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„spätbarocken”, rechteckigen Saalraum von
1752/53. Das Innere birgt einen spätbarocken
Kanzelaltar mit Moses- und Petrus-Statuen
über den seitlichen Zugängen, einen 1582 in-
schriftlich datierten Blockaltar im Ostturm so-
wie einen interessanten Orgelprospekt von
1798, den Stephan Heeren schuf. Das kostbar-
ste aber stellen die Fresken im unteren Ge-
schoß des Chorturmes und an den Gewänden
des rundbogigen Zugangs dar, die man 1911
entdeckte, freilegte und in den sechziger Jah-
ren restaurierte. Die inschriftlich 1444 datierten
wertvollen Wandmalereien zeigen Heiligendar-
stellungen, Passionsszenen und verbindendes
schmückendes Rankenwerk.

HANN. MÜNDEN-MIELENHAUSEN

Der etwa 7 km nordöstlich von Münden unweit
des Schedetales gelegene Ort Mielenhausen
wird in einer Schenkungsurkunde des Klosters
Corvey erstmals um 1160 als „Mylenhusen” er-
wähnt. Urkundlich genannt ist ferner die „villa
Schorfhagen”, eine befestigte Siedlung ober-
halb von Mielenhausen, die 1397 an das Kloster

Hilwartshausen verkauft wurde. Heute erinnert
noch der Weg „Zum Schorfhagen”, der einstige
Koppelweg, der die nördliche Ortsbegrenzung
bildet, an die Wüstung Schorfhagen.
Der etwa 210 m über NN liegende Ort wird um-
schlossen von Acker- und Weideland und er-
streckt sich im Westen bis an die Höhenausläu-
fer des Bramwaldes. Im Südosten reicht die
neuere Ortsrandbebauung fast bis zur B 3, der
ehemaligen von Münden nach Göttingen füh-
renden Chaussee. Von ihr zweigt die K 204 ab,
die, nach Westen ansteigend, als Rischensiek
und Oberdorf mehrfach geschwungen den Ort
erschließt.
Nach der Kurhannoverschen Landesaufnahme
umfaßte Mielenhausen 27 „Feuerstellen”. Noch
Ende des 19. Jh. zeichneten sich mit Oberdorf
und Unterdorf zwei deutlich voneinander
getrennte Siedlungsschwerpunkte ab, die
nach 1945 zusammengeführt wurden. Am Kno-
tenpunkt von Rischensiek und Hoher Graben
und im mittleren Bereich der Oberdorfstraße
bestimmen die auf kleinen, unregelmäßig zu-
geschnittenen Hofparzellen errichteten, zu-
meist traufenständigen Bauten das Straßen-
bild, die, gestaffelt angeordnet, den Straßen-

raum begrenzen. Ablesbare Siedlungsauswei-
tungen entstanden nach 1945 am Mühlenberg
und an der K 204, östlich des ehemaligen Un-
terdorfes. Die Ortsenwicklung veranschaulicht
auch die steigende Einwohnerzahl: 1821 wur-
den 240 und 1939 317 Einwohner gezählt; ihre
Zahl stieg bis 1946 auf knapp über 500 an (1970
454 Einwohner).
Das Ortsbild wird weitgehend geprägt von
schlichten zweigeschossigen, stockwerkweise
abgezimmerten Fachwerkbauten aus der 2.
Hälfte des 19. Jh. Die auf hohem Sandstein-
quadersockel ruhenden Bauten sind jedoch
häufig durch neuzeitlichen Behang sowie durch
An- und Umbauten in ihrem Zeugniswert er-
heblich beeinträchtigt. Zu den hervorhebens-
werten, im einstigen Oberdorf liegenden Bau-
ten zählen: Duur Weg 4, 5; Oberdorf 11, 28, 23
und 34.
Der wohl älteste noch erhaltene Fachwerkbau
Mielenhausens ist der weit von der Straßen-
flucht zurückspringende traufenständige Bau
Duur Weg 5, wohl aus der Zeit um 1700. An
der Einmündung des Duur Weges in die Ober-
dorfstraße entstand auf ansteigendem Ge-
lände die Hofanlage Duur Weg 4, deren stra-


Lippoldshausen, Pfarrkirche St. Michaelis,
Wandmalereien, Chorturm, Mitte 15. Jh.


Lippoldshausen, Pfarrkirche St. Michaelis,
Wandmalereien, Chorturm, Mitte 15. Jh.

Mielenhausen, Oberdorf 23, Wohnhaus,
frühes 18. Jh.




Mielenhausen, Duur Weg 4, Wohnhaus, Kern frühes 18. Jh.

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