Fliegende Blätter — 38.1863 (Nr. 913-938)

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Ute 915.

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Croix de l’Hypocondre.

•Sin Lebcnsreiscbrics von L. N. Scni.

Deinem

Edler Freund und Zeitgenoffe!

... , Wunsche, Dir BemerkcnSwerthes aus meinem

Reisetagebuche mitzutheilen, will ich mit nachfolgender Skizze
zu genügen suchen. Ich glaube, Du wirst daran genug be-
kommen und mich mit Beschreibung meiner andern Reise-
abenteuer verschonen. Denn ich reise lieber, als daß ich
darüber schreibe.

Mit einem preußischen Major durchstreifte ich das Cha-
mounythal. Nachdem wir den Montanvert bestiegen, daö Meer
de Glace überschritten, über den Mauvais-Pas auf dem Cha-

peau und endlich wieder unten an den Ufern der Arve an-
gelangt waren, bestiegen, wir die Flcgere, auch Croir de
la Flcgöre genannt, weil droben ein hölzernes Kreuz steht.
Es ist dies eine Felshöhe (5724' ü. M.), die, nur durch
daö enge Arvcthal von der Montblancgruppc getrennt, den
imposantesten und übersichtlichsten Anblick über diese höchste
Bergmasse Europa'ö gewährt.

Wie eigentlich der Berg zu dem Namen Flcgöre kam,
daö kann ich Dir wirklich nicht sagen; so weit reicht meine
Weisheit nicht. Was cs aber mit dem hölzernen Croir,
das darauf steht, für eine Bewandtniß hat, darüber kann ich
Dir die genaueste Auskunft geben.

Es ist jedoch eine geheimnißvolle Geschichte,, die — ocn
Finger auf den Mund! — unter uns bleiben muß. Du
wirst cs zwar Deinem gutmüthigen, harmlosen Freunde kaum
glauben; es ist aber Wahrheit und brennt mich auf dem
Herzen: ich habe dort oben eine Mordthat begangen.

Du bebst zurück, wie vor einem Scheusale. Aber, bester
Freund, cs war ja Nothwchr, pure Nothwehr. Entweder Ich
oder Er. Also doch besser Er. Ob ein solch schlechtes Subjekt
mehr oder weniger da ist, das kann Dir doch einerlei sein.
Und denke Dir nur, wenn ich — i ch gefallen wäre unter seinen
Mörderklauen! Und so tödtcte ich denn Ihn. Freilich muß ich
gestehen, cs war ein Mord mit Vorbedacht, und mit einem
Raffinement ausgcführt, das höheren Zwecken würdig gewesen
wäre. Aber ich bitte Dich, ehe Du mich anzeigst bei Gerichte

_ lies erst diesen Brief zu Ende: bist Du dann nicht von

der Nechtmäßigkeit meiner Handlung, ja, von gänzlicher
Schuldlosigkeit meines Herzens überzeugt — sprichst mich nicht
frei — nun, so gehe hin und thuc, was Du nicht lassen
kannst.

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Croix de l'Hypocondre"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
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Krankheit
Buch <Motiv>
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Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 38.1863, Nr. 915, S. 17
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