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Krumm, Carolin [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,2): Region Hannover: nördlicher und östlicher Teil; mit den Städten Burgdorf, Garbsen, Langenhagen, Lehrte, Neustadt a. Rbge., Sehnde, Wunstorf und den Gemeinden Burgwedel, Isernhagen, Uetze und Wedemark — Hameln, 2005

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https://doi.org/10.11588/diglit.44258#0462
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natsfamilie von Lüneburg, wie die Wappentafel
des Jahres 1740 über der schweren, alt be-
schlagenen Holztür belegt.
Der Kirchhof, der als einstiger Bestattungsplatz
des Ortes noch eine beschriftete Grabplatte
des frühen 18.Jh. vorweisen kann, vermittelt zu
den zwei benachbarten Ziegelbauten Nr. 7 und
Nr. 8, wobei letzterer zur kleinen Gruppe der
vom hannoverschen Konsistorialbaumeister C.
W. Hase entworfenen Pfarr- und Küsterhäuser
des Kreisgebietes gehört; allerdings präsentiert
sich das durch stichbogige Blendgliederungen,
grün glasierte Zierziegelbänder und Sohlbänke
in seiner Massigkeit betonte Küsterhaus (wohl
1866) als ein durchaus konventioneller unauffäl-
liger Ziegelbau mit Quereinfahrt, bei dem nur
der rückseitige, kapellenartige Raumtrakt auf
die Funktion verweist; den Gepflogenheiten
gemäß, wurde hier später auch die Schule des
Ortes abgehalten.
Filigranere Blendgliederungen und Würfelfriese
charakterisieren den wohl ebenfalls von C. W.
Hase konzipierten zweigeschossigen Ziegelbau
Nr. 7, der offensichtlich zeitgleich zum Kirchen-
neubau entstand (um 1866). Ein deutlicher
Risalitvorsprung an der kirchenabgewandten
Hofseite unterstreicht hier zusammen mit dem
durch schlanke Strebepfeiler gesicherten kapel-
lenartigen Anbau die Bedeutung des Gebäu-
des, das als Pfarrhaus entstand und bis heute
als solches mit angegliedertem Gemeindesaal
genutzt wird. Beide Bauten verbinden die für
kirchliche Nebenbauten beliebten lanzettförmi-
gen Fenster und Blendformen.
Zwischen dem Kirchviertel im Südwesten und
dem alten Junkernhofareal im Nordosten Uet-
zes vermittelt die modern überprägte Kaiser-
straße, in ihrer geraden und breiten Führung
ebenso als Anlage des Wiederaufbaus ablesbar
wie an ihrer vereinzelt erhaltenen, historischen
Randbebauung. So zeugt die in den Sturzbal-
ken des Vorschauertores des Vierständerhal-
lenhauses Nr. 30 (Pforte „1885”) eingearbeitete
Jahreszahl „1863” hiervon wie auch das reprä-
sentative Wohnhaus Nr. 22, das in seiner
Kubatur, der Zweigeschossigkeit und der
Walmdachform an barocke Vorbilder erinnert.
Die unverputzte Fachwerkkonstruktion lässt
das Gebäude allerdings deutlich als bürgerli-
ches Wohnhaus der Mitte des 19.Jh. erkennen.

Das Mühlenviertel an der Fuhse
Mit dem Wandel der Kaiserstraße zur Haupt-
verkehrs- und Geschäftsstraße wurde der his-
torische, platzartige Dorfmittelpunkt An der
Waage deutlich ins Abseits gerückt. Daher
konnte sich hier wie auch in den östlich angren-
zenden Gassen der Mühlen-, Fuhse- und
Schünebuschstraße der dörfliche, von zahlrei-
chen Fachwerkbauten und alten Straßenpflas-
terungen getragene Charakter in Abschnitten
ungestört erhalten. Seit Jahrhunderten wird das
Quartier von der spätestens seit dem 16.Jh. an
gleicher Stelle bezeugten und 1863 neu errich-
teten Amme-Mühle (Mahl- und Sägemühle)
dominiert, die der zur Fuhse parallel verlaufen-
den Straße den Namen An der Stauwiese ein-
brachte und ihrerseits den Namen ihrer Besitzer

Uetze, Kaiserstraße 22, Wohnhaus, Mitte 19.Jh.


Uetze, An der Stauwiese 1, Villa, 1909


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