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Schloßplatz
Um 1500 wurde unter Herzog Erich I. die erst-
mals 1182-85 quellenmäßig belegte Burg am
Nordostrand der Stadt zu einer auf Repräsen-
tation ausgerichteten schloßartigen Residenz
umgestaltet, die 1560 durch einen verheeren-
den Brand in erheblichem Maße zerstört
wurde. Unter Einbeziehung der unzerstört ge-
bliebenen Bauteile setzte bereits 1562 unter
Erich II. der Wiederaufbau des Schlosses ein.
Im frühen 18. Jh. wurde, nachdem Soldaten
Tillys 1626 die Schloßanlage schwer verwüste-
ten, das Schloß zu einer stattlichen, vielgliedri-
gen Kaserne erweitert. Der „Generalplan des
Fürstlichen Schlosses” von 1738 zeigt eine
Dreiflügelanlage, die einen rechteckigen
„Schloßhof” umschließt. 1849 vernichtete ein
Großbrand den Südflügel und die an der heuti-
gen Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße parallel
zum Südflügel gelegenen Wirtschaftsgebäude
des „Vorwerks”.
Erhalten hat sich vor allem der fast 100 m lange,
parallel zum Dielengraben erbaute Hauptflügel
des Schlosses, der sog. Werraflügel, der den
großflächigen nach Osten ansteigenden
Schloßplatz beherrscht und prägt. Der langge-
streckte, kaum gegliederte, viergeschossige
Hauptflügel oberhalb der Werraniederung setzt
einen wichtigen städtebaulichen Akzent in der
nördlichen Stadtsilhouette.
Der rechteckige, heute im wesentlichen als
Parkraum genutzte Schloßplatz wird im Westen
von der geschlossenen kleinteiligen Zeilenbe-
bauung Vor der Burg begrenzt, die Sydekum-
und Burgstraße verbindet. Hervorzuheben ist
der repräsentative, leicht aus der Bauflucht vor-
tretende dreigeschossige Fachwerkbau Vorder
Burg 15 von 1574, der trotz zahlreicher Umbau-
maßnahmen ein bedeutendes Merkzeichen am
Schloßplatz bildet.
Die 1882/83 in Fachwerk errichtete, in den letz-
ten Jahren veränderte ehemalige Knaben-
schule an der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße/
Ecke Am Plan und die unmittelbar anschlie-
ßende Mädchenvolksschule, ein langgestreck-
ter, dreigeschossiger Putzbau von 1903/04
grenzen den Schloßplatz nach Süden ab und
leiten zugleich zum „Plan” über, der sich süd-
östlich anschließt.

nen die Waren umgeschlagen werden mußten.
Neben der Wanfrieder- und Kassler Schlagd
wurde die am nordwestlichen Eckpunkt des
Stadtareals gelegene Bremer Schlagd zum
wichtigsten Warenumschlagplatz, an der be-
reits Ende des 14. Jh. Lagerhäuser für Handels-
güter nachweisbar sind. Ende des 16. Jh. be-
gann man die Uferanlagen mit festem Mauer-
werk zu sichern, um das Anlegen der Schiffe
zu ermöglichen und um die auszuladenden
Kaufmannsgüter sicher aufbewahren zu kön-
nen. Da der Ausbau der Schlagden und deren
Instandhaltung hohe Kosten verursachten, er-
hielten die Mündener Bürger von Herzog Erich
II. das Recht zugesprochen, von den anlegen-
den Kaufleuten ein Schlagdgeld erheben zu
dürfen. Noch im 17. Jh. bestanden die gesam-
ten Hafenanlagen aus der Stadtwaage, den
drei Mühlen (Grau- bzw. Grabenmühle an der
Mühlenpforte, Blümer Mühle, Lohmühle an der
Lohpforte), der Schlagdwache, den Torschrei-
ber- und Lagerhäusern und den Schlagdmau-
ern, die Ende des 18. Jh. von der Schlagdspitze
bis zur Grabenmühle ausgebaut wurden.
Ein weiteres unverwechselbares Merkzeichen
der Stadt stellt die erstmals 1327 quellenmäßig

belegte Werrabrücke dar, die älteste erhaltene
Steinbrücke des Oberweser- und Werragebie-
tes, die den historischen Stadtkern mit der Vor-
stadt Blume verbindet. Nachdem die Brücken-
tore und Fachwerkaufbauten wie sie die beiden
Stadtvoduten von Braun/Hogenberg und Me-
rian zeigen durch den Ausbau der Chaussee
Hannover-Kassel 1776/79 abgetragen wurden,
mußten 1861 die beiden nördlichen Bögen der
über 100 m langen Brücke erneuert werden,
die sich seitdem deutlich von den hohen mittel-
alterlichen fünf Bogenjochen absetzen. Im
Rahmen einer in den letzten Jahren durchge-
führten umfangreichen Brückensanierung wur-
den u.a. das Mauerwerk der Brückenpfeiler in-
standgesetzt und die Stabstahlbrüstung durch
eine massive Sandsteinbrüstung ersetzt.
Die Werrabrücke unterbricht die kleinteilige
Fachwerkbebauung an Speck- und Sydekum-
straße, die zunächst „Düstere-”, dann „Dunkle
Straße” hieß. Die Umbenennung in Sydekum-
straße erfolgte im 18. Jh. als hier das Hotel
„Neues Sydekum” (Nr. 3) entstand. Ursprüng-
lich war die schmale Sydekumstraße ein hinter
der Stadtmauer entlangführender, nur auf der
Südseite bebauter Weg, von dem aus der

Schloßplatz, Blick von Südwesten


Wasserfronten an Werra und Fulda
Die Mündener Schlagden an Werra und Fulda,
die noch heute ein bedeutendes Dokument ei-
nes bis in spätmittelalterliche Zeit zurückrei-
chenden Handels- und Anlegeplatzes darstel-
len, bilden in Zusammenschau mit Schloß und
Packhof und den verbindenden Stadtmauer-
häusern sowie der historischen Werrabrücke,
den Streich- und Nadelwehren und den in den
Flußläufen eingebundenen Werdern ein vor al-
lem städtebaulich signifikantes, höchst ein-
drucksvolles Ensemble. Um die Wasserstra-
ßen, die für die Entstehung und Entwicklung
der Stadt von essentieller Bedeutung waren,
nutzen zu können, mußten die natürlichen Ge-
gebenheiten durch den Einbau von Wehranla-
gen verändert werden. Die Schiffahrt wurde so-
mit auf den rechten Flußarm der Fulda bzw. der
Werra dirigiert und rückte dadurch dicht an die
Stadt heran. Es entwickelten sich an den Was-
serstraßen betimmte Plätze, Schlagden, an de-

Werrabrücke, Blick in Richtung Blume


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