Fliegende Blätter — 39.1863 (Nr. 939-964)

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Ein Weihnachtsabend.

(Fortsetzung.)

Da pochte .es plötzlich an ihre Thüre, sie hatte in dem
dumpfen traumhaften Brüten und Sinnen nicht gehört, wie
draußen unsichere Tritte die Stiege heraufkamen, sie hatte
das suchende Umherschlürfen in der Finsterniß draußen nicht
wahrgenommen, erst das Klopfen schreckte sie auf, aber ihr
war so beklommen, daß sie kein „Herein" ausrufen konnte,
und wieder klopfte es, darauf wurde' die Thür aufgeklinkt
und dem gespannten Blicke der Frau,, durch deren Sinn eine
wirre Reihe von Bermuthungen jagte, wer wohl zu ihr
kommen könne, zeigte sich die kräftige hohe Gestalt eines
jungen Mannes, der zaudernd in bcr geöffneten Thüre stehen

blieb, mit suchendem Auge das Dunkel des Kämmerleins
durchforschend.

Die Frau senkte matt und getäuscht das Haupt; die
Hoffnung, die in rathloser Verzweiflung auch das Unwahr-
scheinlichste für möglich hält, hatte sie zwei verschiedene Ge-
stalten erwarten lassen; entweder einen bejahrten Mann, aus
besten strengem und ernstem Angesicht ein Strahl vergebenden
Mitleids leuchtete, oder einen anderen jüngeren, den sie heiß
geliebt, und der ihr unsäglich wehe gethan. Es war keiner
von beiden, der zögernd dort an der Thür stand, und sie
war so matt, so müde, daß sie nicht einmal fragen mochte,
was den Fremden hierher geführt habe.

Als dieser aber mit unsichrer Stimme fragend: „Therese?"
rief, da fuhr sie erschreckt auf, da blickte sie forschend nach
des Nähertreteuden Zügen, da stieß sie einen Schrei aus, da
verbarg sie ihr Gesicht in den Händen auf den Holzschemel
zurücksinkend.

„Therese, Therese," sagte der junge Mann nähertretend,
sie aber hatte das Gesicht auf den einen Arm gedrückt und
streckte den andern zurückwinkend dem Eingetretenen entgegen.
Er aber fuhr mit leiser bewegter Stimme fort: „Stoße mich
nicht weg, Therese — ich weiß Alles, was Dich betroffen,
ich bin erst heute wiedergekommen, mein erster Gang war
zum Onkel; unten im Hause bei Leukhardt's erfuhr ich Alles, j
auch daß Du noch hier in der Stadt fein müßtest. Da Hab'
ich mich aufgemacht und Hab' gefragt und gesucht, bis ich
endlich erfahren, wo Du wohnst. Therese" — und er
schaute in dem kahlen öden Kämmerlein umher — „Du
hast'ö nicht gut, Du leidest Mangel. Weise mich nicht stolz
zurück, wir waren ja immer wie Bruder und Schwester."

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Ein Weihnachtsabend"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Heil, Friedrich Michael
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

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Literaturangabe

Rechte am Objekt

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Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 39.1863, Nr. 963, S. 193
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