Fliegende Blätter — 39.1863 (Nr. 939-964)

Page: 73
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/fb39/0076
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
^ q Bestellungen werden in allen Buch- und Kunst- rfk | Erscheinen wochenllich ein Mal. Subscriptions-^^^^ ^

' Handlungen, sowie von allen Postämtern und preis für den Band von 26 Nummern 8 fl. 54 ^

Z ei tnng s e rv editi onen angenommen. od.2Rthlr. 5Sgr. Einzelne Nummern kosten 9 kr. od. 2'/? Sar.

Ein schreckliches Weib.


„Ich sagte nichts davon, weil Du immer Opposition
machst, wenn wir auSziehen wollen," sagte Anna mit Vor-
würfen in Blick und Stimme. „Wir! wir!" rief Karl,
„sage lieber: Ich; denn nur Du allein" — „Genug !" ant-
wortete Anna. „Ich also habe gekündet und zwei charmante
Wohnungen en vue — die eine hübscher als die andere,
cs thut Einem die Wahl wehe." — „O, bravo!" sagte Karl
ironisch, „das ist eine Aussicht in die Zukunft! Welche

>chluß.)

! Wohnung wir also auch nehmen werden, immer wird es etwas
zu bedauern und zu beklagen geben!"

„Sind Sie schon öfter ausgezogen, seitdem Sie vermählt
sind, gnädige Frau?" fragte ich. — Karl ließ Anna nicht
zu Worte kommen. — „Wir sind zwei Jahre verheirathet
und haben während dieser Zeit fünf Mal die Wohnung
verändert," sagte mein Freund, dessen häuslichen Jammer ich
mit jeder Minute mehr begriff; — ; „kaum hat man sich
wo eingewöhnt, so heißt es die Zelte wieder abbrechen." —

Zum Glück brach auch dies Gespräch ab, indem der
Diener neue Besuche meldete, später kam der Kaffee und
wir beschlossen „den Abend" um Mitternacht am Whist-
Tische.

Auf meinem Zimmer angelangt betrachtete ich das
gewisse Kistchen mit den seinen Milares mit ganz absonder-
lichen Blicken. — „Ärmer Karl," seufzte ich — „wie wäre
Dir zu helfen?" — Kaum mochte ich einige Stunden ge- !
schlafen haben, — so schien es mir wenigstens — als ich von
einem wahren Höllenlärm geweckt ward. Gähnend und miß- j
muthig wälzte ich mich auf meinem Lager.

Gibt es etwas Unbehaglicheres, als einen trüben grauen
Herbstmorgen, wo der Nebel wie eine Thräncnfluth von den
Dächern rinnt? Auch war frühes Aufstchen nie nach meinem
Gcschmacke gewesen — ich ahnte, wenn alles schon so thätig
sei, daß auch ich aus dem Bette müsse. Staunend und
übellaunig horchte ich, und konnte mir's nicht erklären. —
Im Vor- und Nebenzimmer polterte, kratzte, pochte, bürstete,
schnurrte, hämmerte und heulte es, wie in der Scene der
Wolfsschlucht im „Freischütz". — Dazwischen tönten grobe
Baßstimmen und Annas glockenreines Organ. Ich sah nach !
der Uhr, eS war ein Viertel auf sieben, da pochte es an !


Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Ein schreckliches Weib"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Tragen
Schrank
Handwerker <Motiv>
Wohnung <Motiv>
Umgestaltung
Ehefrau <Motiv>
Änderung <Motiv>
Bauliche Veränderung
Karikatur
Hund <Motiv>
Leiter <Motiv>
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 39.1863, Nr. 948, S. 73
loading ...