Fliegende Blätter — 34.1861 (Nr. 809-834)

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danungen, sowie von allen !
-1L_ u n g s c r v c d i i i o n cn angenommen.

Ein Tag ans dem Leben eines Polizei-Aktuars.

Die alte Pcndulc über dem Kaminsimse hatte eben ge-
schlagen und bei dem letzten verhallenden Tone öffneten der
junge Polizei-Aktuarius im Bette und die lustige Amsel über
demselben, zu gleicher Zeit die Augen und guckten sich, beiläu-
fig gesagt, etwas verwundert im Zimmer um. Sic waren
beide noch Neulinge in ihrem gegenwärtigen Stande und
mochten wohl von ihren sriihern Verhältnissen und Umgebungen
geträumt haben. Der junge Aktuar, Theodor Berg, hatte die
Universität erst vor kurzer Zeit vcrlaffen, sowie der Vogel den
grünen Wald, und beiden kostete es wohl gleiche Selbstüber-

windung, ruhig hinter dem Bureautische, respektive Käfige, zu
verharren. Heute an einem der ersten Tage des lieblichen Mai,
sühlte Tbcodor ganz besonders, daß man eher Mensch sei, als
Polizcibeamicr. Er hüllte sich mit ziemlich vcrdrüßlicher Miene
in seinen türkischen Scklasrock, setzte die Burschenmütze mit de»
Troddeln aus, von der er sich noch nicht hatte trennen mögen,
und öffnete das Fenster.

Die Sonne stand noch nicht hoch und spiegelte sich blitzend
in den Fenstern der stattlichen Häuser, welche die andere
Seite der Straße einrahmten. Aus Nachbar's Garten stieg
der Dust der Linden beinahe berauschend auf, und die arme
Amsel, die eS mächtig an Lenz und Waldeslüftc gemahnte,
begann in schmelzenden Tönen ihr Morgenlied zu singen. Jetzt
öffnete sich ein Fenster vis-4-vis und ein herrliches blondlockiges
Mädchen erscheint an demselben, mit welchem Theodor seit den
kurzen Tagen seiner AmtSwürde blos durch Blicke mehr ge-
sprochen, als in ganzen Aktenstößen mit seinen sämmtlichen
Dbcrbchörtcn. Auch jetzt wurde ein freundliches Lackeln ge-
tauscht und der schöne Kopf verschwand wieder in der Tiefe
eines neidischen Alkovens.

Das lieblicke Kind war Emilie, die Tockter seines Bureau-
Chefs, wclckc er in den Abendgesellschaften kennen gelernt hatte,
die ihr Vater allwöchentlich zu geben pflegte und deren Sckön-
heit, Geist und Gemüth seinen Hitzkopf alsbald hatten Feuer
sangen lassen. Er war sich seines Gefühles selbst noch nickt
klar, nur das wußte er, daß er stundenlang an ihrer Seite
sitzen konnte, ohne etwas Anderes zu sehen oder zu hören,
als sie. Aber, obwohl das Mädcke» ebenfalls Gefallen an
dem stattlichen junge» Manne zu finden schien, so war dock
das ganze Vcrhältniß so hoffnungslos in seinen Augen, daß cs
ihm nickt im Entferntesten einfiel, dasselbe könne weiter führen,
als zu einigen vergnügt mit einander zugebrachten Stunden.

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Ein Tag aus dem Leben eines Polizei-Aktuars"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Polizeibeamter
Sohn
Polizeidienststelle
Absichtsprovokation
Mutter
Kaufmann
Schriftführer
Karikatur
Strafzumessung
Satirische Zeitschrift
Aktuar <Versicherung>

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 34.1861, Nr. 826, S. 137
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