Fliegende Blätter — 39.1863 (Nr. 939-964)

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.steilnngserpedilionen angenommen. ' od. 2 Rtblr. 5 Scir. Einzelne Nummern kosten 9 kr. od. 2 V? Sar.

Ein schreckliches Weib.

I.

Es war einer der schönsten, lieblichsten Tage des Herbstes
1862. Der Regen floß sein, kalt und dicht vom umgranten
Himmel; ein trauriger Wind durchheulte die Straßen, als
sänge Gott Aeolus dem Sommer ein ileguiem nach; dicker
brauner Schmutz bedeckte das einst berühmt gute und jetzt
so schlechte Pflaster Wiens, worauf die Fußgänger anzusehcn
waren wie unglückliche Fliegen, wenit menschliche Tücke ihnen
einen init Vogelleim bestrichenen Bogen Papier als Prome-
nadeplatz hingebreitet, und sie sich vergeblich abmühc», von solch'
böser Stelle wieder loszukommen. —Dennoch hielt ich's im dunklen
Zimmer meines Hotels nicht länger auS. Das Geständniß

einer fünfjährigen Abwesenheit von Wien möge mich cut-
schuldigen, wenn vielleicht schöne Leserinen mich allzugroßer
Neugier zeihen, und nicht begreifen, weßhalb ich nicht stilles
behagliches Weilen in der bequemen Stube einem mühevollen
und gefährlichen Gang durch die bercgneten Straßen vorzog.

; — Ich erfaßte also Regenmantel, Hut und Wetterdach, und
stürzte „hinaus iu's feindliche Leben", um mir die „Ver-
schönerungen" anzusehen, welche nun seit einiger Zeit die
Bewohner Wiens in eine Art von Zukunftseutzückuugsficber
versetzen. Nachdem ich etwa eine Stunde umhcrgcwandelt
worden, indem mich bald ein Karren rechts, eine Krinoline
links, oder eine „Butten" geradeaus schob, hatte ich eben ge-
nug Studien gemacht, um in üble Laune zu gerathcn, und
die lustige Kaiserstadt einer alten Kokette vergleichbar zu fin-
den^ welche vor lauter Bestrebungen nach Verschönerung —
immer garstiger wird. Als ich nun durch einen Wäscher mit
einem enormen Korbe gewaltsam an die riesige Spiegelscheibe
einer Kaffcehausthüre angepreßt und gezwungen ward, diese
entweder einzudrücken oder freiwillig aufzuthun, zog -ich das
Letztere vor, öffnete daö erstaunliche Produkt böhmischen Ge-
werbcfleißes und stand bald in dem gualmerfüllten Raume
des Cafo's, in welchem vielleicht 50 bis 60 Herren die lang-
weiligen Nachmittagsstunden mit Karten oder Journalen in
den Händen zu verdämmern suchten. Einen Moment stand
ich, mir ein Plätzchen wählend, wo ich möglichst allein und
ungestört — wir Deutschen sind einmal Eremiten - Naturen
— meinen „Schwarzen" trinken könne. — Aber ein offen-
bar Erfreutes: „Hugo! bist Du es wirklich? — Kannst
Du cö fein?" zog mich aus meiner Ünschlüfsigkeit, und bald
lag ich in den Armen meines Jugendfreundes Karl. Frisch-
herz. Wir hatten uns seit sieben Jahren nicht mehr ge-
sehen, und ein Briefwechsel war uns nach echter Männerart
zu mühsam gewesen; daher zogen wir uns nach den ersten

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Ein schreckliches Weib"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

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Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Mann <Motiv>
Eingang <Architektur>
Herr <Motiv>
Korb
Mantel <Motiv>
Regenschirm
Glasscheibe
Regen <Motiv>
Stuhl <Motiv>
Hut <Motiv>
Tisch <Motiv>
öffnen
Tür <Motiv>
Drücken
Wäsche
Herbst
Karikatur
Kaffeehaus <Motiv>
Satirische Zeitschrift
Wien

Literaturangabe

Rechte am Objekt

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Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 39.1863, Nr. 947, S. 65
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