Fliegende Blätter — 39.1863 (Nr. 939-964)

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Aus dcm Leücu eines Kurzsichtigen.

(Fortsetzung.)

Als mein Freund fort war, ging ich mit meiner Geige
unstätt und in wechselndem Tempo im Zimmer umher,
vergaß Essen und Trinken und strich wie besessen auf der
Fidel, daß die Nachbarn gewiß geglaubt haben, es spuke
bei mir im Kopfe. Und so ganz Unrecht hätten sie wicht
gehabt. Wie beim Schneegestöber zur Winterszeit die weißen
wirren Flocken, so wirbelten allerhand seltsame und kuriose
Gedanken in meinem Kopfe herum, die ich mit Hülfe meiner
Geige, so gut es ging, zu bcmeistern versuchte. Sehnsuchts-

volle, wehmüthige Melodien in leise zitternden und
klagenden Tönen wechselten in raschen Uebergängen mit
lustigen, jubelnden Weisen, und es war längst Mitter-
nacht vorbei, als ich die Fiedel an die Wand hing und
mich mit den Worten auf's Lager lvarf: „Nun! den
Versuch mit dem Clärchen Schwalbe will ich jedenfalls
machen!"

An dem bestimmten Tauftage stellte ich mich in
Hut und Frack bei meinem Freunde als Gevattersmann
ein, einen köstlichen Blumenstrauß und ein halbes
Dutzend feiner Handschuhe für meine Mitgevatterin
mit mir führend. Ich hatte die Zeit nicht erwarten
können, und lvar eine reichliche halbe Stunde zu früh
gekommen.

„Gut, daß Du so früh kommst!" empfing mich
der Kindstanfvater vergnügt, „nun kannst Tn den
Jungen vorher noch im Bade sehen, wie ihn Gott
geschaffen hat, und wie er eigentlich anssieht," und
führte mich in das Kinder- und Wochenzimmer, wo
ich seine Frau und auch — Clärchen Schivalbe, die
sich gleichfalls etwas früher eingestellt hatte, ganz im
Anblick des kleinen, derben Weltbürgers versunken fand,
der eben unter den Händen der Kindsfrau vor dem kommenden
Bade der Wiedergeburt erst eins der Reinigung und Säuberung
empfing. Obgleich die Wöchnerin unter Lachen von dem
verstohlenen Kichern Clärchens secundirt gegen unfern Eintritt
in die geheiligten Räume einer Wochenstube protestirte und
uns wieder hinausmaßregeln wollte, behaupteten wir uns
doch im Zimmer, und ich benützte natürlich diese Gelegenheit,
zunächst der glücklichen Mutter meinen Glückwunsch und sodann
Clärchen Schivalbe in feierlichen und gar zierlich gesetzten

O

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Aus dem Leben eines Kurzsichtigen"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Gesicht
Mann <Motiv>
Bad <Motiv>
Kindermädchen
Gesäß
Verwechslung
Wochenbett <Motiv>
Sehschwäche
Säugling <Motiv>
Betrachtung <Spiritualität>
Wöchnerin
Karikatur
Kurzsichtigkeit
Satirische Zeitschrift
Monokel

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 39.1863, Nr. 943, S. 33
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