Rüttgerodt-Riechmann, Ilse [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 5,1): Landkreis Göttingen: Stadt Göttingen — Braunschweig, 1982

Page: 117
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Die bäuerlichen Gebäude im Dorfkern stam-
men in der Regel aus dem 19. Jh. und haben
häufig eine streckhofähnliche Konstruktion
aus Fachwerk mit zweistöckigem Wohnhaus
und Satteldach, das halb abgewalmt sein
kann. Ihre Ausrichtung zur Straße wechselt.
Viele Bauten weisen wegen der Auflösung
der landwirtschaftlichen Betriebe, der
Modernisierungen und ihrer reduzierten
Nutzung für Wohnzwecke weitgehende Ver-
änderungen auf. Diese stören zusammen
mit den neuen Wohnhäusern den nur noch
an wenigen Stellen erlebbaren Charakter
des alten Bauerndorfs.
Am Eingang derStraße Im alten Dorf hatsich
eine Gruppe von unterschiedlichen Gebäu-
den erhalten (Lenglerner Straße 41, Wohn-
haus mit Stallteil, erbaut im 3. Viertel des
19. Jh.; Im alten Dorf 2, Hofanlage aus dem
späteren 19. Jh.; Im alten Dorf 4, Gemeinde-
haus, ehemalsSchule, erbautzwischen1850
und 1870 auf dem Grundstück des aufgege-
benen Hirtenhauses; Im alten Dorf 6, Kirche;
Im alten Dorf 8, ehemaliges Küster-
und Schulhaus aus dem 18. Jh.). An dieser
Gruppe manifestiert sich einerseits die Ver-
gangenheit Holtensens als Bauerndorf, zum
anderen sichert sie der kleinen Margare-
thenkirche eine angemessene dörfliche
Umgebung.
Die Kirche, Filiale zu Lenglern, entstand 1749
unter Einbeziehung der stabilen Reste der
Vorgänger-Kapelle als östlich an den mit-
telalterlichen Turm angebauter einfacher
Saal unter Walmdach. An dem durch beson-
dere Einfassung (vgl. zur Form die Kirche in
Roringen) hervorgehobenen Portal findet
sich eine Inschrift und die Datierung. Das
Innere ziert der 1729 vom Bildhauer Meder in
Göttingen geschaffene Barockaltar mit Chri-
stus zwischen den Vier Aposteln, der 1851 als
Geschenk nach Holtensen kam, allerdings
wegen des schmalen Aufstellungsortes
seine Flügel einbüßte.
An der dicht bebauten Gasse finden wir eine
weitere Gruppe bäuerlicher Bauten vor (Nr.
7, Wohnhaus, Nr. 9, Wohnhaus mit Anbau,
beide aus der 1. Hälfte des 19. Jh.; Nr. 2,
Wohnhaus mit Stallteil, Mitte des 19. Jh. ent-
standen; Nr. 4, Hofanlage mit einem Wohn-
haus an der Straße vom Beginn des 19. Jh.,
einem weiteren Wohnhaus um 1860 und
mehreren gleichaltrigen und jüngeren
Nebengebäuden; Nr. 6, Wohnhaus mit
Nebengebäuden und Nr. 8, Wohnhaus mit
Anbau, beide aus dem 1. Viertel des 19. Jh.).
Sie dokumentiert die z. T. drangvolle Enge
auf den kleinen Hofparzellen, die vermutlich
Nebenerwerbstellen von Leinewebern
waren.

Die dritte Gruppe von Höfen am Ausgang
der Straße Im alten Dorf läßt dagegen eine
gewisse Wohlhabenheit der Bauern ver-
muten (Nr. 29, ehern. Streckhof vom 1. Vier-
tel des 19. Jh., z. Zt. im Umbau; Nr. 31, Hofan-
lage mit einem Streckhof mit Nebengebäu-
den und Nr. 33, Wohnhaus, beide aus den
Jahren zwischen 1850 und 1870).

GÖTTINGEN-KNUTBÜHREN

Das in der Güterliste des Klosters Reinhau-
sen 1340 erwähnte „Buren” liegt abgeschie-
den bereits im westlichen Leinebergland in
einer von Süden zur Ossenfelder Straße
abfallenden Mulde auf der Höhe von 300 m
ü. NN. Es ist neben Deppoldshausen der
kleinste und gleichzeitig der westlichste
Ortsteil von Göttingen, von der Innenstadt
ca. 7,7 km Luftlinie entfernt.
Der Ortsgrundriß, der sich erstaunlicher-
weise wie die Anzahl der Einwohner seit
dem 18. Jh. kaum verändert hat, umfaßt die
sich in Süd-Nord-Richtung hinabziehende
Hauptstraße - Lindenallee -, eine kurze
Querstraße nach Westen mit Hofstellen auf
der Nordseite - Ossenfelder Straße -, den
ehemaligen Thieplatz am nördlichen Dorf-
ausgang und den zurückliegenden, erhöh-
ten Bezirk mit Friedhof und Kapelle östlich
der Hauptstraße, den man über eine Sack-
gasse - Klostergasse - erreicht. Die Grund-
stücke mit ihrer traut- und giebelständig aus-
gerichteten Bebauung verlaufen ziemlich
gleichmäßig als lange Streifen orthogonal

Holtensen, Gasse 2, spätes 19. Jh.


Holtensen, Gasse 6, 4


Holtensen, Im Alten Dorfe 31, 1850/70


zur Straße. Hier scheint sich die ursprüng-
liche Parzellenstruktur eines planmäßig in
der Rodungsperiode angelegten Reihendor-
fes - ähnlich dem benachbarten Ossenfeld
(Lkr. Göttingen) - mit wenigen Veränderun-
gen über Jahrhunderte konserviert zu
haben. Die Wasserversorgung garantierten
ursprünglich zahlreiche kleinere Quellen.
Die heutige Bausubstanz setzt sich aus
bäuerlichen Wohn- und Wirtschaftsgebäu-
den aus dem 18. und 19. Jh. mit betriebsbe-
dingten Erweiterungen aus dem 20. Jh.
zusammen. Es herrschen Fachwerkkon-
struktion und Satteldach vor; die Wohnhäu-
ser sind meist zweistöckig. Da Knutbühren
bisher von der sonst in den Göttinger Dör-
fern grassierenden Umstrukturierung der
Bevölkerung und der damit einherlaufenden
Auflösung der bäuerlichen Betriebe offen-
bar weitgehend verschont blieb, hat der Ort
den ursprünglichen Charaktereines Bauern-
dorfes behalten. Dieser Eindruck verdichtet
sich in einer Reihe trauf-und giebelständiger
Bauten auf der Westseite der Lindenallee
(Nr. 3-19, die meisten aus dem 19. Jh., Nr. 15,
datiert 1762), zu der auf der gegenüberlie-

Holtensen, Lenglerner Straße 75, Ende 19. Jh.


Holtensen, Im Alten Dorfe 29, 1. Viertel 19. Jh.


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