurat Herzig

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