Fliegende Blätter — 26.1857 (Nr. 601-626)

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Gin englischer Liebhaber.

Nichts erfreut wohl den ermüdeten Reisenden so sehr, wenn
er nach des Tages mühevoller Wanderung Abends in ein Ruhe
und Labung versprechendes Städtchen einzieht, als die hübschen,
freundlichen Mädchengesichtcr, die neugierig durch die niedrigen
Fenster'den Ankömmling mustern. Da wird wohl noch einmal alle
Müdigkeit vergessen; das vorher gesenkte Haupt erhebt sich stolz, um
sich von seiner vortheilhafteste» Seite zu zeigen und die müden
Füsse werden gezwungen, so schwer cs ihnen auch fallen mag,
alle Grazie zu entfalten, welche einen guten, flotten Tänzer vcr-
räth, ein Zeichen, daS die Mädchen gar so leicht günstig zu
stimmen vermag.

Wollt Ihr aber, Ihr Fuß- und Lustreisenden, Euch A»
nehmlichkeiten der letztgeschildcrtcn Art in Hülle und Fülle
verschaffen, so setzt Euren Wanderstab nach dem freundlichen
Städtchen Blankenburg am Harz in Bewegung und Ihr sollt
mich einen Lügner nennen, wenn Euch da nicht vielleicht aus ;
jedem Hause und Häuschen ei» hübsches Frauen- oder Mädchen-
gestcht lächelnd bewillkommt.

Wenn Solches die hübschen Blankenburgeriuncn lesen werden,
so tritt gewiß sofort eine Jede vor den Spiegel, um diesen ur-
alten Geheimrath des Wcibcrgeschlechtcs zu fragen, ob ich denn
just auch sie mit bei den Hübschen gemeint habe und — man
müßte den Schmeichler Spiegel nicht kennen! — dieser wird im
Verein mit seiner Freundin Eitelkeit gewiß bei keiner Einzigen
solche Fragen mit Nein! beantworten. Dann freue ich mich aber
gewaltig aus meinen nächsten Besuch in Blankenburg, wenn ich !
jeder am Fenster lugenden Schönen zurufen kann: „Sieh' mich
! nur recht an! Ich bin Derjenige, welcher Dein Lob so gewaltig
ausposauntc!" Wer weiß! Wer weiß! Vielleicht geht es mir
dann am Ende dort, wie meinem längst seligen Zunftgenossen,
dem Meister Heinrich Francnlob in Mainz, de» die schönsten
Frauen der ganzen Rheinlande auf ihren zarten Händen zur
Gruft trugen und dann sein Grab mit dem herrlichsten Weine
des Rheingebietes begossen. Nur bitte ich dann die Schönen
von Blankenburg, einen kleinen Unterschied zwischen mir und
dem seligen Frauenlob zu machen, indem sie sich lieber schon
bei meinen Lebzeiten dazu verstehen mögen, mich aus ihren lieben
Händchen zu tragen (wobei ich bemerke, daß ich nicht eben gar
zu dick und schwer bin) und ferner auch mit dem Rheinwein
nicht bis nach meinem Tode zu warten, (wobei ich ebenfalls
bemerke, daß ich meist recht durstig bin und sehr oft ein herz- !
liches Verlangen nach einem Glase von Rheinesfeuer trage.)
Man glaube jedoch nicht, daß ich der Erste sei, der als Lob- i
rcdncr der Blankcnburger Schönen austritt und sagt zumal ein j

tu

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Ein englischer Liebhaber"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Stauber, Carl
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Schlaf <Motiv>
Kutsche <Motiv>
Karikatur
Landschaft <Motiv>
Reisender <Motiv>
Satirische Zeitschrift
Engländer <Motiv>

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 26.1857, Nr. 610, S. 73
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