Fliegende Blätter — 38.1863 (Nr. 913-938)

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Schillers Nase.

Nicht weit von Ilm-Athen, wenn man durch das Webicht,
den herrlichen Ticfurtcr Park, sodann noch etwas weiter an
sollen Ufern der Ilm entlang wandert, gelangt man an
cm kleines Dörfchen, Cromsdorf genannt, welches, anmuthig
"°n grünen, saftigen Wiesen und Gebüsch umgeben, einen
gar lieblichen und friedlichen Anblick gewährt. An einem
. !uc ^ Ortes erhebt sich ein altcrthümliches Gebäude mit
Is-ih-cm Giebeldach und einem Thurme von mäßiger Höhe,
we )er das Treppenhaus krönt und das allgemein unter
rem ramen des Cromsdorfer Schlößchens bekannt ist.

l” ^ rtieiccftgcr Garten zieht sich von dem Schlößchen
nach der Ilm hin, eingefaßt von einer Mauer, welche auf
den ersten Blick sich <,!« cin gauJ gewöhnliches Werk, bei
näherer Besichtigung jedoch _ natürlich vom Garten aus —
als eine gewaltige Merkwürdigkeit darstellt. In den drei
ausgedehnten ©eiten der Mauer sind nämlich unzählige
Nlschcii angebracht, ,n welchen auf den verschiedenartigsten
'^citamenten die Büsten der berühmtesten Männer aller Zeiten
und Völker prangen, von den fabelhaften Königen und

Helden des Alterthums, bis auf die großen allongeperückten
Potentaten und Feldherrn des XVIII. Jahrhunderts. Die
Köpfe, von roher, phantastischer Steinhauerarbeit, sind alle
sauber getüncht unb zeichnen sich noch besonders durch ge-
waltige Nasen aus, die indessen sammt und sonders eine
und dieselbe Form haben, sowohl die der grimmigen asiatischen
und afrikaiiischen Hoheiten, als die der abendländischen ge-
krönten Häupter und Feldherrn. Tamerlan und der hörnerne
Siegfried, Sultan Muhamed und Sickingen, Czaar Peter
und Prinz Eugcnins, Ludwig XIV. und der alte Fritz,
Karl V. und Kaiser Joseph, kurz Alle, Alle, ohne Ausnahme,
zeigen dieselben, doch durchaus stattlichen und schönen Nasen,
ans welchen: Umstande man sattsam auf die übrige Achnlich-
keit der steinernen Conterfcis mit ihren glorreichen Urbildern
schließen kann. Doch das Ganze ist recht sauber und gewährt
bei bescheidenen Ansprüchen einen recht angenehmen, auf alle
Fälle aber, recht heitern Anblick.

Das war aber nicht immer also gewesen und vor etwa
fünfzig Jahren sah das Schlößchen mit seinem Garten, und
besonders sein historisches Museum in der langen dreiseitigen
Mauer recht verkommen und traurig aus. Die Franzosen,
die im Dorfe und im Schlosse campirt, hatten gar arg
gewirthschaftet und ein junger Kapitain, der Anno 12 vor dem
Ausmarsche nach Rußland, sein Quartier in dem alten
Gebäude gehabt, hatte besonders sein Müthchen an den Brust-
bildern der edlen Fürsten und Herren in den Nischen der
Gartenmauer gekühlt. Wahrscheinlich um sich auf den bevor-
stehenden Winterfeldzug vorzubereiten, resp. einzuschießcn, hatte
er die Nasen sämmtlicher heidnischen und christlichen Potentaten
und gestrengen Herren als Zielscheiben für seine Schieß-
übungen erkoren und sothane Nasen denn auch sammt und
sonders — es sollte mich wundern, wenn es nicht mehr denn
500 waren! — höchst respectwidrig denen gewaltigen Heroen

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Schiller's Nase"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Flussufer
Turm <Motiv>
Pferd <Motiv>
Verschönerung
Park <Motiv>
Satteldach
Kutsche <Motiv>
Brücke <Motiv>
Karikatur
Umbau
Baum <Motiv>
Garten <Motiv>
Schloss <Motiv>
Mauer <Motiv>
Besichtigung
Satirische Zeitschrift
Thüringen
Ilm <Thüringen>
Schloss Kromsdorf

Literaturangabe

Rechte am Objekt

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Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 38.1863, Nr. 921, S. 65
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