Fliegende Blätter — 24.1856 (Nr. 553-576)

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Das kranke Büble.

Kommt der Doktor jetzt herbei,
Gibt ihm bitt're Arzenei.
Büble schneid't ein schief' Gesicht,
Der Rhabarber schmeckt ihm nicht.

Armes Büble! — Lieg' nur still,
Thu' hübsch was der Doktor will,
Bist Du brav und folg'st recht schön,
Wird's bald wieder besser geh'n.

Geyser.
Eine türkische Hunde - Novelle.


Arthur war jung, reich, gebildet, unabhängig, hübsch, er
war im Besitz Alles dessen, was das Leben zu verschönern
vermag, aber Arthur war nicht glücklich, er liebte unerwiedert
Adelen.
Adele war jung und schön, sonst hätte Arthur Adelen
nicht angebetct, Adele war reich, sonst hätte sie Arthurn nicht
ausgcschlagen, aber Adele war nicht fromm; sie verachtete die
Männer im Allgemeinen und haßte Arthurn noch obendrein
in 8peeis.
Warum verachtete Adele die Männer?
Adele war bis in ihr zwanzigstes Jahr von Sommer-
sprossen fürchterlich entstellt und wurde von keinem Manne
eines Blickes gewürdiget, obwohl sie keinen Knopf Geld besaß.
Im 21. Jahre bekam sie die Blattern, in Folge deren günstigen
Verlaufes sich die Sommersprossen gänzlich verloren; im 22.
Jahre starb ein Onkel und hinterließ ihr sein großes Vermögen
— nun war sie angebetet und umschwärmt; sie aber verachtete
ein Geschlecht, das niederträchtig genug ist, eine Aphrodite lieber
zu betrachten als eine Vogelscheuche, und so erbärmlich lieber
in einer Villa Rebhühner, als in einer Bauernkeusche Grund-
birnen aus der Hand der Liebe zu genießen.
Sie haßte aber Arthurn obendrein, um seines und ihres
Hundes willen.
Ihr Hund hieß Fido und war eine nichtsnutzige, bissige,
kleine Bestie von Pintscher; man sagte, er sei noch böser als
seine Herrin.
Arthur's Hund hieß Geyser und war ein edler, löwen-
muthiger Neufundländer mit prächtigem schwarzen Pelz, blutigen
Augen und einer Doppelnase, wie sie nur einem Hunde gut
anstcht; man hielt ihn für gesckeidter, als seinen Herrn.
Fido hatte Geysern gezwickt und Geyser Fido'n so zu-

sammengebeutelt, daß ihn seine Herrin im Schnupftuch nach
Hause tragen mußte.
Adele war unversöhnlich, Arthur in Verzweiflung.
Arthur sprang in's Wasser, Geyser zog ihn wieder heraus;
Arthur war zu einer sehr ungesunden Zeit hineingesprungen
und bekam ein rheumatisches Fieber, das ihn 14 Tage an das
Bett fesselte.
Geyser machte alle Stunde einen Höllenlärm, damit er
nicht vergaß, die Medizin zu nehmen.
Als Arthur zum erstenmal das Haus verließ und vor
Adelens Wohnung vorbeidefilirte, fesselte ihn dort ein sonder-
bares Schauspiel.
Vor ihm rannte ängstlich kläffend ein kleiner, nackter
Hund — er war weder mit Halsband noch Maulkorb bekleidet
— hin und her, hinter dem das verkörperte Fatum in Gestalt
eines stämmigen Mannes in kurzer Jacke sich anschickte, jene
Schlinge über ihn zu schleudern, welche für seinesgleichen niemals
einen guten Klang gibt.
Fido hatte seinen Urlaub in den Haushos in trotzigem
Uebermuthe gegen das Kammermädchen bis auf die Gasse aus-
gedehnt; der Unglückliche war verloren!

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Geyser"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Muttenthaler, Anton
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Ermahnung
Verkleidung <Motiv>
Tiermensch
Maulkorb
Neufundländer <Hund, Motiv>
Karikatur
Hund <Motiv>
Satirische Zeitschrift
Türken <Motiv>

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Creditline
Fliegende Blätter, 24.1856, Nr. 574, S. 170 Universitätsbibliothek Heidelberg
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