Rüttgerodt-Riechmann, Ilse [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 5,1): Landkreis Göttingen: Stadt Göttingen — Braunschweig, 1982

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linde” und dem ehemaligen Versammlungs-
platz (?) eine typisch dörfliche Gruppe, die
den Ausgang des Ortes und den Westteil Am
Eikborn prägt.
Als geistlicher und dominierender Mittel-
punkt steht die Martinskirche im Zentrum
des Dorfes. Der heutige um 1760 entstan-
dene Bau ist ein spätbarocker Saal aus
Bruchsteinmauerwerk mit sparsamer Sand-
steingliederung unter Walmdach mit kräfti-
gem, profiliertem Traufgesims, laut Inschrift
1829/30 renoviert (Beteiligung von Linne,
vgl. Göttingen Innenstadt, Kurze Straße 13).
Der gedrungene Turm auf quadratischem
Grundriß vor der Westseite, im unteren Teil
wohl vor 1500 entstanden, erhielt beim Bau
der Kirche den schieferverkleideten Aufsatz
(Fachwerk?) mit Glockenhaube und polygo-
nalem Uhrturm.
Nördlich, an der Straße Orthwiesen, schlie-
ßen sich die ehemalige Gemeindeschule
(Nr. 1) von etwa 1890 (heute Gemeindehaus)
und der aus dem 1. Drittel des 19. Jh. stam-
mende Pfarrhof (Nr. 3) mit einer etwas jünge-
ren Scheune an. Diese fürdie Ortsgeschich-
te bedeutsamen Gebäude gehören zu einer
geschlossenen Gruppe von dörflichen Bau-
ten im historischen Kern, die ihre Parzellen-
struktur und z. T. auch die alte Nutzung der
Freiflächen (Gärten) behalten haben: Nr. 2
von ca. 1850, angeblich das alte Lehrerhaus,
das kleine Gehöft Nr. 4 von etwa 1800, der
Hof Nr. 10 aus dem 2. Viertel des 19 Jh. und
als ältestes das ehemalige Gehöft Nr. 8 mit
Teilen aus dem 18. Jh. Die Gebäude haben
unter modernem Behang vermutlich ihr
altes Fachwerkgerüst fast ungestört erhal-
ten.
Nicht minder eindrucksvoll ist die Straße Am
Eikborn, die von den z. T. großen Hofanlagen
geprägt wird: auf der Nordseite Nr. 16 und 18
aus den Jahren zwischen 1800 und 1850 (z.T.
spätere Erweiterung) und gegenüberlie-
gend von Nr. 15 aus der 1. Hälfte des 19. Jh.
(mit einem Wirtschaftsteil aus den Jahren
zwischen 1870 und 1884), Nr. 19 ebenfalls
aus der 1. Hälfte des 19. Jh. und Nr. 21 aus
dem 3. Viertel des 19. Jh. Den Abschluß die-
ser Reihe bildet Nr. 25 von ca. 1850.
Der Anger, heute öffentliche, von Linden
umstandene Grünfläche, war 1938 noch
Dreschplatz. Der dörfliche, intime Charakter
dieses Bereiches resultiert auch aus der
angrenzenden, geschlossenen Bebauung,
von der auf der Nordseite das Gehöft Am
Eikborn 4 von ca. 1800 und auf der Südseite
Elliehäuser Anger 2 mit einem Wohnhaus
aus dem späten 18. Jh. und jüngeren Wirt-
schaftsgebäuden und die Reihe von bäuerli-
chen Bauten Nr. 6, 7, 8 aus dem frühen bzw.
späten (Nr. 8) 19. Jh. mit davorliegenden
Gärten am besten erhalten ist. Als wichtiger
Ort für die historische bäuerliche Gemein-
schaft kommt dem Anger eine dem Raum
um die Kirche und um die Thielinde ver-
gleichbare Bedeutung zu.
Südwestlich des Angerbereichs steht eine
weitere, z. Zt. verkleidete streckhofähnliche
Anlage von ca. 1800 mit einem Wirtschafts-
teil von ca. 1890, die heute ein Gasthaus

beherbergt (In der Klappe 3). Wegen der
städtebaulichen Situation am südlichen Ein-
gang und als „Einstimmung” in den histori-
schen Dorfbereich, der sich in Elliehausen
vergleichsweise gut bewahrt hat, erscheint
auch dieses Gebäude unverzichtbar.

GÖTTINGEN-ESEBECK

Esebeck, der ca. 6,5 km von der Innenstadt
entfernte nordwestlichste Ortsteil Göttin-
gens, liegt mit etwa 260 m ü. NN bereits im
westlichen Leinebergland am Westhang
eines in nördlicher Richtung stetig abfallen-
den Tales, in dem der Dorfbach östlich am
Dorfkern vorbeifließt. Von diesem Bach zieht
sich das Dorf mit beträchtlicherSteigung bis
zur Haupt- und Durchgangsstraße Über der
Esebeeke hinauf, die von Elliehausen kom-
mend weiter nach Südwesten (Barterode)
bzw. Norden (Emmenhausen) führt. Diese
Straßenverbindungen waren wohl auch ur-
sprünglich die wichtigsten für den Ort.
Die Güterliste des Klosters Reinhausen von
1323 erwähnte zum ersten Mal „Esbike”, das
vermutlich bereits im 11. -13. Jh. gegründete

Elliehausen, Elliehäuser Anger 8, 7


Elliehausen, In der Klappe 3, ca. 1800


Esebeck, in dem im Laufe der Geschichte
neben anderen Herren vor allem auch Göt-
tinger Patrizier im 15./16. Jh. Besitz hatten
(zur politischen und kirchlichen Zugehörig-
keit vgl. Geschichtlicher Überblick).
Über die Ortsgeschichte ist bisher wenig
bekannt, allerdings weiß man, daß der Ort im
Siebenjährigen Krieg besonderen Belastun-
gen ausgesetzt war.
Der alte Siedlungskern, der 1655 aus 26 Hof-
stellen (einige wüst) bestand, hat die Form
eines unregelmäßigen Haufendorfs mit der
alten Wegführung und der historischen Par-
zellenstruktur weitgehend bewahrt. Im
Westen und Osten umfaßt er die Höfe Über
der Esebeeke 5-23 und Am Stratenborn
2-16, im Norden schließt er An der Insel 1
und 2 ein. Möglicherweise lag der Thie im
Zwickel zwischen den Straßen Hummestal
und Über der Esebeeke, an ihn mag sich im
Norden der Anger angeschlossen haben.
Eine Mühle fand sich eventuell am Bach im
Bereich der heute mit Neubauten bestellten
Grundstücke Flachsrotten 24-28. Die
Kirche im ehemaligen Kirchhof steht auf hal-
ber Hanghöhe ziemlich zentral im alten Kern.

Elliehausen, Elliehäuser Anger 6, frühes 19. Jh.



Esebeck, Pankratiuskirche, ca. 1760

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