Rüttgerodt-Riechmann, Ilse [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 5,1): Landkreis Göttingen: Stadt Göttingen — Braunschweig, 1982

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genden Straßenseite einleitend die Hof-
stelle Nr. 2 (aus dem ersten Drittel des 19. Jh.,
Nebengebäude aus der 1. Hälfte des 20. Jh.)
gehört. Sie prägen und bewahren den spezi-
fischen Charakter des Straßendorfs, so daß
man die im Laufe der letzten Jahrzehnte
erfolgten Veränderungen verschmerzen
mag. Interessieren sollte außerdem das
kleine Backhaus in Fachwerkmit Lehmstein-
ausfachung auf der Rückseite des hakenför-
migen Hofes Nr. 19.
Das gegenüberliegende Gehöft Nr. 14 mit
traufständig zur Lindenallee liegendem
Wohnhaus aus der 1. Hälfte des 19. Jh. und
Nebengebäuden aus der 1. Hälfte des 20. Jh.
leitet zur Klostergasse über, auf die es aus-
gerichtet ist. Hier stehen auf der Nordseite
das ehemalige Schäferhaus (Nr. 1) aus dem
1. Drittel des 19. Jh. und die ehemalige
Schule (Nr. 3), ein gut erhaltener zweistöcki-
ger Fachwerkbau unter Satteldach, 1784
errichtet.
Die Klostergasse führt nördlich um den
erhöhten, durch Natursteinfuttermauer
abgefangenen alten Friedhof mit der kleinen
Kapelle. Diese, angeblich ein Neubau von

1828, schließt sich als einfacher Saal unter
Walmdach östlich an den gleichbreiten Turm
auf quadratischem Grundriß, der von dem
Vorgängerbau aus dem 14. Jh. (?) stammt. An
diesem qualitätvollen, aus Bruchstein-
mauerwerk errichteten dörflichen Sakralbau
erstaunt die verhältnismäßig frühe Über-
nahme gotisierender Fenster, die offenbar
derspitzbogigen originalen Türform im Turm
nachempfunden sind.
GÖTTINGEN-NIKOLAUSBERG

Seinen Namen erhielt derOrt von der Kirche
Nicolas in monte, die zu dem 1120 von Mainz
aus gegründeten Augustinerinnenkloster
gehörte. Da dieses bereits 1180-84 ins Tal
nach Weende verlegt wurde, nutzte man die
Anlage als Vorwerk (Grundstück Augustiner-
straße 17, 19); die Kirche, die Reliquien des
Hl. Nikolaus barg, behielt ihre Bedeutung als
Wallfahrtskirche selbst noch nach derRefor-
mation bis ins 17. Jh.
Obwohl der Platz in einer Höhe von etwa
290 m ü. NN ohne ausreichende Wasserver-
sorgung (am Hang sprudelten vier kleinere

Quellen, später bohrte man drei tiefe Brun-
nen) und mit magerem, steinigem Boden
eher siedlungsfeindlich war, gab es bereits
zur Zeit des Klosterbaus mindestens zwei
kleine Reihensiedlungen im heutigen Kern
(Wertereshusen zwischen Kalklage und Auf
dem Steinacker; Ulrideshusen südlich der
Ulrideshuser Straße), die später in dem ent-
stehenden Haufendorf aufgingen.
Das Zentrum dieses Dorfes bildete die auf
dem Berg liegende Kirche mit Kirchhof und
Thie, zu der von Südwesten die Hauptstraße
(Ulrideshuser Straße/Augustinerstraße) in
einer weiten Kehre hinaufführte. Zusätzlich
gab es einige z. T. besiedelte kurze Wege in
die Feldmark und abkürzende, steile Fuß-
steige. Dieses historische Wegenetz ist trotz
Veränderungen noch erkennbar.
Die vermutlich relativ armen Bewohner
waren vor allem dem Kloster abgabepflich-
tig. Vor der Reformation profitierten sie mög-
licherweise von den Pilgern. Ab dem 18. Jh.
verdingten sie sich z. T. als Arbeiter im etwa
4 km entfernten Göttingen, dessen Markt sie
vorallem ab dem frühen 19. Jh. mit Obstund
Milch belieferten. Der Verkehr nach der

Knutbühren, Lindenallee 3, 2. Richtung Norden


Knutbühren, Lindenallee 19, 2. Viertel 19. Jh.



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