Fliegende Blätter — 25.1856 (Nr. 577-600)

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Unverhofft kommt oft.

Im Lande der Zitronen und Orangen, an den reizenden
Ufern der Piave, liegt eine Stadt, Belluno genannt. — Nun ist's
zwar nichts Außerordentliches, daß es eine Stadt mit solchem
Namen gibt, ebenso wenig wird sich Jemand darüber wundern,
daß in der Nähe derselben eine Campagna liegt, ein kleines nettes
Landhäuschen, umgeben von einem niedlichen Gärtchen und einigen
Feldern, welche zusammen das Besitzthum eines Mannes ausmachten,
den wir Domeniko nennen wollen. Er war Neffe eines Kardinals
und Familienvater, und hatte nebst diesen Eigenschaften auch noch
einen ansehnlichen Vorrath von Einbildung, — nicht etwa auf
seine Gestalt, die eigentlich gar nichts Besonderes an sich hatte,
oder auf seine Bildung, die auch nicht weit her war, — sondern
auf seinen spekulativen Kopf. Er glaubte sich nämlich von einem
ungeheuren Unternehmungsgeiste beseelt,. der ihn zu allerhand

Entwürfen und Spekulationen trieb, welche in der Regel
nicht den gewünschten Erfolg hatten, so daß die Erzählung
von dem Manne mit dem Glaskorbe aus tausend und einer
Nacht mit ziemlicher Genauigkeit auf ihn angewendet werden
konnte. Denn übertraf auch einer von seinen Plänen den
anderen an Großartigkeit, so mangelte ihm doch jener feste
Wille, jene bei solchen Unternehmungen bisweilen nothwendige
Hartherzigkeit, welche den wahren Spekulattonsmann kenn-
zeichnen. Er hatte ein gutes, weiches Herz, der Handelsdämon
war nicht im Stande, das Mitgefühl für fremdes Unglück,
für Anderer Schmerzen aus demselben zu verdrängen, und
häufig behielt der Mensch über den Kauftnann die Oberhand.

Der Weinhandel dünkte ihm besonders einträglich; er
kaufte daher große Massen dieser Flüssigkeit, um sie in
kleineren Parthien an Gasiwirthe und andere weinaus-
schenkende Individuen zu verkaufen und bei jeder Parthie
seine Prozente zu gewinnen.

Dies wäre nun Alles schon recht und schön gewesen,
allein ein böses Schicksal wollte, daß Domeniko seine Einkäufe
immer baar bezahlen mußte, während seine Kunden gewöhnlich
schuldig blieben, indem sie die schlechten Zeiten, den Mangel
an Geld vorschützten,. und ihn auf die Zukunft vertrösteten.
Faßte er sich auch einmal Muth und brachte dringendere
Forderungen zum Vorscheine, so kam bald der Eine, bald
der Andere zu ihm und klagten unter Thränen, daß Frau
oder Kind ihnen gestorben seien, daß der Hagel ihre Felder
zerschlagen habe, und andere Mißgeschicke, so daß dem guten
Domeniko die Augen feucht wurden, und, statt zornig seine
Schuldner zu schelten oder sie etwa gar auspfänden zu
lassen, er ihnen vielmehr sein aufrichtiges Bedauern zeigte,
daß er, außer der Verlängerung ihrer Zahlungsfrist, Nichts
mehr für sie thun könne, indem er selbst nicht Viel habe.

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"Unverhofft kommt oft"
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Fliegende Blätter
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G 5442-2 Folio RES

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Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Muttenthaler, Anton
Entstehungsort (GND)
München

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Ausstellung

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Fliegende Blätter, 25.1856, Nr. 590, S. 105 Universitätsbibliothek Heidelberg
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