Rüttgerodt-Riechmann, Ilse [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 5,1): Landkreis Göttingen: Stadt Göttingen — Braunschweig, 1982

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GÖTTINGEN-ELLIEHAUSEN

Elliehausen liegt in einer Höhe von ca. 180 m
unmittelbar am Fuß des steil zu einer Höhe
von 300 m ansteigenden, z. T. bewaldeten
Berghanges, der hier den westlichen Rand
des Leinegrabens bildet. Im Osten schließt
sich die nahezu ebene Talaue an. Daher fällt
das Gelände im östlichen Teil des Ortes nur
in geringem Maße ab, während sich im West-
teil um die Diedershäuser- und Esebecker
Straße die Steigung stärker auswirkt. Nörd-
lich der Kirche entspringt eine Quelle, die
ehemals einen Teich (Löschteich, ver-
schwunden) speiste; der Bach fließt - offen-
bar reguliert - nach Osten ab. Ebenfalls
reguliert ist der „Burggraben”, der südlich
des Ortes nach Osten vorbeifließt. Das Dorf
liegt etwa 5 km nordwestlich der Göttinger
Innenstadt. Mit den Nachbarorten bestan-
den Ende des 18. Jh. direkte feldwegähn-
liche Verbindungen, dagegen konnte Göttin-
gen nurüberdieStraße nach Holtensen oder
Grone erreicht werden. Nach der Verkopp-
lung gab man um 1884 einen Teil der Feld-
wege und die alte Verbindung nach Hetjers-
hausen auf, verbesserte die übrigen Stra¬

ßen, z. B. die Verbindung nach Knutbühren
(Diedershäuser Straße); seitdem überwin-
det anstelle des noch vorhandenen alten
Hohlwegs eine neuangelegte Serpentine
die Steigung nach Esebeck. 1938 entstan-
den direkt östlich des Dorfes die Autobahn
und in Verlängerung der Straße Am Eikborn
(ehemals hier lediglich ein Feldweg) das
Straßenstück mit Autobahnüberführung
nach der Kreisstraße Göttingen-Holtensen
und damit die heutige Hauptverbindung
nach der Innenstadt.
In der Gemarkung finden sich zwei alte
Wüstungen: In der Serpentine lag das 1070
erwähnte, vor 1410 aufgegebene Diede-
richshusen, an das die DiedershäuserStraße
erinnert, und jenseits der Autobahn Del-
brechteshusen, das bereits 1309 zwischen
den Dörfern Borchgrona, Grone und Ellie-
hausen aufgeteilt wurde.
Elliehausen - möglicherweise zwischen
dem 11. und dem 13. Jh. entstanden - fand
als „Ellingehusen" 1309 seine erste überlie-
ferte Erwähnung in der Güterliste des Klo-
sters Reinhausen. Den Besitzan Elliehausen
teilten sich im Laufe der Jahrhunderte ver-

Elliehausen, Orthwiesen 3, 6, 4, 2


Elliehausen, Am Eikborn 18,1. Hälfte 19. Jh.


Elliehausen, Am Eikborn 16, 1. Hälfte 19. Jh.


Elliehausen, Am Eikborn (19), 21, 25


Elliehausen, Am Eikborn 4, ca. 1800


schiedene geistliche und weltliche Herren,
u. a. gehörten dazu die Stadt Göttingen und
mehrere Göttinger Patrizier. Von 1427 bis ca.
1480 z. B. gelangte Elliehausen samt Gericht
und Dienst als Pfand der Herzogin Agnes an
den Göttinger Ratsherrn Hans Swaneflogel
(zur politischen und kirchengeschichtlichen
Entwicklung s. o., Geschichtlicher Über-
blick).
Der haufendorfähnliche ältere Siedlungs-
kern mit unregelmäßiger historischer Parzel-
lierung umfaßt das Areal im Osten begrenzt
von Am Eikborn 22, im Westen von Unterm
Hoppenberge 3/Esebecker Straße 5, im Nor-
den von Am Eikborn 42/Orthwiesen 10, im
Süden von Diedershäuser Straße 9b/
Gesundbrunnen 11. Hier stehen an der
Gabelung Am Eikborn/Orthwiesen/Am
Teiche die Kirche, der Pfarrhof und die
Schule. Die Wege in diesem Bereich haben
sich bis auf Am Teiche, der ursprünglich
keine Sackgasse war, erhalten. Dieser Kern
deckt sich vermutlich mit der Ausdehnung
von 1655, als im Dorf 38 Hofstellen bestan-
den. Bis zum Ende des 18. Jh. verdoppelte
sich die Anzahl der Höfe (75). Das geschah
nicht nur durch Teilung, sondern man rich-
tete neue Hofstellen entlang Am Eikborn
(2-20, 1-15), Elliehäuser Anger (1-8), In
der Klappe (1, 3, 2-6), Gesundbrunnen (13,
15,1 -8) und DiedershäuserStraße (10-26,
11 -31) ein, deren Grundstücksstruktur sich
durch gleichmäßig langgestreckte, schmale
Parzellen mit weitgehend paralleler Grenz-
führung unterscheidet.
Erst um die Jahrhundertwende entstanden
südlich des Dorfes am Wellweg wenige neue
Wohnhäuser, aber trotz der erheblichen
Bevölkerungszunahme (622 auf 1024)
erschloß man bis 1945 keine neuen Wohnge-
biete. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg
erfolgte im Süden und an derStraße Unterm
Hoppenberge die Anlage großer Neubauge-
biete mit Einfamilienhäusern und teilweise
Geschoßbauten. Heute ist der Ort ein Wohn-
dorf mit einigen bäuerlichen Betrieben.
Die Bebauung im alten Dorf besteht vorwie-
gend aus Gehöften, deren Wohngebäude,
die hauptsächlich aus dem 19. Jh. stammen,
im Ostteil (Am Eikborn und am Elliehäuser
Anger) traufständig zur Straße liegen, wäh-
rend im Gegensatz dazu vermehrt Giebel-
ständigkeit im alten Kern (z. B. Orthwiesen
1-8) auftritt. Die Wirtschaftsgebäude sind
meist jüngeren Datums, es finden sich auch
Neubauten.
Die traditionelle Hausform sind zweistök-
kige Fachwerkbauten unter Satteldach;
häufig findet sich streckhofähnlich der Wirt-
schaftsteil angegliedert bzw. integriert.
Das vermutlich älteste erhaltene Wohnhaus
(Am Eikborn 45, um 1750) ist ein kleines gie-
belständiges Fachwerkhaus mit vorkragen-
dem Oberstock über abgerundeten Balken-
köpfen und ebensolchen Füllhölzern. Der
Anbau unterPultdach an derStraße kam erst
kurz vor 1900 hinzu.
Ein ebenfalls noch aus dem 18. Jh. stammen-
des Wohnhaus (Unterm Hoppenberge 3,
1795, mit einer Erweiterung aus dem späten
19. Jh.) bildet mit der davorstehenden „Thie-

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