Fliegende Blätter — 25.1856 (Nr. 577-600)

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Schreibebrief von Jtzig Wertheim an seinen Freind Moses Löwenstein.

(Fortsetzung.)

Toaste haben se nach ausgebringt bei der Tafel, als ob
! es sollte kein Ende gar nich nehmen. Da hieß es: „Herr-
Meyer soll leben, der Beschitzer der Börsche"; dann
„Herr Meyer soll leben, der Freind von de Konst un von de
i Kinstler; Herr Meyer soll leben, der Mann unsrer Szeit"
un noch vieles andere mehr. Ich bin aach afgestanden un
Hab mein Glas hoch gehalten in de Höh un dann Hab ich
! gesagt: „Was deFrankforter Börsche wäre ohneHerr
Amschel Meyer nn Companie, das wäre Herr
Amschel Meyer un Companie ohne seine Tochter
Rachelche! Rachelche Meyer un Companie soll leben!
Fifat hoch!" Un da haben se alle mitenander geschrien:

! „Fifat hoch" un haben angeklimpert mit de Gläser un Ra-
chelche hat mich ungesehen, Mosesleben! angesehn hat se mich,
tvie mer ansieht en’n Korschßettel, was uns bringt recht hohe
Korsche von de Börse --- s o hat se mich angesehn!

Nu is gewesen de Tafel ßn Ende. Ich Hab wieder an-
geßogen meine blaßgelben Glasirhandschüh for 1 fl. 24 kr.
un dann sin mer gegangen in den Garten un Park, was
hat gehört ßur Filla von Amschel Meyer un Conipanie. Ich
sag Der, Moses, ä Raretät war's von ä Park, mer sollte
gar nich glaben, daß so was kennte wachsen in de Nähe von
Frankfort, mer meinte Merklich ßu sein in Italien oder eine
andre sidlichc Gegend.

Is der Herr Anrschel Meyer un Companie gekimmen
ßn gehn af mich ßn, hat Mer genommen bei'n Arm un dann
hat er mer alles deitlich ausenander erklärt.

„Sehn Se, Wertheimleben," hat er gesagt, „de Filla
Hab ich mer verdient mit de Ludwigshafen-B exbacher,
wo ich bin gegangen af de base un den Garten mit'n Park
Hab ich mer verdient mit de Friedrichs-Wilhelms-Nord-

bahn, wo ich bin gegangen af de böse. Wie ich dann Hab
fallen lassen de Friedrichs - Wilhelms - Nordbahn is auch ge-
wesen s'ganze Geschäft 'raus, denn wo Amschel Meyer un
Companie nich mehr drinne macht, macht dann aach Niemand
nich mer drinne. Aber den Park un Garten hat vier erst
missen verdienen de Nordbahn."

„Was ä Kahfmann! Was fer ä gelehrter Spikulant!"
Hab ich ganz heimlich bei mer gesagt, wie Amschel Meyer
un Companie hat mer das erßehlt.

Wie mer so sein gestanden an ä Bosketche, sin nach
un nach gekimmen alle Gäste ßnsammen un wie se sein ge-
wesen ßnsammen, da sein wieder Bedienters gekimmen mit
große silberne Teller un Schisseln, aach wieder alles ßwelf-
und vierßehnlethig, ä wahre Pracht. Dann haben se ge-
bracht Kaffee und Kuchen un Gefrornes von de Conditers
un Eingemachtes un Ueberßuckertes, mer hat Merklich nich
gewußt, wo mer soll ßuerst ßugreifen. De ganze Gesell-
schaft war weg un verstaunt bei solche Herrlichkeit un Prächtig-
keit; ordentlich verblifft sein se gewesen, aber Amschel Meyer
hat gesteckt die beiden Daumenfinger in de Aermellöcher von
seine Weste und hat getrommelt mit de andern Finger af
den weißen Atlas von der Weste un dann hat er gesagt:
„Ru, was stehn Se da un gucken mer an, langen Se ßu,
langen Se ßu, s'is alles bestahlt, was Se genießen un das
Silber aach, wovon Se's genießen."

S'is doch ä gewaltiger Mensch, der Amschel Meyer nu
Companie!

Dann hat er gesagt ßu de Gesellschaft: „Nn kimmen Se
mit, meine verehrten Damens un Herrens, ich werde Se itzt
steigen das schöne Echo, wo ich mer habe anbauen lassen fer
ßweitausend finfhundert Gulden." — Szweitausend finfhundert
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