Lufen, Peter Ferdinand [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 5,3): Landkreis Göttingen, T. 2: , Altkreis Duderstadt mit den Gemeinden Friedland und Gleichen und den Samtgemeinden Gieboldehausen und Radolfshausen — Braunschweig, 1997

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Straße, Nordenstraße, Lindenstraße und
Speckenstraße, die gleichsam die Keimzelle
des Altdorfs umschließen; noch nicht projektiert
ist indes die von der Lindenstraße abzweigende
Oberdorfstraße. Das Rückgrat des Straßen-
und Wegenetzes bildet auch heute die Haupt-
straße, die mit der Lindenstraße und Norden-
straße eine angerförmige, unregelmäßig parzel-
lierte Siedlungsfläche begrenzt, die sich klar von
der gleichförmigen neueren Ortsranderweite-
rung am Bruchberg absetzt. Überragt und be-
stimmt wird das Dorfbild von der spätbarocken
Pfarrkirche St. Matthäus am Kopfende der
Speckenstraße - ein geosteter, aus Rotsand-
steinquadern errichteter Saalbau aus der
2. Hälfte des 18.Jh.
Neben der Kirche besitzen die folgenden
Wohn- bzw. Wohnwirtschaftsgebäude zumeist
aufgrund ihrer orts- bzw. straßenbildprägenden
Bedeutung Denkmalqualität: Hauptstraße 26,
37, 39, 55, Lindenstraße 2, Nordenstraße 10,
12, 14, 17, das Pfarrhaus Nr. 19 und Oberdorf-
straße 13.
Die überwiegend aus dem 19.Jh. stammenden,
zumeist mit Satteldächern abschließenden,
doppelgeschossigen Fachwerkbauten sind in
ihrer äußeren Erscheinung vielfach durch mas-
siv ersetzte Erdgeschoßzonen bzw. durch
neueren Fassadenbehang in ihrer ursprüngli-
chen Wirkung erheblich beeinträchtigt. Zahlrei-

che Bauten weisen darüber hinaus deutliche
Eingriffe im konstruktiven Fachwerkgerüst auf,
so daß insgesamt ein heterogenes Ortsbild ent-
steht.
Zu den ältesten Gebäuden Bodensees gehören
zweifellos der unweit der Kirche gelegene, stark
vom Verfall bedrohte Fachwerkbau Norden-
straße 17, wohl aus dem frühen Iß.Jh., der
traufständige Bau Nordenstraße 10 (zeitgleich)
und die beiden leicht von der Straßenflucht
zurückspringenden Bauten Hauptstraße 37 und
39, die vorkragende Oberstöcke und querrecht-
eckige Gefache in den Brüstungszonen aufwei-
sen. Bemerkenswert ist auch der giebelständige
Fachwerkbau Hauptstraße 26 aus dem frühen
Iß.Jh., der durch seine Fassadenfreilegung
1987 einen markanten Akzent in der Haupt-
straße setzt. Wohl aus der 2. Hälfte des 19.Jh.
stammen indes die beiden Fachwerkbauten Lin-
denstraße 2 und Hauptstraße 55, die nahezu
den gleichen Fassadenaufbau aufweisen. Auf-
grund seines Erhaltungszustandes verdient der
giebelständig zur Oberdorfstraße ausgerichtete
Fachwerkbau Nr. 13, wohl aus dem Ende des
Iß.Jh., herausgestellt zu werden.
Kath. Pfarrkirche St. Matthäus
Die inschriftlich 1779 datierte kath. Pfarrkirche
St. Matthäus (Nordenstraße) präsentiert sich

als längsgerichtete dreiachsige Saalkirche mit
eingezogenem Westturm über quadratischem
Grundriß, dem ein nach außen dreiseitig ge-
schlossener, innen aber halbkreisförmig einge-
wölbter Altarraum entspricht. Gegliedert wird
der Sandsteinquaderbau durch hochrechtecki-
ge Rundbogenfenster, deren rahmende Zier-
glieder durch Basis, Kämpfer und Schlußstein
akzentuiert werden. Als wichtiges vertikales
Wandgliederungselement erscheinen die
schwach vorspringenden Lisenen, die im
Schichtverband mit der zurückspringenden
Wand gemauert sind. Ein profiliertes umlaufen-
des Kranzgesims faßt die vertikalen Mauerstrei-
fen zusammen. Bereichert wird der mit einem
Spitzhelm abschließende Westturm durch ein
flach aufgelegtes repräsentatives Portal. Der
von einem Spiegelgewölbe überspannte ein-
schiffige Innenraum findet in dem kreuzgratge-
wölbten Chor seinen Abschluß. Neben dem
prächtigen Barockaltar beeindruckt die aufwen-
dig gearbeitete Kanzel, die der Hildesheimer
Bildhauer Daniel Bartels (1679-1735) schuf. Die
1664 datierte Sandsteintaufe stammt offenbar
aus dem Vorgängerbau, der im Dreißigjährigen
Krieg niederbrannte.
Hervorhebenswert ist auch der auf dem alten
Friedhof (Nordenstraße) aufgestellte Bildstock
aus Sandstein mit leider stark verwitterten Re-
liefdarstellungen in der Laterne aus der Mitte
des 17.Jh.


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