Fliegende Blätter — 34.1861 (Nr. 809-834)

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824.

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Siebentes Kapitel.

Lipmann ßcrbricht sich den Rosst', ) wie er ^
nu soll los werden. Endlich find't er ahn ,
aber nich 's richtige.

Lipmann hat nie gedenkt, daß er kennt ertragen s ^

Chabole **), aber er is aach gewesen ganz kapnt, wl ^

wieder in sahne Kammer getreten. Ter alte Hut, ocr
is wcrth gewesen ahnen Groschen, der hat ihm sstwn gf1
acht Tholcr Korant baar Geld, ßwciTag Gesengm '
scr viele, viele Tholcr Acrgcr; die Geschästsverseimiuß ser g^
nir ßu rechnen! '

Den Hut hat Lipmann itzt gcwcrft unter den Tisch un
sich selbst in's Bette, wo er is gekrochen unter de vc cn,
un wo er hct kennen planchcncn ***) vor Acrgerlichkcit. ^
Tholcr scr den schaufeln Filßtcckcl, wo ahn neicr pariser ^ei
dcnhut nur kostet vier Tholcr! Der Getaute hat den -'p-
man gar nicht lasten einschloscn. Aber er hctt aast' sonst
nicht kennen einschlofen, denn cS is ihm doch gegangen gar
ßu traurig in die letzte Wvch. Ru ibcrlcgt er s>st>, was er
kennt machen, ass er wellt loSwcrdcn
er hat itzt gcglabt, daß ahn Kobold
Filßdcckcl.

Der verhexte Hut.

(Schluß.)

Wie er

sich das

hat so ibcrlcgt, is er ahs ahn Mol

den alte» Hut, denn
saß in dem schlechten

er

den alten

Endlich kimmt der Lipmann ahs ahnen ganz guten Ge-
danken, wie er will den alten Hut fortschaffen. Milten durch
de Stadt fließt nchmlich ahn graußcr, mächtiger Strom, un
da hat nu Lipmann wollen am nächsten Abend, wcnns ganz
dunkel is den Hut hinein werfen, denn da hat er kennen
sicher sein, daß ihn kahn Mensch wieder ßurückbringcn tbäic!

,*) Rösch, Kopf.

**) Chabole, Unglück.

***) planchenen, weinen.

froh un ßufriedcn geworden, denn nu hat er doch gewitzt den
richtigen Weg, wie er kann den vcrhcrten Hut los werde».
Nu is aach der Lipmann cingcschlascn, un hat nich mehr ge-
trcimt von Polcßci un Strasßahlcn, sondern von aufblibcn-
dcn Handel, gute Gcschcstchcr un andre Seligkeiten. S'is

gewesen ahn prcchtigcr Schloß!!

Am andern Morgen is aach Lipmann erwacht ganz
srchlich un ßusricdcn un is sahne gewöhnliche Gcschestswcge
nast'gcgangcn. Mit was fer Glickseligkcit hat heink tc Lip-
man gcschricn sahn: Nir ßu handlio! Si's ordentlich ge-
wesen ahne rare Musik un nich ßu vergleichen mit dasKettcn-

gcraffcl im Goleff.

Ass er dann is ßu Hause gckimmcn, hak
Hut ahs den Tisch gestellt und hat gcsagen:

„Du sollst mer nicht wieder ärgern, hcint Abend hat

Dein letztes Stindchc geschlagen!"

Nachmittag hat Lipmann noch Gcschcsistic gchabcn un
Abcndö lahft er nach Haus, wo er will den Hut abholcn
ßum ewigen Verderben. Unterwegs nimmt er noch ahnen
graußcn Stahn mit, den er hat wollen in den Hut legen,
daß er soll geschwinder unters Wasser kimmcn. Zn der Kam-
mer hat er nich ahn Mal Licht angebronncn, um nich den
schaufeln Hut anßuschn noch ahn cinßigeS Mal mit sahnen
Aagcn; so sehre hat er'n vcracht't! Cbni tappt er also im
Finstern 'rum, nimmt den Hut, legt den graußen Stahn
'nein, wickclr'n dann in ahnen Bogen altes Lowcncs *) un
geht nu ganß leise un stille fort nach de Brücke. Unterwegs
iS cs dem Lipmann immer gewesen, als klagte und jammerte
der Hut und bät' ihn um Schonung von's Leben. Aber er

*) LowcncS, Papier.

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