Lufen, Peter Ferdinand [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 5,3): Landkreis Göttingen, T. 2: , Altkreis Duderstadt mit den Gemeinden Friedland und Gleichen und den Samtgemeinden Gieboldehausen und Radolfshausen — Braunschweig, 1997

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BAUGESCHICHTLICHER ÜBERBLICK

Sakralbauten
Stadtkirchen
Den architektonischen Kulminationspunkt im Duderstädter Stadtbild setzt eindrucksvoll
die Propsteikirche St. Cyriakus, eine aus Sandsteinquadern gemauerte dreischiffige
Staffelhalle ohne Chorhaus mit monumental wirkendem, blockhaftem Westriegel. Seine
spitzhelmbekrönten Turmwerke sind auf Fernsicht konzipiert und zeigen weithin sichtbar
den „Kern“ des Stadtganzen an. Zur Wirkung des Gotteshauses trägt neben der brei-
ten, sich nach Osten platzartig weitenden Marktstraße auch die raumbegrenzende klein-
teilige Bürgerhausarchitektur bei, die dem imposanten Solitärbau zugleich den Maßstab
gibt.
Der Vorgängerbau der heutigen Oberkirche St. Cyriakus wurde wohl kurz nach 1247
begonnen und als Pfarrkirche erstmals 1276 urkundlich erwähnt. Von dieser ursprüng-
lich wohl basilikalen Anlage hat sich nur der Westbau des ausgehenden Iß.Jh. in we-
sentlichen Teilen erhalten. Im Jahre 1394 setzte unter Einbindung des doppeltürmigen
Westriegels der Neuaufbau der heutigen dreischiffigen, querhauslosen Staffelhalle mit
basilikaler Choranlage ein, wie der eingemauerte Inschriftstein ausweist.
Akzentuiert wird der Westriegel durch das aus der Mauermasse herausgeschnittene
Hauptportal in der Mittelachse - ein Stufenportal mit ornamentalem Rankenwerk, über-
höht durch einen aufgekröpften Wimperg.
Von Westen kommend findet die breite stadtgrundrißkonstituierende Marktstraße im
„Wegebau“ der Oberkirche ihre Fortsetzung, um im liturgisch bedeutenden Ostab-
schluß, im Hauptchor, ihren angemessenen Abschluß zu finden.
Die dreischiffige, sechsjochige Staffelhalle mit abschließendem langgestreckten Dreiap-
sidenchor korrespondiert mit den Seitenschiffen durch über Eck gesetzte Bündelpfeiler.
Sie sind tragende Glieder unterschiedlich gewölbter Raumkompartimente: die Chöre,
das südliche Seitenschiff und der dreiteilige Westriegel sind mit Kreuzrippengewölbe
überspannt, das nördliche Seitenschiff schließt mit einem Sterngewölbe ab, während
das Mittelschiff bis zum Hauptchor ein vereinheitlichendes Netzgewölbe aufweist, des-
sen Rippenkreuzungen in markanten Schlußsteinen enden, die den einheitlichen Fluß
unterbrechen.
Zweigeteilt erscheint der Innenraum: Der liturgisch bedeutsamere Ostabschluß erstrahlt
durch hohe, gestelzt wirkende vierbahnige Maßwerkfenster in hellerem Licht, das zu-
gleich den Eindruck der räumlichen Weite steigert, während der Westabschluß be-
stimmt wird durch die mächtige, das gesamte Westjoch des Langhauses ausfüllende
Creutzburg-Orgel auf doppelstöckiger Empore, die von einer markant geschwungenen
Lindenholzbrüstung eingefaßt wird, die zur Raumverjüngung beiträgt.
Zur Gesamtwirkung des Innenraumes tragen wesentlich die prächtigen barocken Aus-
stattungsstücke bei: die auf ornamentierten Konsolen ruhenden Pfeilerfiguren des A. G.
Kersten, stilistisch verwandt das Taufbecken mit Deckel und Schranke aus Marmor, Ala-
baster und Holz, das Chorgestühl, die Creutzburg-Orgel sowie die im Langhaus aufge-
stellten neun Prozessionsstangen der Zünfte, auch Gildeleuchter genannt.
Einen städtebaulich bedeutsamen Kontrapunkt zur kath. Propsteikirche St. Cyriakus
setzt die am Westende der breiten Marktstraße errichtete ev. St. Servatiuskirche.
An einem offenbar älteren, wohl um 1370 entstandenen Ostchor mit 5/8-Schluß wurde
in der 2. Hälfte des 15.Jh. eine dreischiffige, sechsjochige Halle angefügt, der ein West-
turm über quadratischem Grundriß aus der 1. Hälfte des 16.Jh. vorgelegt ist. Zwischen
Kirchenschiff und Apsis ist ein Chorquadrat eingeschoben, der dem Chor mehr Weite
verleiht. Der Sandsteinquaderbau, dessen Material überwiegend aus den städtischen
Steinbrüchen am Fuße des Sonnenstein stammt, wird heute geprägt durch den eigen-
willig gestalteten Westturm - ein Entwurf Karl Siebrechts (Hannover) aus dem Jahre
1928, der zu einer Aufstockung und Umgestaltung des Turmwerks in Hinblick auf eine
auch städtebaulich wirksame Akzentuierung führt.
Ausgezeichnet wird das Turmuntergeschoß durch das bemerkenswerte Hauptportal,

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