Fliegende Blätter — 34.1861 (Nr. 809-834)

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Wenn man das sogenannte Siebengebirge hinter sich ge-
lassen hat, so hört damit auch die Schönheit von die Ratur-
gegend auf und man fließt mit dem Rhein in eine große
Fläche dahin. Da nun aber eine oberflächliche Umgebung
kein boetisches Reizungsmittel nicht mehr sür einen Menu
von naturhistorischer Schönheit hat, so beschlossen wir uns,
blos noch bis ziu.die beriemte Unifersidätstadt Bonn zu fahren.

Bonn ist auch eine sehr alte Stadt und soll früher von
die Herren Römer erbaut geworden sein, was man noch an
einige alte Gassen und Heiser kann sehen. welche nach dem
alten römerischen winkelichten Augenmaße gebaut sind. Tw
alten Herren Römer hatten bei der Gründung von Bonn dw
Absicht, daß sie ihre liederlichten Herren Söhne hier wollten
Etwas lernen lassen, welches man Studiosibus nennt und
noch bis ans diesen Tag so heißt. Sic mußten da hanbt--
sächlich die Bier- und Staatswirthschaftsleere, sowie auch das
Schuldenmachen ordentlich erlernen, damit sic sich alsdann in
ihr eichenes Vaterland konnten gebranchbar machen.

Auch der große musikalische Kombaniste Beethoven ist
aus Bonn gewesen und hat man ihn jetzt als Moniment dort
ausgegossen und hingestcllt. Er macht ein sehr finstern Auf-
druck mit sein Gesicht, als wie wenn er sagen wollte: Wa»
thu ich mit Bcricmtheit und Moniment nach dem -rode, wenn
Ihr mich habt bei Lcbczeit halb verhungern lassen!

Und da hat er auch Recht.

Der größte Anziehungsbunktum in dieser Stadt ist auch
das Geburtshaus von dem alten verstorbenen Vater Arndt,
welcher sür die deutsche Einigkeit die schönsten Lieder gedichtet
hat und auch der Erfinder von das deutsche Vaterland ist,
welches vielleicht jeden Tag viele hnndertausendmale abgesungcn
wird. Aber der alte Vater Arndt hat immer gesagt: „Was

Herrn Gras s Rheinreisetagebuch.

(Fortsetzung von Nr. 804 der Fliegenden Blätter.)

nützt es denn, daß sie immer das Lied blos singen; das Lied
ist zum Taktschlagen auf feindliche Nachbarschaft eingerichtet
und muß also auch mit der Faust begleitet werden."

Wie nun der alte Arndt neunzig Jahre hat vergeblich
auf Anerkennung gewartet, so ist er endlich für immer ein-
geschlafcn. Aber gleich darauf ist — freilich blos fünfzig
Jahre zu späte — die allgemeine Dankbarkeit aufgcwacht,
wie dieses immer in die ganse Welt so geht. Nun wollen
sie ihn, als kleine Vergitigung für schlechte Behandlung bei
Lebzeiten, ailch ein großartiges Moniment setzen und sein
Haus an Fremde als Merkwirdigkeit vorzcigen.

Wenn ich aber hier etwas zu sagen hätte, so sollten sie
lieber für das viele Geld eine rechte große Riesenkanone machen
lassen, die gleich von Bonn aus bis Paris reichen thäte, daß
man damit könnte den vorlauten Herrn Nachbarn manches-
mal den Mund stobfen, tvenn er nach fremdes Eigcnthum
seine Zunge ausstreckt. Dieses lvärc das beste Mouiment, was
sic den alten Vater Arndt sollten setzen. Vielleicht nimmt
die Kommidce von den Denkmal meinen Vorschlag an; auf
eine besondere Vergitigung mache ich dafür keinen Anspruch nicht.

Tic Herren Studenten oder wie sie sich noch all auf alt-
römerisch nennen: die Herren Studiosibus, machen in Bonn
die Haubtsachc aus und geben für die ganse Stadt ein so-
genanntes burschikosiges Ansehn. Dieses kann man an alle
öffentlichte Einrichtungen sehen. Zum Beisbicl tragen die
Nachtwächter in Bonn jahraus jahrein als haubtsächliche Be-
kleidung am gansen Leibe braune und blaue Flecke, welche
sie in die nächtlichen Begegunngen als Andenken von die

Herren Studiosibus beziehen.

Ebenfalls sehr auffällig ist es für den fremden Beobachter,

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