Fliegende Blätter — 39.1863 (Nr. 939-964)

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Der Gang von der Eisenbahn in den
G a st h o f.

III.

Wie die Reisenden allbcrcits selber am Gasthof ankommen.

Die Schulpriigel,

ihr Nutzen und ihre Unentbehrlichkeit.

Von Di-. Robert Hase.

Es gibt in unsrer Zeit Leute genug, leider sogar unter
den Schulmännern, welche das alte, bewährte Institut der
Schulprügel entweder ganz aufgehoben oder doch auf ein sehr
bescheidenes Maß beschränkt wissen wollen, — ein Unver-
stand, der, wie wir beweisen werden, selber höchst prügelns-
wcrth ist. Nun würden wir über diesen Unverstand kein
Wort verlieren, wenn er sich, wie so manche andre Ansicht,
bloß als theoretische Meinung zeigte, ohne im Leben stark
zur Geltung ju kommen, d. h. wenn in praxi und in schola
tüchtig fortgeprügclt würde. Allein leider machen sich die
Folgen dieser unglückseligen Ansicht in einem großen Theil
der Schulen immer bemerkbarer. Zwar weiß ich es wohl,
daß es noch verständige Lehrer genug gibt, die, der guten
alten Sitte treu, den Bakel, dieses gewichtigste aller Lehr-
mittel, diesen Feldherrnstab und dieses Scepter der Lehrer,
zum Heile ihrer Jugend mit Fleiß und Energie zu führen
wissen; allein in den meisten Schule», wenigstens unsrer
Gegend, werden solche Ehrenmänner immer seltener. In
trauriger Thatlosigkcit lehnt da der Bakel in irgend einer
verlassenen Ecke und verliert ans Mangel an Ucbung seine
heilsamen pädagogischen Kräfte.. Höchstens daß sich in der
Abwesenheit des Lehrers die liebe Schuljugend selber damit

Die Schulprügel.

durchprügelt, in dem allerdings ganz richtigen dunkeln Ge-
fühle, wie sehr sie es bedürfe und verdiene.

Wenn ich hier für die Schulprügel in die Schranken
trete, so will ich dieses Wort nicht in dem gewöhnlichen
engen Sinne genommen wissen, wonach man dabei blos an
Bakel oder Ruthe und an die Körpcrtheile denkt, welche die
gewöhnlichen Felder der Wirksamkeit derselben bilden, sondern
ich stelle mich, wie cs sich in einer philosophischen Abhand-
lung geziemt, auf einen viel höheren Standpunkt und ziehe
auch die „Ohrfeigen", die „Maulschellen", die „Kopfnüsse",
die „Nasenstüber", die „Rippenstöße", die „Püffe", die
„Handschmitzchen", das „Erbsenknien", und alle anderen
derartigen Schultorturen in den Kreis meiner Verthcidigung.
Denn habe ich einmal die Rechtmäßigkeit und Nothwendig-
keit der eigentlichen Prügel bewiesen, so ist derselbe Beweis
für alle übrigen Kleinigkeiten der pädagogischen Marter-
kammer nur ein Kinderspiel und eigentlich schon mitgeführt.
Wenn es nicht nur verschiedene Grade, sondern auch ver-
schiedene Arten von Unarten gibt, so muß es ja auch
verschiedene Arten der Züchtigung derselben geben. Uebrigens
— variatio delectat, nicht blos den Lehrer, sondern auch die
Schüler. Auch sieht man nicht ein, warum gerade die paar
Theile des Körpers, welche das gewöhnliche Objekt der
Prügel sind, vor allen andern einen Vorzug haben sollen.

Da in unsrer Zeit pädagogische Ansichten und Theo-
rien wie Pilze emporschießen, um eben so schnell wieder zu
verschwinden, und da cö doch bei der Natur des Gegen-
standes ganz unmöglich ist, immerfort etwas wesentlich
Neues, noch nie Dagewesenes anszudenken, man also bei dem
Bcdürfniß eines Wechsels gelegentlich wieder zu dem Alten
greifen muß, so ist die größte Hoffnung vorhanden, daß die
Schulprügel, so wie sie jetzt immer mehr aus der Mode zu
kommen drohen, so auch künftig wieder einmal recht hinein
kommen werden. Dieser Gedanke darf »ns gleichwohl nicht
abhalten, schon jetzt der guten Sache das Wort zu reden und

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Der Gang von der Eisenbahn in den Gasthof" "Die Schulprügel"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

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Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

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Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Gastwirt
Tragen
Gepäck
Schüler <Motiv>
Lehrer <Motiv>
Klingel
Morgen
Gast <Motiv>
Gasthof
Stock <Motiv>
Weibliche Reisende <Motiv>
Erschöpfung
Körperliche Züchtigung <Motiv>
Karikatur
Satirische Zeitschrift
Thema/Bildinhalt (normiert)
Prügel <Motiv>

Literaturangabe

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Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 39.1863, Nr. 944, S. 46
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