Rüttgerodt-Riechmann, Ilse [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 5,1): Landkreis Göttingen: Stadt Göttingen — Braunschweig, 1982

Page: 120
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dtbrd_nds_bd5_1/0124
License: Creative Commons - Attribution - ShareAlike Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
blieb in der Vierung mit der besonderen
Form der Vierungspfeiler, den gestauchten
Gurtbögen und dem kuppeiigen Kreuzgrat-
gewölbe besser bewahrt. Der geometrische
Schmuck und die figürliche Bauplastik ver-
weisen auf die knapp 20 Jahre ältere Stifts-
kirche in Königslutter. Etwa um die Mitte des
14. Jh. (etwazeitgleich mit den gotischen Kir-
chen in Göttingen) erweiterte man den
romanischen Bau durch einen eingezoge-
nen gotischen 5/8-Chormit Rippengewölbe,
Strebepfeilern und zweibahnigen Maßwerk-
fenstern (Drei- und Vierpässe).
Vom Ende des 15. Jh. stammt das einfache
Kirchenschiff, eine dreischiffige Staffelhalle,
deren Kreuzrippengewölbe auf achtseitigen
Pfeilern ruhen und außen von Strebepfeilern
abgefangen werden. Das Maßwerk der
ebenfalls zweibahnigen Fenster besteht aus
Vierpässen, vor allem jedoch aus unter-
schiedlichen Fischblasenmotiven. Zeitlich
schlossen sich die Gestaltung des Turms
und der Anbau einer heute als Sakristei
genutzten, zweigeschossigen Kapelle an,
die bereits Formen des 16. Jh. zeigt.
Von der früher reichen Innenausstattung
verblieben in der Kirche, in der man auch

Reste spätgotischer und romanischer Aus-
malung entdeckte, der spätgotische
Hochaltar, ein Nikolaus aus dem frühen
14. Jh. und ein weiterer Seitenaltar aus der
Zeit um 1400.
Einschneidende Veränderungen verschon-
ten bisher die unmittelbare Umgebung - den
mit einer Bruchsteinmauer eingefriedigten
Kirchhof und den Thieplatz - dieser Kirche,
die (nicht nur) wegen ihrer romanischen
Reste zu den bedeutendsten und dank ihrer
Lage zu den eindrucksvollsten in Göttingen
gehört.
GÖTTINGEN-RORINGEN

Das Dorf liegt an einem relativ gleichmäßig
nach Westen abfallenden, sichelförmigen
Hang (innerdörfliches Gefälle von 325 auf
280 m ü. NN) zwischen Drakenberg (Süden)
und Menzelberg (Norden). Etwa in einer
Höhe von 300 m ü. NN entspringt der Opfer-
bach, der nach Westen ins Tal fließt.
1196 erstmals urkundlich erwähnt scheint
der Ort um einiges älter zu sein. Die ersten
Bewohner ließen sich vermutlich oberhalb
der Quelle auf der Westseite der Langen

Nikolausberg, Ulrideshuser Straße 34, ca. 1700


Nikolausberg, Kalklage 2, 1711


Nikolausberg, Kirche


Straße nieder, welche das Gefälle in einem
weiten Bogen überwindet. Bereits im 12./
13. Jh. vergrößerte sich die Siedlung jeweils
in nordwestlicher Richtung entlang Lange
Straße und Opferbach, an deren nördlicher
Gabelung die 1254 erwähnte Kirche erbaut
wurde. Die etwa 6 km südwestlich liegende
Stadt Göttingen kaufte 1380 das ursprüng-
lich welfische Dorf; so entstand der Jahrhun-
derte andauernde Stadtdorf-Status (vgl.
Göttingen-Herberhausen und Geschichtli-
cher Überblick). Die Landstraße von Göttin-
gen über Waake nach Herzberg (vgl. Die öst-
lichen Stadtgebiete), die südlich oberhalb
von Roringen vorbeiführt, stellte die Verbin-
dung her. An ihr ließen die Göttinger im Zuge
des Landwehrausbaus (vgl. Geschichtlicher
Überblick) 1408/09 die Berwinkels Warte
(Roringer Warte) errichten.
In den folgenden Jahrhunderten hat sich das
Dorf kaum noch ausgedehnt, ein paar Häus-
lingsstellen mögen im 18. und 19. Jh. dazu
gekommen sein. Die Bevölkerungszahl stieg
vom späten 18. zum mittleren 20. Jh. ledig-
lich um etwa 75 an; nach dem Zweiten Welt-
krieg nahm sie kurzfristig zu; doch erst mit
der Aufsiedlung von Flächen nördlich und


Roringen, Roringer Warte 1408/09


Roringen, Baumgarten 1,1. Hälfte 19. Jh.


120
loading ...